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Der schmale Grat zwischen Leben und Tod

Im Rahmen ihrer Diplomarbeit luden fünf Schülerinnen der HLW Riedenburg zur Podiumsdiskussion rund um Wachkoma, Hirntod, Organspende, Sterbebegleitung und Trauerarbeit ein.

Christina Vaccaro

Was ist ein Wachkoma, was der Hirntod? Ist Sterbehilfe in Österreich erlaubt und weshalb braucht es Trauerarbeit? Diese und andere Fragen wurden am vergangenen Mittwochabend diskutiert. Anstoß gaben die Riedenburger Maturantinnen Chiara Anesi (18), Franziska Kröll (19), Lea Kübler (18), Isabella Nesler (18) und Sophia Neßler (18) im Rahmen ihrer Diplomarbeiten.

Abhängig davon, wie lange ein Gehirn zu wenig Sauerstoff erhalten hat, reicht der Schaden von kaum sichtbaren bis hin zur offenbar völligen Wahrnehmungslosigkeit des Betroffenen. Dennoch steht die Erhaltung der Lebensqualität für die Wachkomapatienten ganz oben. Gesundheits- und Krankenpfleger Johannes Frick arbeitet seit 14 Jahren auf der Wachkomastation am Landeskrankenhaus Rankweil. In seinem Vortrag am vergangenen Mittwochabend erzählte er: „Wir versuchen, einen lebenswerten Alltag für unsere Wachkomapatienten zu gestalten.“ Auf der Leinwand im Hintergrund war der Leitspruch der Station zu lesen: „Ich kann dich nicht grüßen. Ich kann dir nichts sagen. Ich bin trotzdem da.“ Auch wenn das Thema selbst traurig anmute, herrsche auf der Wachkomastation Humor und Lebensfreude, berichtete der Krankenpfleger.

Über ein verwandtes und doch ganz anderes Thema sprach Primar Dr. Karl Lhotta vom Landeskrankenhaus Feldkirch. Der Hirntod ist das völlige und unwiederbringliche Erlöschen der Gehirnfunktionen. „Im Unterschied zum Wachkoma befinden sich hirntote Patienten auf der Intensivstation“, klärte Lhotta auf. „Sie werden durch Beatmung und Unterstützung des Kreislaufs am Leben erhalten.“ Werden die Maschinen ausgeschalten, sei auch der restliche Körper in kurzer Zeit tot. Im Rahmen seines Vortrags erklärte der Primar, dass mit der Organspende eines Hirntoten gleich mehreren Menschen das Leben gerettet werden kann.

Eine solche Organspende erhielt Erich Längle, der seit 16 Jahren mit einer neuen Niere lebt, isst, trinkt und taucht. Vor fast 20 Jahren kam Längle mit einer auf 18 Prozent herabgesunkenen Nierenfunktion ins Krankenhaus. Drei Jahre lang musste er jeden zweiten Tag eine Dialyse machen, einer „harten Diät“ folgen und täglich nicht mehr als 500 Milliliter Flüssigkeit zu sich nehmen. Dann sollte das Warten endlich ein Ende haben. „Es war der 13. Juni 2001, um 8 Uhr morgens. Ich erhielt einen Anruf: Eine Niere war verfügbar“, erinnert sich der heute 74-Jährige noch genau an jenen Tag.

Sterbestunde. Über die „gute Sterbstund“ sprach Palliativmediziner Dr. Matthias Szalay vom Landeskrankenhaus Hohenems. Wie auch bei einem guten Musikstück das ausklingende Ende besonders wichtig sei, so „sollte jedem am Herzen liegen, dass das Leben schön zu Ende geht.“ Die Tötung auf Verlangen ist in Österreich verboten. Im Fokus stehen positiv wirkende Therapien am Lebensende. „In der Sterbebegleitung wollen wir das Leben bis zur letzten Minute möglichst reichhaltig gestalten.“ Szalay betonte, dass es wichtig ist, das Sterben und den Tod als Themen nicht zu tabuisieren.

Trauerarbeit. Astrid Bechter-Boss „ist seit 14 Jahren mit dem Thema Trauer unterwegs“. Laienpsychologische Ratschläge haben nach der ausgebildeten Trauerarbeiterin nichts in der Trauerarbeit verloren. „Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust“, sagte Bechter-Boss in ihrem Vortrag. Die Trauer beinhalte nicht nur Gefühle der Traurigkeit, sondern auch Wut und Hilfslosigkeit.

Trotz der schweren Themen besuchten rund 70 interessierte Zuhörer die Veranstaltung.

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