Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

NEUE-serie – Teil 234

Historischer Höhenweg am Schellenberg

Hinter Schellenberg. Die Tour bietet einige Panoramaausblicke. Hertha Glück

Hinter Schellenberg. Die Tour bietet einige Panoramaausblicke.
 Hertha Glück

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück begibt sich bei der heutigen Tour ab der Nofler Kirche über Auf der Egg nach Hinter Schellenberg und über den Historischen Höhenweg geht es dann wieder zurück an den Start.

Am Friedhof der Nofler Pfarrkirche zur Maria Heimsuchung vorbei geleitet der Gehsteig bis zum Kreisverkehr und scharf rechts ab nimmt der Wanderer die Autostraße in Richtung Schütten­acker und Auf der Egg. Schnell sind einige Höhenmeter überwunden und der Blick geht über die Nofler Häuserdächer hinweg. Beim Wegkreuz geht es geradeaus weiter auf der verkehrsberuhigten Straße

So gelangt der Wanderer zum Weiler Nofels-Oberfresch, der in der geringen Höhe von 595 Metern einen fantastischen Blick übers Rheintal bis zum Kummenberg offeriert.

Blick zum Hohen Kasten. Links abzweigend führt die Straße hinauf zum Weiler Auf der Egg, der nun den Blick bis zum Hohen Kasten, dem Appenzeller Land und weit über den Kummenberg ins Unterland erweitert. Dem Rheintalweg folgend in Richtung Schellenberg lässt der Wanderer die Häuser hinter sich und taucht bald in den herbstlich verfärbten Wald. Das kleine Häuschen des Zollwachstützpunktes und die Grenztafel erinnern, dass man einen Ausweis dabei haben soll. Noch ein Grenzstein passiert und der Naturfreund befindet sich in Liechtenstein auf dem Historischen Höhenweg des Schellenbergs. Der Spaziergänger hält sich rechts ab und folgt dem Waldweg nach Hinter Schellenberg. Ab und an öffnet sich der Wald und bietet weite Blicke ins Tal und Gebirge Vorarlbergs und Liechtensteins, getrennt durch den Rhein.

So gelangt man zum nächsten Wegweiser und folgt dem Waldsaum hin zum Mittleren Schellenberg. Hinauf geht es, um bald wieder sehr rasch an Höhe zu verlieren und die ersten Häuser von Hinter Schellenberg werden erreicht. Nun wird die St.-Georg-Straße überquert, der Wanderer zweigt links und nach ein paar Schritten wieder rechts ab. Immer noch der Straße folgend wird die Hügelkuppe genommen und bald sind Vitaparcours und das Freizeit-Sportzentrum Schellenberg erreicht. Nach Überwindung des unleidlichen Straßenteils Dorf/Rietlestraße mit dem Alpstein im Fokus wird der Mittlere Schellenberg erreicht.

Zwei Mal rechts abzweigend kommt man auf den Franz-Sales-Weg und begeht den Rückweg in Richtung Hinter Schellenberg/Nofels–Auf der Egg. Somit ist ein kleiner Teil vom Schellenberg, auch Eschnerberg genannt, umrundet. Fundstücke der Grabungsstätte „Borscht“ am höchstgelegensten Punkt, dem Gantenstein, belegen die Besiedlung vom Berg Schellenberg seit etwa 3000 vor der Zeitrechnung (v. Chr.).

Wieder befindet sich der Wanderer auf dem Liechtensteiner Panoramaweg/Historischen Höhenweg und hält sich rechts und taucht bald wieder auf einem alten Weg in den Wald ein. Nochmals rechts haltend ist bald die Kapelle St. Georg erreicht. Wieder an der St.-Georg-Straße angekommen, folgt man nun der Straße links ab und gleich wieder rechts. Im Winkel ist Nofels–Auf der Egg gut angeschrieben. Plötzlich weitet sich die Sicht wieder und bei der Grenztafel Land Vorarlberg lohnt sich ein Innehalten. Besonderes Augenmerk verdienen die zwei aneinander grenzenden Naturschutzgebiete Ruggeller-Ried und Bangser-Ried, getrennt durch den Grenzfluss Spirsbach. Es ist das größte von insgesamt elf liechtensteinischen Naturschutzgebieten. Auf Vorarlberger Seite befindet sich angrenzend eine Schutzzone von 63 Hektar, wovon 8,7 streng geschützt sind. Das Flachmoor ist ein Überbleibsel des ehemaligen Gletschersees und weist eine maximale Torfmächtigkeit von rund neun Metern auf. Dort, wo jährlich gemäht wird, kann die Wiederbewaldung verhindert werden.

Über diesen Weg flüchteten in der Nacht zum 3. Mai 1945 über den Weiler Fresch etwa 500 Soldaten der 1. Russischen Natio­nalarmee der Deutschen Wehrmacht unter Generalmajor Graf Boris Smyslowsky alias Arthur Holmston (Tarnname) über die Grenze des Großdeutschen Reiches nach Liechtenstein (Gemeinde Schellenberg), wo sie Asyl erhielten. Dies wird auf einer Infotafel am Historischen Höhenweg berichtet.

