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Jägerlatein

Senioren auf die Bühne

Nicht der Rechtsruck in Österreich (hat jemand etwas anderes erwartet?) und das doch überraschende Aus der Grünen als Parlamentsfraktion sind Gegenstand meiner Betrachtungen – diese Themen werden ohnehin bis zum Abwinken medial abgehandelt –, sondern das Seniorentheater. Dieses feiert am Wochenende in Andelsbuch seinen alljährlichen Höhepunkt beim „Seniorentheater-Festival“. Um das gleich klarzustellen: das Festival richtet sich nicht in erster Linie AN Senioren, sondern wird VON Senioren bestritten. Was die Zuschauerreihen betrifft, sind Menschen über 60 ja reichlich vertreten; vor allem am Landestheater, das ja den Kulturauftrag hat, auch Klassiker (Schnitzler, Goethe, Kleist etc.) zu spielen, überwiegen sogar die grauen oder weißen Haarschöpfe im Saal. Auch im Kosmos, dem zweiten fixen Vorarlberger Spielplatz, sind Pensionsbezieher oft anzutreffen, ist die Truppe doch Liebkind der mittlerweile in die Jahre gekommenen 1968er-Revoluzzer. Und selbst bei Gastspielen des Aktionstheaters treffe ich – Jahrgang 1961 – mehr ältere denn jüngere Gäste. Was ja sehr für die Generation 60+ spricht und das Vorurteil, Senioren seien nur im Auditorium eines „Amigos“-Konzerts anzutreffen, Lügen straft.

Kaum hingegen sind Senio­ren AUF der Bühne. Sobald jemand über 60 ist, wird er oder sie gerne als „Legende“ bezeichnet und/oder ins Kuriositäten-Eck gestellt. Im Populärfilm ist dies noch nachzuvollziehen. Dort fliegen Menschen in komischen Kostümen durch die Gegend und alle paar Minuten explodiert irgendetwas – keine guten Voraussetzungen für ältere Jahrgänge. Im Theater dagegen gäbe es genug Rollen, denn ob ein 30-Jähriger oder ein 70-Jähriger auf Godot wartet, ist eigentlich Blunzn.

Dennoch sieht man selten Senioren auf der Bühne – in Andelsbuch ist dies morgen und übermorgen anders. Gruppen aus vier Ländern bespielen die Wäldergemeinde und haben damit – das Festival feiert Zehnjähriges – großen Erfolg. Kein Wunder, stehen doch nicht immer Liebesangelegenheiten (dass dies aber auch im Herbst des Lebens Thema sein kann, beweist etwa Hanekes „Liebe“) sondern eher aus einem reichen Erlebnis- und Erinnerungsschatz resultierende Themen im Vordergrund. Und auch der Humor – ohnehin in der zweiten Lebenshälfte ausgeprägter denn in der Sturm-und-Drang-Zeit – scheint nicht zu kurz zu kommen. Titel wie „Die Bremer Stadtmusikanten – reloaded“ lassen einiges erhoffen. Ich jedenfalls freue mich, die Jahrgänge des Wirtschaftswunders spielen zu sehen – und dass mir keiner sagt, ich sei ein hoffnungsloser Nostalgiker.

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. raimund.jaeger@russmedia.com

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