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Sechs Vorarlberger ziehen ins Hohe Haus ein

ÖVP und Freiheitliche entsenden je zwei Abgeordnete, die Sozialdemokraten einen. Loacker (Neos) zieht über Bundesliste ein.

Von Sonja Schlingensiepen

Gefeiert hat Nationalrat Norbert Sieber am Wahlsonntag, keine Frage. „Ich war allerdings um 23 Uhr wieder zu Hause. Meine Frau hat schon darauf geachtet, dass ich am nächs­ten Tag fit bin und wieder arbeiten kann“, sagt der Landwirt und lacht. Die Vorarlberger Schwarzen hatten ihr Ergebnis von 26,1 Prozent aus dem Jahr 2013 auf 34,5 Prozent gesteigert. Souverän hat Sieber den Einzug ins ­Parlament geschafft. Und auch ÖVP-Spitzenkandidat Sebas­tian Kurz hatte am Sonntag auf Bundesebene klar die Nase vor Herausforderer Christian Kern (SPÖ).

Knapp gescheitert. Ganz perfekt war der Tag für die Ländle-ÖVP dennoch nicht, denn rund zwei Prozent fehlten am Ende, um neben Sieber und Karlheinz Kopf noch einen dritten Kandidaten ins Parlament zu entsenden. „Das schmerzt ein wenig. Denn Martina Ess ist eine sehr sympathische Frau, die einen perfekten Wahlkampf geführt hat.“ Sieber ist aber überzeugt davon, dass Ess demnächst eine Rolle in der Partei spielen werde. Ein größere Rolle könnte in naher Zukunft dem derzeitigen Zweiten Nationalratspräsidenten Kopf zukommen. Als stimmenstärks­ter Partei wird der Posten des Ersten Nationalratspräsidenten der Volkspartei zukommen. Kopf zählt zu den Favoriten für dieses Amt.

Ungewiss ist auch, wer künftig mit wem koalieren wird. Was die Regierungsbildung angeht, äußert sich Sieber etwas besorgt. „Schwarz-Blau sehe ich noch nicht in trockenen Tüchern. Und ich war fast ein wenig schockiert über die rot-blaue Einigkeit bei der letzten Plenarsitzung.“

Für Reinhold Einwallner, Spitzenkandidat der Vorarlberger SPÖ, scheint Schwarz-Blau fix zu sein. Im Hotel Messmer hatten er und seine Mitstreiter am Sonntag das überraschend gute Ergebnis in Vorarlberg gefeiert. Gute vier Prozent gewannen die Sozialdemokraten hinzu. Unterm Strich kamen sie auf knapp 18 Prozent. „Die Stimmung war aufgrund des Bundesergebnisses allerdings etwas gedrückt. Eine Koalition zwischen ÖVP und FPÖ ist ja kein Grund zu feiern.“

Vom Vorarlberger Ergebnis der Sozialdemokraten sei er etwas überrascht gewesen – im positiven Sinne natürlich. „Ich hatte die SPÖ immer bei knapp 13 Prozent gesehen. Dass es fast 18 geworden sind, freut mich sehr“, meint er. Nicht zuletzt auch für diejenigen, die ihn im Wahlkampf unterstützt hätten.

Nachfolger gesucht. Einwallner, der über das Landesmandat in den Nationalrat einziehen wird, wird nicht nur sein Landtagsmandat niederlegen, sondern auch den Posten des Landesgeschäftsführers. Das Landtagsmandat wird die Bludenzerin Manuela Auer übernehmen. Offen hingegen ist, wer neuer Landesgeschäftsführer der SPÖ werden wird.

Um diese Stelle auszuschreiben, dürfte Einwallner gestern genügend Zeit gehabt haben. Aufgrund des Nebels in Alten­rhein wurde sein Flug nach Wien gestrichen. Der Landesparteivorstand tagte ohne den Vorarl­berger Landesgeschäftsführer. Einwallner nahm’s gelassen: „Ich muss ohnehin noch einige Dinge aufarbeiten, die in den vergangenen Wochen liegen geblieben sind.“

Grund zum Feiern hatten vor allem die Freiheitlichen. In Vorarlberg verbuchten Landesparteichef Reinhard Bösch und seine Mitstreiter einen Zugewinn von knapp vier Prozent. Zu Jubelstürmen ließ sich Bösch allerdings nicht hinreißen. „Das isch ganz nett gsi“, kommentiert Bösch die Wahlparty in der Kreuzstube in Bregenz. Mit rund 26 Prozent sei seine Partei die zweitstärkste Kraft in Vorarlberg. „Es sieht ganz danach aus, als ob die FPÖ ein zweites Landesmandat hinzugewonnen hat. Ich hoffe, dass das auch nach Auszählung der Wahlkarten am Donnerstag so ist.“ Neben Bösch dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch der Hohenemser Bernhard Themessl wieder in den Nationalrat einziehen.

