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Bregenz

„Müll vergraben ist keine so wahnsinnig gute Idee“

Johannes Schweiger, Johannes Rauch und Harald Dreher (v.l.)  VLK/Wirth

Johannes Schweiger, Johannes Rauch und Harald Dreher (v.l.)  

VLK/Wirth

Über den Umgang mit Altlasten und Verdachtsflächen bei Abfällen informierten ­Landesrat Johannes Rauch und Experten der zuständigen Abteilung des Landes.

„Jede Gemeinde hatte ihr ‚Loch‘, in dem die Altstoffe und Abfälle entsorgt wurden, ohne sie zu trennen“, beschreibt Landesrat Johannes Rauch die Deponiegewohnheiten früherer Generationen. Wobei das so lange gar nicht her ist und auch nicht unbedingt illegal war, weil es keine Gesetze dafür gab. In den Berichten des Landes taucht der Begriff „Abfall“ erstmals 1968 auf.

Seit 1989 gibt es in Österreich­ ein Altlastensanierungsgesetz. Das bildet die Grundlage für den aktuellen Umgang mit Mülldeponien und Kontaminierungen, wie Rauch gestern in einer Pressekonferenz in Bregenz berichtete. Gemeinsam mit Vorstand Harald Dreher und Johannes Schweiger von der Abteilung Abfallwirtschaft des Landes informierte er über „Altlasten“ und Verdachtsflächen“ in Vorarlberg.

2444 Altstandorte. Seit rund zehn Jahren beschäftigen sich die Verantwortlichen im Land mit der Materie, erläuterte Schweiger. Derzeit seien hierzulande 2444 Altstandorte erfasst. Das sind Betriebsstandorte, in denen vor 1989 vermutlich mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen wurde. Erfasst sind auch 156 Altablagerungen, Ablagerungen von Abfällen, die ebenfalls vor 1989 befugt oder unbefugt durchgeführt wurden.

Von den Altstandorten und Altablagerungen sind derzeit 53 als Verdachtsflächen ausgewiesen, das heißt, es besteht ein Verdacht einer erheblichen Gefahr für Mensch beziehungsweise Umwelt. Von diesen sind wiederum derzeit sechs als Altlast nachgewiesen, die Gefahr wurde dort also bestätigt. Die Zahl der Altlasten wird aber noch steigen, weil laufend Erstabschätzungen durchgeführt werden, erklärte Schweiger.

Untersuchungen. Um festzustellen, ob eine erhebliche Gefahr besteht, werden ergänzende Untersuchungen durchgeführt, aktuell an 28 Standorten. Dabei wird etwa kontrolliert, ob Schadstoffe in den Boden oder ins Grundwasser kommen oder Deponiegas freigesetzt wird. Diese Untersuchungen dauern in der Regel drei Jahre. Falls sich dabei herausstellt, dass eine erhebliche Gefahr besteht, erfolgt eine Klassifizierung: Bei den Prioritätenklassen I und II müsse saniert werden, III werde „nur“ beobachtet. Allerdings könne auch herauskommen, dass keine Gefahr bestehe, und das sei meis­tens der Fall, sagte Schweiger.

Am Beispiel der Altablagerung „Rüttenen“ in Feldkirch, deren Untersuchung vor einem Jahr abgeschlossen wurde, erklärte der Experte sein Vorgehen: Nach Bild- und Datenauswertungen sowie Begehungen werden Bodenuntersuchungen durchgeführt. Im Fall der „Rüttenen“ wurden auch Wasserproben untersucht. Die Ergebnisse sind dann die Grundlage für eine Gefahreneinschätzung. Wenn keine Gefahr besteht, wird ein Gebiet von den Verdachtsflächen gestrichen, bleibt aber im Kataster.

Altlasten. Sechs Altlasten wurden gestern genannt: Die chemische Fabrik Eberle in Hard und die Bodenalpe in Lech, die beide in den 1990er-Jahren saniert wurden. Eberle war mit I und Lech mit II bewertet worden. Eine III bekamen eine „Mineralölkontamination“ in der Dornbirner Riedgasse, wo der Inhalt eines Öltanks im Boden versickert ist, und der Malonsbach in Röthis. Beide sollen beobachtet werden ebenso wie die Galvanikschlammdeponie Collini in Hohenems und die Werft in Fußach. Rund 500 Altstandorte und Altablagerungen sollen in den nächsten Jahren hierzulande noch untersucht werden, sagte der Landesrat.

Auch Interessierten wird Auskunft gegeben, betonte Dreher den Nutzen für die Bevölkerung: Wer bauen oder ein Grundstück kaufen wolle, könne sich bei der Landesabteilung schriftlich informieren, ob etwas im Boden sei. Über die Fakten hinaus gebe es auch eine Einschätzung der Situation.

Eine Generation war es, die Abfall willkürlich deponiert hat, meinte Rauch abschließend, zwei Generationen werde es brauchen, um das zu untersuchen und zu sanieren. „Vergraben ist also keine so wahnsinnig gute Idee.“ Mit dem bekanntesten Fall von vergrabenem Müll, der Häusle-Geschichte, hatte die gestrige Pressekonferenz aber nichts zu tun, wie die Verantwortlichen dann auf Nachfrage betonten.

Brigitte Kompatscher

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