Panoramablick. Wieder zurück an der Grenztafel schreitet man nun auf dem Forstweg dahin und genießt das weit vor einem liegenden Panorama. Auf der Egg durchschreitend bis zur Straßenkurve nimmt man die rechte Abzweigung nach Schüttenacker, auch zu Feldkirch-Nofels gehörend. Ein abwärts führender Waldweg bringt den Wanderer in kurzer Zeit nach Schüttenacker. Durch die Häuserzeilen durch soll man gut auf die gelb-weiße Bezeichnung an den Laternenpfahlen achten. Geradeaus bleibend kommt man auf den steilabfallenden, alten Kirchweg nach Nofels. Ein wunderschöner, urbaner Abschluss der aussichtsreichen, historisch wertvollen, die Grenzen überschreitenden Rundwanderung.

<p class="caption">Hinter Schellenberg. Die Tour bietet einige Panoramaausblicke. Hertha Glück</p>

Hinter Schellenberg. Die Tour bietet einige Panoramaausblicke.
 Hertha Glück

Kurzbeschreibung

Besonderes: Leichte Panoramawanderung im grenznahen Erholungsgebiet Schellenberg.

Anforderung und Gehzeit: In zwei Stunden werden 200 Höhenmeter auf- und wieder abwärts unter die Schuhe gelegt.

Charakter der Wege: Straße, Forst-, Waldwege mit weiß-rot-weißer, gelb-weißer Markierung

Tipp: ausgezeichnete Schlechtwetterwanderung

Kultur und Natur: Alte und neue Pfarrkirche Maria Heimsuchung, Historischer Höhenweg Schellenberg, Liechtensteiner Panoramaweg, Rheintalweg, Biedermannhaus, Kapelle St. Georg, Naturschutzgebiet Ruggeller-Ried, Naturschutzgebiet Bangser-Ried

Anziehen und Mitnehmen: Wanderschuhe, Wetterkleidung, Ausweis

Einkehrmöglichkeiten: Au

Start und Ende: Nofels alte und neue Pfarrkirche Maria Heim­suchung

Blumenkunde

Berufkraut (Erigeron acris):

„Erigeron“ von griech. eri = früh und geron = Greis, da die Pflanze schnell Früchte mit Haarkrone bildet. „Berufkraut“ wegen der Vorstellung, die Pflanze würde gegen das „Berufen“ durch Hexen und Zauberer schützen.

Vorkommen: Magerrasen und Ruderalstellen, auf sommerwarmen, trockenen, meist kalkreichen Böden.

Verwendung früher: Fruchthaare als Wundwatte, zuweilen auch für Kerzendochte, gute Streupflanze. Aus den Blattscheiden entsteht „Fasertorf“, der etwa für die Papierherstellung gebraucht wird.

Befreiung von Zwingherren

In Tosters war es bis vor wenigen Jahren gebräuchlich, dass bei Prozessionen die jüngst verheiratete Frau vorausging, in der Mitte von zwei erst der Schule entwachsenen Mädchen, alle mit brennenden Kerzen in der Hand. In der Kirche war für sie ein eigener Betstuhl bereit, daher die Bezeichnung: „ins Stühle gehen“.

Zu diesem Brauche erzählt das Volk: In alter Zeit hätten in den zerfallenen Burgen am Schellenberg arge Zwingherren gehaust. Viel Ueberdrang und Gewalt mussten die Bauern von ihnen leiden. Durch Kornäcker und mahdreife Wiesen jagten die Ritter mit Knechten, Rossen und Hunden, weder Eigentum noch Unschuld schonten sie. Noch ist das schmähliche Recht der ersten Nacht nicht vergessen. Deshalb erhob sich endlich das Volk. An einem Funkensonntag stürmten und brannten sie die Burgen und erschlugen die Herren mit harter Hand und grimmigem Sinn. Am frohesten über diese Tat der Befreiung waren die Weiber. In ihrer Freude breiteten sie den Männern nach der Heimkehr vom Kampfe ein Mahl von Küchle und Milch.

Bei den Prozessionen ging von da ab in den Dörfern am Schellenberg stets die jüngst verheiratete Frau allen anderen voran zum Danke dafür, dass sie ihre Reinheit nicht mehr in roher Herren Gewalt opfern musste und der jüngst verheiratete Mann trug die Fahne. Über 500 Jahre wurde dieser Brauch eingehalten. Erst in neuester Zeit ist dieser erloschen.
Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, Anna Hensler, in: Rund um Vorarlberger Gotteshäuser, Heimatbilder aus Geschichte, Legende, Kunst und Brauchtum, Bregenz 1936, S. 64

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.