Bösch wird am heutigen Mittwoch an der Bundesparteivorstandssitzung in Wien teilnehmen. Was die Koalitionsfrage betrifft, hat der Dornbirner keine Vorlieben. „Für die FPÖ gibt es zwei Möglichkeiten. Es wird sich zeigen, ob eine der beiden Seiten ernsthaft mit den Freiheitlichen verhandeln will.“ Inhaltlich würden sich ÖVP und FPÖ näherstehen. Eine Koalition mit der SPÖ sei durch das Erstarken des linken Flügels in der SPÖ eher unwahrscheinlich. Schließlich habe es in Wien leichte Gewinne für die Häupl-SPÖ gegeben. Hans Niessl, der im Burgenland mit der FPÖ koaliert, musste leichte Einbußen hinnehmen.

Gar nicht so unwahrscheinlich sei eine Neuauflage der Großen Koalition. „Andernfalls würde ja die Aufteilung der Republik flöten gehen“, meint der Landesparteichef der Blauen.

Diese Möglichkeit will auch Gerald Loacker (Neos) nicht ausschließen. „Je länger sich die Verhandlungen ziehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Schwarz und Rot wieder zusammenkommen“, vermutet er. Den Koalitionsverhandlungen allerdings kann der Spitzenkandidat der Pinken ganz entspannt zusehen, spielen doch die Neos maximal eine Rolle, wenn es künftig um notwendige Zwei-Drittel-Mehrheiten im Parlament gehen wird.

Was das Wahlergebnis am Sonntag angeht, ist Loacker durchaus zufrieden. Er wird über die Bundesliste in den Nationalrat kommen und dort weiterhin für die Ressorts Soziales und Gesundheit tätig sein.

Party bis zwei Uhr. „Am Sonntag haben wir ordentlich gefeiert – bis um zwei Uhr am Morgen“, verrät der Dornbirner. Bundesweit hätten die Neos leicht zugelegt. Die Vorarlberger hätten mit 8,2 Prozent das beste aller Länderergebnisse.

Nicht ganz anknüpfen konnten die Neos damit ans Jahr 2013, als die Pinken sensationelle 13,2 Prozent verbuchten und der Dornbirner sogar via Landesmandat ins Hohe Haus einzog. „Gegen Faymann und Spindelegger in den Wahlkampf zu ziehen, war einfacher als gegen Kern und Kurz. Auch der Zeitpunkt war damals wesentlich günstiger“, analysiert er das Ergebnis.

Sehr ungünstig standen die Sterne für die Grünen. Spitzenkandidat Harald Walser verpasste den Einzug ins Parlament deutlich (siehe Seite 31). Ein Umstand, der seinem Nationalratskollegen Norbert Sieber „fast ein bisschen leid“ tut. Schließlich sei er eine Koryphäe in Sachen Bildung. Auch Loacker fand es „bedauerlich“, dass Walser und die grünen Abgeordneten künftig nicht mehr im Parlament vertreten sein werden. „Umso größer werden die Aufgaben der Neos als Oppositionspartei“, meint der Neos-Abgeordnete.

<p class="factbox">Karlheinz Kopf, 60 Jahre, aus Altach, hat gute Chancen, Nationalratspräsident zu werden.</p>

Karlheinz Kopf, 60 Jahre, aus Altach, hat gute Chancen, Nationalratspräsident zu werden.

<p class="factbox">Norbert Sieber, 48 Jahre, aus Bregenz, zieht erneut für die ÖVP ins Parlament ein.</p>

Norbert Sieber, 48 Jahre, aus Bregenz, zieht erneut für die ÖVP ins Parlament ein.

<p class="factbox">Reinhard Bösch, 60 Jahre, aus Dornbirn, repräsentiert die Freiheitlichen im Hohen Haus.</p>

Reinhard Bösch, 60 Jahre, aus Dornbirn, repräsentiert die Freiheitlichen im Hohen Haus.

<p class="factbox">Bernhard Themessl, 66 Jahre, aus Hohenems, vertritt ebenfalls die Positionen der Freiheitlichen.</p>

Bernhard Themessl, 66 Jahre, aus Hohenems, vertritt ebenfalls die Positionen der Freiheitlichen.

<p class="factbox">Reinhold Einwallner, 44 Jahre, aus Bregenz, wird die Sozialdemokraten in Wien unterstützen.</p>

Reinhold Einwallner, 44 Jahre, aus Bregenz, wird die Sozialdemokraten in Wien unterstützen.

<p class="factbox">Gerald Loacker, 43 Jahre, aus Dornbirn, wird für die Neos ins Parlament einziehen.  Archiv (6)</p>

Gerald Loacker, 43 Jahre, aus Dornbirn, wird für die Neos ins Parlament einziehen.  Archiv (6)

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