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Privatkäserei Rupp expandiert nach China

Josef Rupp, einer der drei Vorstände der Privatkäserei, hat gut lachen: „Es war ein außerordentlich gutes Jahr für Rupp“, lautete gestern das Fazit.  Hartinger/Archiv

Josef Rupp, einer der drei Vorstände der Privatkäserei, hat gut lachen: „Es war ein außerordentlich gutes Jahr für Rupp“, lautete gestern das Fazit.  Hartinger/Archiv

Joint Venture und ­gemeinsames Werk mit Chinesen in ­Hafenstadt Tianjin. Ausbau des französischen Werkes in Charmoille. Umsatzplus von sieben Prozent erwartet.

Von Günther Bitschnau

Die Privatkäserei Rupp AG startet in den nächs­ten Monaten mit einem eigenen Produktionsstandort in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Darüber informierten die drei Vorstände Josef J. Rupp, Ludwig Rupp und Harald Fischli am Montag am Stammsitz in Hörbranz. Zu diesem Zweck sei ein Joint Venture mit dem chinesischen Partner DaChan gegründet worden, einem Milchproduktehersteller mit mehreren 1000 Mitarbeitern. Rupp hält am Joint Venture 60 Prozent der Anteile, die restlichen 40 Prozent gehören DaChan. Gegenwärtig werde ein gemeinsames Produktionswerk errichtet. Insgesamt rund acht Millionen Euro sollen investiert werden. Mit schrittweiser Inbetriebnahme rechnet Josef Rupp Anfang 2018. Bis zu 100 Mitarbeiter sollten dort zukünftig tätig sein, gegenwärtig seien es fünf.

Erster Versuch schlug fehl. Die Verantwortlichen der Privatkäserei Rupp hätten bereits vor zwölf Jahren konkret über den Start eines Joint Venture in China nachgedacht. Allerdings sei damals noch „im richtigen Moment die Notbremse gezogen“ worden. Das Gefühl, nicht Teil einer gleichberechtigten Partnerschaft zu sein, habe überwogen. Zwischenzeitlich habe Rupp zwar Produkte aus dem B2B-Bereich nach China geliefert, das habe sich jedoch eher in Grenzen gehalten. Nichtsdestotrotz biete der chinesische Markt ein starkes Wachstums­potenzial. Der dortige Markt für Milchprodukte wachse seit Jahren zweistellig.

Mit dem neuen Partner DaChan, dessen Eigentümer den Rupp-Verantwortlichen seit Jahrzehnten bekannt seien, stelle sich die Situation jetzt ganz anders dar, meinten die drei Vorstände. Das neue gemeinsame Werk in Tianjin werde vor allem Produkte im B2B-Bereich etwa für Backwaren, Wurst-Käse-Produkte oder Frischkäseprodukte für den regionalen Markt für weiterverarbeitende industrielle Abnehmer herstellen.

Im Retail-Bereich (klassischer Handel) würden die dort hergestellten Produkte kaum zu finden sei. Denn Chinesen hätten in Bezug auf Käse (speziell Hartkäse) einen ganz anderen Geschmack als Europäer. Einen Export von in China hergestellten Käse-Produkten von Rupp zurück nach Europa schlossen die drei Vorstände dezidiert aus. Allerdings sei ein Export in die Nachbarländer Chinas zukünftig vorstellbar.

Ausbau in Frankreich. Auch das vor rund drei Jahren übernommene Unternehmen SIF in der französischen Gemeinde Charmoille (Region Bourgogne-Franche-Comté) werde bis Ende 2018 um rund drei Millionen Euro ausgebaut, erklärten die Rupp-Brüder und Harald Fischli. Die dortige Belegschaft solle von 15 auf dann etwa 30 Mitarbeiter wachsen. Auch das Tochterunternehmen SIF sei im B2B-Bereich für industrielle Abnehmer tätig.

Rupp kämpft unterdessen an mehreren Standorten mit Personalmangel, allerdings auf unterschiedliche Art und Weise. So könne in Hörbranz derzeit eine geplante Produktionslinie nicht hochgefahren werden, weil kein geeignetes Fachpersonal zu finden sei. Das Gleiche gelte in Frankreich. Auch dort sei die Mitarbeitersuche sehr schwierig. In China unterdessen sei dies kein Problem. Allerdings würden dort Mitarbeiter schnell wieder wechseln, sofern ein anderes Unternehmen mehr Gehalt biete. Durch die Kooperation sei zu hoffen, dass dieses Problem geklärt werde.

Rupp wolle allerdings auch der regionalen Alpwirtschaft den Rücken stärken, denn hier seien die Wurzeln des Unternehmens. So habe Rupp 2014 etwa das Buch „Von der Alpe auf den Teller. Käsekultur in Vorarlberg“ herausgebracht. Mit dem Wiener Falterverlag starte jetzt die Reihe „Alpmagazin – Das Magazin für höheres Leben“. Vorerst seien vier Ausgaben geplant.

Gründung: 1908 gegründete Privatkäserei

Beschäftigte: in der Gruppe rund 600 Mitarbeiter, davon 420 in Hörbranz

Standorte: Joint Venture Schreiber & Rupp in Lindenberg (D), seit August 2016 Verkaufsniederlassung in Dubai, Beteiligung am Bregenzerwälder Käsekeller in Lingenau. Zu Rupp gehört auch die Käsemarke Alma.

Umsatz: Geschäftsjahr 2016 etwa 170 Millionen Euro, heuer Geschäftsvolumen von etwa 185 Millionen Euro erwartet, ein Plus von rund sieben Prozent.

90 Prozent der hergestellten Produkte entfallen auf den B2B-Bereich (Schmelzkäse etc.), rund zehn Prozent auf Naturkäseprodukte, unter anderem für den Handel. Insgesamt 85 Prozent des Geschäftsvolumens erzielt das Unternehmen mit der Herstellung von Handelsmarken (Private Labels). Der Rest entfällt auf Produkte der eigenen Marke Rupp, die insbesondere in Österreich sehr stark ist.

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