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Wenn jede Sekunde zählt

Um den Ernstfall zu proben, treffen sich dieses Wochenende rund 450 Rot-Kreuz-Helfer aus ganz ­Österreich zur Bundesübung „Would 2017“ im Bregenzerwald.

Von Saskia Heel (Text) und
Philipp Steurer (Fotos)

Hilferufe und verzweifelte Schmerzensschreie schallen durch den Wald. Blutüberströmte und bewusstlose Personen liegen auf einem Waggon des Wälderbähnles. Panisch klopfen die Menschen in den Zugabteilen an die Fensterscheiben. Ein zertrümmerter, blauer Kleinbus befindet sich auf dem Dach der Museumsbahn. In dem Autowrack liegen zwei junge Frauen. Aus ihren tiefen Wunden an Armen und Beinen rinnt Blut. Der schrille Ton unzähliger Sirenen klingt durchs Tal. An die 15 Blaulichtfahrzeuge stehen aufgereiht entlang der L 200, Bregenzerwaldstraße.

Dass es sich bei dem Unfall­szenario auf den Gleisen des Wälderbähnles in der Nähe von Bersbuch lediglich um eine Übung für Rotkreuz-Helfer handelt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. „Die Figuranten spielen ihre Rollen wirklich gut“, sagt Landesrettungskommandant Werner Meisinger. Er kümmert sich mit einem 25-köpfigen Team um die Organisation und den reibungslosen Ablauf der Bundesübung für Rettungskräfte aus ganz Österreich. „Rund ein Jahr haben die Vorbereitungen für das Übungswochenende hier im Bregenzerwald gedauert“, erzählt Meisinger. Insgesamt werden an den drei Übungstagen 14 Unfall- und Katastrophenszenarien geprobt.


Betreuung vor Ort. So auch eine Kollision zwischen dem Wälderbähnle und einem Kleinbus. Nur wenige Minuten nach der Alarmierung der Rettungskräfte, die während der Übung in einer Zeltstadt bei der Talstation des Skigebietes Schetteregg wohnen, treffen die ersten Rot-Kreuz-Helfer am Unfallort ein.

„Nach einer Chaosphase, die es bei nahezu jedem Einsatz gibt, beginnt der Einsatzleiter mit der Erkundung der Unglücksstelle“, erklärt Meisinger. Mit klaren Ansagen an die Feuerwehrleute und Rettungskräfte vor Ort läutet der Einsatzleiter den Beginn der Bergungsarbeiten ein. Auf sein Kommando formen sich diverse Kleingruppen und starten mit ihren jeweiligen Aufgaben. Die Mitglieder der Feuerwehren klappen Leitern aus, um über das steile Gelände überhaupt an die Opfer heranzukommen, einige Rot-Kreuz-Helfer beginnen mit dem Aufbau eines Triagelagers auf der Wiese neben der Unglücksstelle. Andere kümmern sich bereits um die Erstversorgung der Verletzten.

Binnen weniger Minuten sind vier weiße Zelte, unzählige grüne Feldbetten, Tische und Bänke für die Leichtverletzten aufgebaut. Mit einem Bergekran beginnen indessen die Feuerwehrkräfte schon mit der Befreiung der Schwerstverletzten aus dem blauen Kleinbus. „Bei einem Einsatz in solch unwegsamem Gelände werden die Opfer zunächst von den Vertretern der Feuerwehr geborgen und anschließend direkt vor Ort von Rot-Kreuz-Helfern verarztet“, schildert der Landesrettungskommandant. „Die Erstversorgung vor Ort ist bei über 100 Verletzten notwendig, um die Patienten anschließend auf die entsprechenden Krankenhäuser zu verteilten.“

Realitätsnah. Um die Übung so real wie möglich zu gestalten, wissen die Einsatzkräfte bis zur Alarmierung nicht, was passiert ist. Die Figuranten, welche die Verletzten spielen, werden hingegen im Vorfeld mit ihren Aufgaben vertraut gemacht. „Wir haben einen Zettel mit unseren Symptomen erhalten“, erzählt Joana Epaminandas. Sie ist gemeinsam mit ihren Klassenkollegen der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch vor Ort. „Während wir für unsere Rolle geschminkt worden sind, haben wir noch Verhaltensinstruktionen erhalten“, erklärt sie. „Einige von uns spielen Panikattacken vor oder mimen Betrunkene. Es ist spannend, Teil einer solchen Übung zu sein.“

Epaminandas gehört mit Blutergüssen und Schmerzen in der Schulter zu den mittelschwer verletzten Personen. Diese und auch die Un- und Leichtverletzten werden von den Sanitätern in einem Zelt kurz untersucht. Ihre Personalien werden notiert. „Jene Personen ohne Wunden werden im Anschluss möglichst schnell vom Unfallort weggebracht und in einem naheliegenden Saal vom Kriseninterventionsteam betreut“, erklärt Meisinger.

Teamwork. Die schwerverletzten Personen werden von den Notärzten vor Ort in verschiedene Kategorien eingeteilt und dann in den jeweiligen Zelten von Sanitätern behandelt. Auch ein eigener Kinderbereich für verwundete Minderjährige wurde errichtet. In jedem der Zelte sind Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams tätig, um die teilweise unter Schock stehenden Verletzten zu betreuen. Neben Einsatzkräften des Kriseninterventionsteams, der Feuerwehren und des österreichischen Roten Kreuzes sind zudem noch Polizeibeamte zur Spurensicherung sowie Vertreter des Bundesheers mit zwei Hubschraubern im Einsatz.

Wie im Ernstfall werden auch bei dem gespielten Szenario die Schwerstverletzten mit Helikoptern in ein Spital geflogen. „Bei solchen Übungen wird im Vorfeld ein fiktives Krankenhaus in der Nähe bestimmt. Dorthin werden dann die Patienten gebracht“, sagt Meisinger. Er ist zufrieden mit dem nahezu reibungslosen Ablauf der Übung. „Trotz des unwegsamen Geländes und der schwierigen Arbeitsbedingungen haben die Einsatzkräfte hervorragend zusammengearbeitet. Das gibt ein gutes Gefühl für den Ernstfall.“

<p class="caption">Mit einem Militärhubschrauber wurden die schwerst verletzten Patienten abtransportiert.</p>

Mit einem Militärhubschrauber wurden die schwerst verletzten
Patienten abtransportiert.

<p class="caption">Rund 600 freiwillige Statisten sind vor Ort, um Verletzte zu mimen.</p>

Rund 600 freiwillige Statisten sind vor Ort, um Verletzte zu mimen.

„Sich einen Überblick über das Szenario zu verschaffen ist wichtig. Es wäre fatal bei so vielen Opfern sofort mit der Bergung zu beginnen.“

Werner Meisinger, Landesrettungskommandant

Bundesübung

Would 2017

Bei der Rotkreuz-Bundesübung sind von 15. bis 18. Juni rund 450 Kräfte aus ganz Österreich im Einsatz. Es werden dabei insgesamt 14 Szenarien geprobt.

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