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„Aus dem Abgrund heraushelfen“

Bei Nierentransplantationen sind ­Lebendspenden die beste Option. Zwei betroffene Paare haben ihre Erfahrungen dazu geteilt.

Von Johannes Hofer

Was wird sein, wenn ich ihn wiedersehe? Sehe ich ihn wieder?“ Das sind die Gedanken, die Heidi Burtscher kurz vor der Operation durch den Kopf gingen. „Er“, damit ist ihr Ehemann Rudolf gemeint. Vor mittlerweile elf Jahren spendete dieser seiner Gattin eine Niere. Er wollte einen Liebesbeweis erbringen, „seinem Lebensmenschen aus dem Abgrund heraushelfen“, wie er am Mittwoch im Rahmen eines Mediengesprächs im Landeskrankenhaus (LKH) Feldkirch erklärte. Dabei wurde von Ärzten und Betroffenen auf die Vorteile aufmerksam gemacht, die Lebendspenden für Menschen mit schweren Nierenerkrankungen bedeuten.

Für Rudolf Burtscher bestanden keine Zweifel, dass er sich der Transplantation unterziehen würde. „Ich habe innerlich gespürt: Wenn es eine Möglichkeit dazu gibt, dann mache ich das.“

Bei einem anderen betroffenen Paar sah die Situation ähnlich aus. Auch Gabriele Hoch war sich schnell sicher, dass sie ihrem Mann Markus eine Niere spenden wollte. „Für meine Frau war das immer klarer als für mich“, erzählte dieser gestern.

„Beste Option.“ Die Bereitschaft, einem Nahestehenden zu helfen, reicht allerdings nicht aus. Tatsächlich kommt nur ein Teil der Patienten mit Nierenleiden für eine Transplantation infrage: etwa 25 Prozent. Der Großteil der Erkrankten sei leider zu alt oder zu schwach für eine derartige Operation, informierte Oberärztin Hannelore Sprenger-Mähr. Zudem handelt es sich bei den meisten Nierentransplantationen um sogenannte post-mortale Spenden, etwa von Unfallopfern. Dabei „bedeutet für Betroffene die Lebendspende die beste Option für ein Langzeitüberleben und eine Langzeitfunktion der Spenderniere“, wie Sprenger-Mähr festhielt.

Ziel ist es in Feldkirch, ein Drittel aller Nierentransplantationen mit solchen Lebendspenden durchzuführen. 2016 sei dies mit der bisherigen Rekordanzahl von sieben erstmals geglückt, erläuterte Primar Karl Lhotta.

Kooperation. Dabei wird eng mit den Zuständigen der Innsbrucker Universitätsklinik zusammengearbeitet. Vor- und Nachbereitung werden gewöhnlich in Feldkirch, die Operation selbst im Tirol durchgeführt. Vor dem Eingriff müssen bei potenziellen Spendern Gewebemerkmale, allgemeiner Gesundheitszustand und psychologische Faktoren untersucht werden. Riskant sei die Transplantation für einen gesunden Menschen allerdings nicht – „Autofahren ist gefährlicher.“

Wie Lhotta betonte, bedeutet eine Transplantionen einen gewaltigen Zuwachs an Lebensqualität für die Patienten. Muss das Blut der Erkrankten dagegen über eine Dialyse-Maschine von Giftstoffen gereinigt werden, weil die Nieren ihre Aufgaben im Stoffwechsel nicht mehr erfüllen, sei das „kein Honiglecken“. Letzlich könne durch eine solche Behandlung, die etwa drei Mal wöchentlich für jeweils mindes­tens vier Stunden durchgeführt werden muss, nur eines erreicht werden, stellte der Experte fest: „Man kann dadurch überleben, mehr ist nicht gegeben.“

Auch Markus Hoch und Heidi Burtscher hoben die Belastungen der Dialyse hervor. Arbeiten, Blutreinigung, dann Schlafen, um den nächsten Tag zu überstehen – viel mehr sei kaum möglich gewesen. Heute dagegen fühlen sie sich, wie ihre jeweiligen Spender, gesund und fit. Ausreichend Bewegung, richtige Ernährung und eine positive Einstellung sind für alle vier Betroffenen allerdings zentral. Regelmäßige Kontrolltermine und Medikamente, damit die Spenderniere nicht abgestoßen wird, sind ebenso wichtig.

„Signal geben.“ Eingeschränkt fühlen sich die Eheleute dadurch nicht. Beim gestrigen Gespräch zogen sie unisono ein sehr positives Fazit über die Behandlung in Feldkirch und Innsbruck. „Wir würden diesen Schritt wieder machen“, sagten Markus und Gabriele Hoch hinsichtlich der Lebendspende. Rudolf und Heidi Burtscher pflichteten bei: „Wir wollen an andere das Signal geben, das zu wagen.“

<p class="caption">Heidi und Rudolf Burtscher.</p><p class="caption">
               
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Heidi und Rudolf Burtscher.

 

<p class="caption">Gabriele und Markus Hoch.</p><p class="caption">
               
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Gabriele und Markus Hoch.

 

Verein Niere

Der Verein Niere Vorarlberg bietet Betroffenen Hilfestellung und Austausch. Aufgabe ist die Interessensvertretung von Dialysepatienten und Nierentransplantierten.

Kontakt: 0664/3120204

vlbg@argeniere.at

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