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Von Heidrun Joachim

Charmanter Kind-Kaiser

Sebastian Kurz hat es geschafft, die rote Konkurrenz auf die Plätze zu verweisen. Und den eigentlich eloquenten Kurz-Kanzler Kern alt aussehen zu lassen. Türkis steht eben für jung, frisch. Jung und frisch erscheint er schon, der neue Messias, der angetreten ist, um die Volkspartei vor dem Verderb zu retten. Menschen, die die Farbe Türkis lieben, wird nachgesagt, dass sie auf der Suche nach sich selbst sind. Dieses „Auf der Suche nach sich selbst sein“ galt für Kurz während des langen und unschönen Wahlkampfes wohl nicht. Denn er verfolgte stur seinen eigenen (Diskussions-)Pfad. Egal, ob über Bildung, Steuern oder die Sozialsys­teme geredet wurde: Kurz landete beim Antworten immer wieder beim Flüchtlingsthema, dem Bereich, den er wohl am besten versteht. Bei jedem anderen Thema wirkte er unsicher.

Früher war das Flüchtlingsthema allein die Domäne der rechten FPÖ. Jetzt aber präsentierte Kurz die grimmige Forderung nach Migrantenabwehr in netterer Verpackung. Und das hat dem nicht uncharmanten Kind-Kaiser Sebastian Kurz und so eben der türkis angestrichenen ÖVP einiges an Stimmen gebracht. Denn das Thema berührt die Menschen hierzulande, schürt Ängste, die es nicht braucht. Und die eigentlichen Gespenster wie etwa Verfall der Wirtschaft, Probleme der Digitalisierung, Steuerproblematik, Pensionssicherung und so weiter in den Hintergrund rücken lässt. Braucht die Zukunft aber nicht eher Lösungen im Sinne von Wirtschaftsverständis und -förderung, braucht Politik nicht eher Erfahrung?

Nun, hinter jedem jungen Kaiser stehen ja bekanntermaßen Förderer. Hoffentlich verstehen sie mehr, als nur die Flüchtlingsfrage zu relativieren.

Bevor Kurz das Steuerrad auf dem Mutterschiff „ÖVP“ übernommen hat, drohte diese zu einem kleinen Kahn zu verkommen. Wohlvorbereitet und doch schnell hat sich dann Kurz an die Spitze der Volkspartei gestellt oder ist gestellt worden. Hat dem Schwarz den türkisen Anstrich verpasst. Mit Goodwill der alten Granden. Und hat dem ÖVP-Mutterschiff erstmals seit Abwahl von Wolfgang Schüssel vor zehn Jahren eine straff geführte Politikmaschine als Antrieb verordnet. Ein Schelm, der meint: Ob da nicht der Schüssel seinen Thronfolger von der Leine gelassen hat…

Es bleibt spannend in Österreich: Wird sich das frische Türkis durchsetzen? Oder wird es sich dunkel, ins Schwärzliche verfärben? Wird Kurz den Kurs halten können und dürfen? Es wäre Kaffeesatz-Leserei zu sagen: ja oder nein. Die Zeit wird es zeigen.

Menschen mit Vorliebe für den Türkis-Bereich eignen sich sehr gut als Redner und um Ideen und Ideale in die Welt zu bringen. Das hat Kurz getan. Öffentlichkeitsarbeit liegt ihm sehr. Zu bedenken ist jedoch, dass Türkis liebende Menschen der Farblehre entsprechend auch zu Idealisierung und Narzissmus neigen sollen. Auch Machtmissbrauch durch Irreführung der Massen unter Nutzung von Medien für Selbstdarstellungen werden ihnen nachgesagt.

Die Hoffnung auf ein kräftiges Türkis ist in den Österreichern geweckt. Das hat die Wahl eindeutig gezeigt.

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