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Kunstvolles an und in der Natur entdecken

„Frutz Art“: Bereits zum dritten Mal erkunden am Dienstag Rankweiler Kindergarten- und Schulkinder den Naherholungsraum Frutz, testen, was aus Flusssteinen alles werden kann, baden, grillen – und nehmen später ihren Müll wieder mit.

Von Miriam Jaeneke

Das Wetter hat an diesem Dienstag sein schönstes Sommerkleid angezogen und sämtliche Rankweiler Kinder hinaus und an und in die Frutz gelockt. 762 Mädchen und Buben aus den drei Volksschulen Markt, Montfort und Brederis und den Kindergärten sind im Wasser und auf Steinen und Felsen unterwegs. Lehrer und Eltern haben Seile an Baumstämmen befestigt, an denen sich der Nachwuchs die Böschung bis zum Flussbett hinunterhangeln kann. Der Tag ist ideal: nicht zu heiß, aber schönes Wetter, kein zu niedriger Wasserstand, der ein Baden und Schwimmen unmöglich gemacht hätte, kein zu hoher Pegel, der einen Aufenthalt am Ufer ebenfalls nicht zugelassen hätte. Ein Mal ist die Aktion „FrutzArt“ bereits ins damals zu viel vorhandene Wasser gefallen. Heute geht diese nun zum dritten Mal über „das Wasser“. Organisiert wird die Aktion von Vertretern der Gemeinde, und dies jedes zweite Jahr.

Kreativität. Die jungen Einwohner sollen ihre unmittelbare Umgebung spielerisch unsicher machen dürfen. „Es geht darum, dass die Kinder das Kunstvolle in der Natur entdecken“, formuliert es Mailin Wachter, die mit den Schülern der zweiten Klasse der Volksschule Markt da ist. Sie hat wasserfeste Wachsmalkreiden für alle mitgebracht. „Die Mädchen und Buben sind sehr kreativ, wenn man sie einfach tun lässt“, ist ihre Beobachtung.

Stolz kommen ihre Schützlinge an und zeigen ihre Errungenschaften: Der achtjährige Elias Eisath hat im Flussbett einen Stein gefunden, der in seinen Augen wie ein Jeep aussieht, und dementsprechend hat er schwarze Reifen daran gemalt. Emma Hassan zeigt einen handgro­ßen Stein, auf den sie die Flagge ihres Heimatlandes gemalt hat: drei Streifen in Rot, Schwarz und Weiß. Die Zehnjährige stammt aus Kobane in Syrien und ist nun ein Jahr und zehn Monate in Österreich. Ihr Deutsch bewährt sich an diesem Aktionstag. Ihre Klassenkameradin Frida hat auf einen großen, fest im Boden verankerten Stein geschrieben: „FrutzArt 2b war da.“ Damit spätere Besucher Kunde von diesem Tag bekommen.

Simon Nagel, ebenfalls Lehrer an der Volksschule Markt in Rankweil, bedauert: „Es ist leider ein kleines bisschen wenig Zeit. ,Meine‘ Kinder sind schon fest am Bauen.“

Doch die Kinder setzen Prioritäten, und die liegen nun mal am und im Wasser. Tobias Tschenett und Elias Schneider, beide zehn Jahre alt, haben ein größeres Projekt in Angriff genommen. Sie schleppen ein Stück Stamm von einer Stelle zu einer anderen, um dort einen Staudamm zu bauen. „Den hier herzutragen war vielleicht Arbeit“, sagen sie, es klingt stolz.

Lagerfeuer, Stockbrot für alle, Stecken, um das es gewickelt und auf dem es gegrillt wird, eine zünftige Jause, Badesachen, Kleidung zum Umziehen, falls jemand aus Versehen oder weniger aus Versehen ins Wasser fällt, Müllsack, Seile – es steckt einiges an Logistik hinter diesem Ausflug. Einiges, das auch die Elternverein-Mitglieder organisiert haben, wie etwa für die zweite Klasse von Mailin Wachter (Volksschule Markt): „Das Holz fürs Lagerfeuer, den Teig fürs Stockbrot und die Stecken haben die Eltern zur Verfügung gestellt. Und eine geübte Mutter hat das Feuer angezündet“, erzählt Wachter. So eine geübte Mutter ist Magdalena Willinger. Ihr achtjähriger Sohn Florian baut gerade mit den anderen an einem Staudamm, ihre sechsjährige Tochter Viktoria ist mit dem Kindergarten „Merowinger“ weiter flussabwärts am Werkeln. Sie genießt gerade eine „Wald- und Wasserwoche“ ihres Kindergartens. „Nehmt ihr die runtergefallenen Süßigkeiten bitte mit und tut sie in den Müllsack“, sagt Willinger zu einigen Kindern. Aus dem Augenwinkel beobachtet sie außerdem das Feuer, „damit da nichts passiert“.

Erfahrungen. Auf dem Feldweg oben entlang des Flusses patroulliert Norbert Preg mit dem Fahrrad die kinderbesetzte Strecke zwischen Gewerbepark Rankweil und alter Eisenbahnbrücke. Er organisiert den Ak­tionstag von Gemeindeseite aus. Die Unternehmung lohnt sich seiner Meinung nach aus vielen Gründen. „Zum Beispiel gibt es Kinder, die sind noch nie durch einen Bach gewatet. Hier machen sie teilweise ganz triviale Erfahrungen.“ Zwei Männer auf Rädern kommen ihm entgegen, es sind die Bürgermeister von Sulz und Zwischenwasser. Sie haben einige Blicke auf den Ort des Geschehens riskiert, denn sie erwägen, ein nächstes Mal dabei zu sein – dann mit den Kindern aus ihrer Gemeinden.

Für dieses Mal heißt es dann erst einmal „Abmarsch!“, die Gruppe um Lehrerin Mailin Wachter packt zusammen. Wem gehört was, wo ist wer? Wachter löscht das Feuer.

Ereignisreiche Stunden liegen hinter den Kleinen und Größeren, an der Frutz entstanden kleine Kunstwerke aus Naturmaterialien. Das Ziel, die Kinder für die Natur zu begeistern, ihre Kreativität zu wecken, scheint erreicht. Das ist aus ihren Gesprächen herauszuhören.

<p class="caption">Vielerlei Möglichkeiten, sich kreativ auszuprobieren, bot der Tag.  Miriam Jaeneke (8)</p>

Vielerlei Möglichkeiten, sich kreativ auszuprobieren, bot der Tag.
Miriam Jaeneke (8)

„Es geht darum, dass die Kinder das Kunstvolle in der Natur entdecken.“

Mailin Wachter, Lehrerin
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