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Fokus auf Räume zwischen den Häusern

Eine Architektin, die sich am meisten für die Räume zwischen den Häusern interessiert: Gudrun Sturn aus Röthis setzt sich für mehr Lebensqualität im Wohnumfeld ein.

Von Thorsten Bayer

Gudrun Sturn ist zurück in Röthis. Hier wurde sie 1977 geboren, hier lebt sie seit 2014 wieder mit ihrem Mann und den beiden Kindern. Dazwischen liegen fast zwanzig Jahre in Wien. Bereits während ihres Architekturstudiums in der Bundeshauptstadt interessierten sie, neben den klassischen Inhalten, Städtebau und Landschaftsarchitektur. „Das breit gefächerte Angebot an der Technischen Universität Wien kam mir sehr entgegen“, erinnert sie sich. Die anschließende Prüfung zur Ziviltechnikerin bestand sie. Nach den obligatorischen drei Jahren in verschiedenen Architekturbüros entschied sie sich jedoch für einen anderen Weg und arbeitete als Stadtteilmanagerin. Zehn Jahre lang kümmerte sie sich als Gebietsbetreuerin um die Wiener Bezirke 9, 17 und 18 – eine Gegend mit vielen sanierungsbedürftigen Gebäuden, ungepflegten Grünanlagen und leer stehenden Wohnungen. „Eine Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Lokalpolitik und Bevölkerung“, wie sie sagt.

Das interdisziplinäre Team mit Juristen, Grafikern, Landschafts- und Raumplanern sowie Architekten entwickelte Projekte, welche neben konkreten Maßnahmen vor Ort ein psychologisches Ziel hatten. Nämlich die Wahrnehmung des eigenen Umfelds zu ändern. „Oft äußern die Leute lediglich Kritik, wenn sie sich über ‚ihr‘ Viertel unterhalten. Wir wollten den Spieß umdrehen: Welche Dinge gefallen mir?“, erläutert Sturn. Daraus entstand im Jahr 2013 das Projekt „Stadtsafari“. Im Rahmen dessen wurden auf verschiedenen medialen Kanälen Tipps über das Wiener Kreuzgassenviertel geliefert – was nicht zuletzt das Selbstwertgefühl der Bewohner heben sollte. Manche brachliegende Ecke ist so belebt worden. Ein zuvor leer stehender Kiosk wird nun beispielsweise mit wechselnden Ausstellungen bespielt.

2015 gegründet. In Vorarlberg ist die Expertin nun als „Frau Sturn“ bekannt. Diesen Namen trägt das im Februar 2015 gegründete Ein-Personen-Unternehmen, ein Ingenieurbüro für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur.

Ihr ursprünglicher Ansatz ist dabei geblieben. „Lebenswerte Gemeinden und Städte leben von attraktiven öffentlichen Räumen, von Plätzen, Straßen und Orten der Begegnung. Hier entsteht Gemeinschaft, Vielfalt und Leben. Diese Orte sind wichtig, sie müssen gepflegt werden. Frau Sturn pflegt den öffentlichen Raum“, schreibt die Expertin auf ihrer Homepage.

Im westlichsten Bundesland Österreichs befasst sie sich unter anderem mit dem Thema „Spiel- und Freiraumentwicklung“. Um eine Förderung des Landes Vorarlberg zu erhalten, müssen Verantwortliche von Gemeinden oder Regionen ein schlüssiges Konzept vorlegen. Schließlich kamen dabei Sturns Fähigkeiten ins Spiel. Zuständige des Standes Montafon beauftragten sie, einen solchen Plan zu erarbeiten – und zwar über die Grenzen einer einzelnen Gemeinde hinaus. Stattdessen ging es um gemeinsame Spielorte, Freiräume und Treffpunkte in acht Orten, von Lorüns und Stallehr bis Schruns und Tschagguns. Ein aufwändiges Projekt, bei dem die Vorarlbergerin jede Gemeinde besuchte, Workshops an Schulen veranstaltete und in sogenannten „Spielraum-Camps“ Gespräche mit Bürgermeistern sowie rund 90 Kindern und Jugendlichen führte.

