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„ Alte und neue Wörter haben alle ihre Berechtigung“

Veronika Hofer wirkte bei der Erstellung des Lustenauer Wörterbuchs mit. Klaus hartinger

Veronika Hofer wirkte bei der Erstellung des Lustenauer Wörterbuchs mit. Klaus hartinger

Interview. Veronika Hofer spricht über das Lustenauer Mundart-Projekt und Anglizismen.

Sie waren von Beginn an beim Erstellen des Lustenauer Wörterbuchs beteiligt. Wie nahm das Projekt seinen Anfang?

Veronika Hofer: Zur Beschäftigung mit dem Dialekt bin ich über meinen Mann Otto gekommen. Er dichtete in Mundart, tat sich aber mit dem Schreiben schwer. Wir saßen da und überlegten uns: Wie schreibt sich jetzt „Mauotla“ (Mädchen)? 1982 kam Sieglinde Fitz-Grabher auf uns zu. Sie wollte eine Gesamtausgabe der Werke ihres Vaters, Hannes Grabher, herausgeben. Dabei hatte sie bemerkt, dass er viele Wörter mal so, mal so geschrieben hatte.

Die Schreibweise sollte also vereinheitlicht werden?

Hofer: Richtig. Gemeinsam mit anderen Mundartdichtern und „urigen“ Lustenauern haben wir uns ein gutes Jahr lang alle zwei Wochen bei Sieglinde getroffen. Wir vereinheitlichten und übersetzten die Ausdrücke. Das war nicht immer einfach. Manchmal war für die Übersetzung eines einzelnen Wortes ein ganzer Satz nötig.

Zum Beispiel?

Hofer: Etwa „Banklocha“: „beim Bubenstreit wird einer aufs Kreuz gelegt, ein anderer setzt sich rittlings auf seinen Bauch und reibt mit den Knien seine Seiten, während er ihm die Hände über dem Kopf festhält“. Ein ganz gemeines Spiel.

Was macht den Charakter der Lustenauer Mundart aus?

Hofer: Im Grunde ist es eine derbe Sprache. Die Lustenauer waren ja ursprünglich Bauern. Ihr Dialekt ist urig, eigenständig, direkt, originell. Je nachdem auch spritzig. Außer, der Betreffende redet „a löhmi“ – also langsam und lustlos.

Verwenden Sie durch das Projekt Wörter, die sie sonst nicht gebraucht hätten?

Hofer: Ich denke nicht. Aber mein Mann und ich bemühen uns, alte Ausdrücke am Leben zu halten. Wir haben früher unsere Kinder beim Sprechen auch manchmal korrigiert. Das gefiel ihnen zwar nicht besonders, aber heute sind sie doch stolz auf ihren Dialekt.

Stört es Sie, dass hierzulande immer mehr Anglizismen verwendet werden?

Hofer: Überhaupt nicht. Ich finde es schön, dass es so viele verschiedene Sprachen gibt. Und Sprache verändert sich eben. Nicht nur das Lustenauerische.

Alte und neue Wörter sollen also beide ihren Platz haben?

Hofer: Klar. Die haben alle ihre Berechtigung. Natürlich freut es mich, wenn das ein oder andere Wort wieder in Erinnerung gebracht wird. Und dazu kann die App vielleicht beitragen.

Interview: Johannes Hofer

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