Reelle Wünsche. Der Prozess läuft derzeit noch, ein Ergebnis zeichnet sich aber bereits ab. Ein zentraler Jugendplatz wird beim Aktivpark Montafon entstehen, der dortige Skaterplatz erweitert. „Interessanterweise ist den Jugendlichen am wichtigsten, dass sie einfach nur einen Platz haben, an dem sie sich treffen, chillen können und nicht vertrieben werden“, weiß Sturn. Sie ist überzeugt, dass überzogene Ansprüche sicherlich anders klingen. „Naja, idealerweise sollte es zudem kostenloses WLan und einen Zigarettenautomaten geben“, ergänzt sie dann doch und lacht. Ihr Auftraggeber ist von den Fortschritten angetan. „Die Zusammenarbeit mit Gudrun Sturn basierte auf guter Kooperation und war geprägt von Verlässlichkeit und Fachlichkeit“, sagt Ralf Engelmann, Jugendkoordinator des Standes Montafon. Er sei von einem positiven Abschluss des Prozesses überzeugt.

Statt auf eigene Mitarbeiter setzt Frau Sturn auf ein starkes Netzwerk. Das fing schon in der Gründungsphase ihres Unternehmens an, als sie am Programm „C hoch 3“ der Kreativwirtschaft Austria teilnahm. Das Projekt bietet 20 Kreativschaffenden, vom Designer über Texter bis hin zum Tischler, die Möglichkeit, wirtschaftliches Know-how zu sammeln, die eigenen Vorstellungen kritisch zu hinterfragen und sich intensiv mit anderen Jungunternehmern auszutauschen. „Bislang habe ich noch keine Projekte gemeinsam mit anderen Teilnehmern umgesetzt. Aber es ist gut zu wissen, diese Kontakte im Hintergrund zu haben“, sagt Sturn.

Ideen schmieden. Kooperationspartner der Fachfrau sind etwa das Raumplanungsbüro stadtland, das sie zum Beispiel bei dem Montafoner Projekt unterstützte, sowie die Sinnfabrik von Karl-Heinz Marent. Mit ihm machte sie sich Gedanken über die Entwicklung der Gemeinde Übersaxen. Im Prozess „Visionen für Übersaxen“ wurden Fragen behandelt wie „Was passiert mit unserem einzigen Gasthaus im Ort?“ oder „Wie soll unser Tourismuskonzept aussehen?“.

Komplett angekommen. In ihrem Heimatort Röthis wurde die Unternehmerin im März zur parteilosen Gemeindevertreterin und Frauensprecherin gewählt. In diesem Amt geht es erneut um Vernetzung. Sämtliche Frauensprecherinnen der Region Vorderland organisieren beispielsweise gemeinsam Vorträge. „Ich bin wieder voll und ganz in Vorarlberg angekommen“, sagt Sturn. Davon, beziehungsweise von ihrem Wirken, profitieren auch die Nachbarn in der Gemeinde Übersaxen. Das zuvor lange leerstehende Gasthaus Krone hat nämlich mittlerweile unter neuer Führung wieder eröffnet.

<p class="caption">Skaterplatz heute – Zeit für Veränderung.</p>

Skaterplatz heute – Zeit für Veränderung.

<p class="caption">Die Skatergruppe „Einhorn“ diskutiert über künftige Entwicklungen. Frau Sturn (2), Klaus Hartinger (2)</p>

Die Skatergruppe „Einhorn“ diskutiert über künftige Entwicklungen. Frau Sturn (2), Klaus Hartinger (2)

„Lebenswerte Gemeinden benötigen attraktive öffentliche Plätze und Begegnungszonen.“

Gudrun Sturn, Landschaftsarchitektin

„Es ist immer hilfreich, Kontakte im Hintergrund zu haben.“

Gudrun Sturn, Unternehmerin

Kontaktdaten

Frau Sturn

Gudrun Sturn

Adresse: Torkelweg 2

6832 Röthis

Mobil: 0699 19 23 14 22

Email: hallo@frausturn.at

Homepage: www.frausturn.at

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