Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Die Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden

Er war Lehrer, Musiker, Weinhändler, hat Solardächer und Aromaduschköpfe montiert, wäre wohl der perfekte AMS-Berater. Und wird nie müde, Neues anzugehen: Edi Meusburger aus Röthis.

Von Bandi Koeck
(Text und Fotos)

Edi Meusburger ist jemand, den man entweder schon kennt oder unbedingt kennenlernen muss. Der 1952 als Edgar Meusburger in Bregenz geborene und jetzt in Röthis lebende Tausendsassa hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er kennt sowohl das Gefühl, ganz oben angelangt, aber auch das, tief gefallen zu sein. Die Kämpfernatur aus Rankweil-Brederis wurde und wird nie müde, nach einer Talfahrt immer wieder aufwärts zu gehen.

Seine Kindheit bezeichnet Meusburger als glückliche Zeit. Sein Elternhaus war der geschichtsträchtige Gemeindegutshof Maldina. Nach der Matura studierte er an der damaligen LBA, der Lehrerbildungsanstalt und späteren Pädak Feldkirch, Germanistik und Geografie. Er hätte es damals wohl nicht für möglich gehalten, dass er fast bis auf den Tag genau 40 Jahre lang an ein und derselben Schule unterrichten würde.

Besondere Methoden. In diesen vier Dekaden kam eine Vielzahl an Schülern zusammen, die Meusburger in Deutsch, Geo oder Musik unterrichtet hat. In Erinnerung blieb ihnen bestimmt sein schwarzer Aktenkoffer, in dem sich außer Bonbons nichts befand. Meusburger liebte das Ausfragen nach Ländern und deren Hauptstädten. Antwortete ein Schüler oder eine Schülerin richtig, so warf er demjenigen ein Zückerle zu. Jene, welche Meusburger in Musik unterrichtete, mussten alle durch die Bank Falcos „Rock Me Amadeus“ vor der Klasse singen.

Und seine Lehrerkollegen erinnern sich sicher daran, dass er in jeder Pause eine Zigarette rauchte und eine Banane verschlang. Beides liebt er sehr, bis zum heutigen Tag.

Die wilden 1970er. Bereits in jungen Jahren stand fest, dass in dem blonden Knaben ein musisches Talent schlummerte. So holte Meusburger mit 14 und 15 Jahren den zweiten und dritten Platz als Sänger bei der Vorarlberger Hitparade. „Von niemand geringeren als Heli Burtscher hatte ich dafür ein Hemd ausgeliehen“, erinnert sich der Blondgelockte, der nicht nur wegen seines Aussehens öfters mit Pop-Gigant Dieter Bohlen verwechselt wurde. Der Frauenschwarm, dem es nie gelang, über einen längeren Zeitraum nur einer treu zu sein, fiel schon damals durch seine flotten und frechen Sprüche auf.

Musik war also seine große Leidenschaft von frühen Kindheitsbeinen an – und das blieb auch so. Mit der Band „Desperados“ hat er genauso lange musiziert, wie er als Lehrer tätig war, nämlich vier Dekaden. „150 Auftritte pro Jahr waren für uns keine Seltenheit“, erzählt der leidenschaftliche Volksmusiker in seinem neuen Zuhause in Röthis. Hinter ihm befinden sich unzählige Gitarren und ein Banjo sowie eine kolossale Plattensammlung. An den Wänden hängen großformatige Poster der Desperados in schrillen Hippieklamotten. „Es war eine verdammt geile Zeit. Ich möchte keine Minute missen und würde alles in meinem Leben wieder genau so machen“, wird Meusburger nostalgisch und gerät ins Schwärmen. Unter den Zuhörern waren auch stets neue Verehrerinnen, gibt er offen zu. Es war eine Zeit langer Nächte, permanenten Schlafdefizits. Edi Meusburger musste damals wie heute immer auffallen, sei es mit den größten Autos, hipsten Klamotten oder ausgeflippten Frisuren.

In vino veritas. Seit Frühjahr 2017 ist Meusburger als Weinberater für den In Vino Club in Gols/Burgenland, dem größten Winzer mit 70 Hektar permanent angebauter Weinfläche, tätig. Auch dieses Gewerbe ist nicht neu für Meusburger, hatte er doch 1991 das „Weinportal Rheintal“ gegründet und fungierte für fast 20 Jahre als selbstständiger Betreiber einer Vinothek. Damit schlitterte er jedoch in die Insolvenz, und er spricht nicht gerne über sein Scheitern.

Meusburger ist jedoch jemand, der nie aufgibt, so absolvierte er halt 2001 die Ausbildung zum Fotovoltaik-Techniker. In der Folge montierte er Dutzende Solardächer in Süddeutschland. Als ihm dieser Job nicht mehr taugte, suchte er sich eine neue Beschäftigung und brachte hippe Aromabrauseköpfe während der Skisaison an wintersportbegeisterte Touristen in Ischgl. Auch diesem Job frönte er nur eine gewisse Zeit lang, denn er mag nichts weniger als Alltag. Es folgte ein kurzes Intermezzo bei der Lebenshilfe Vorarlberg, wo er als Busfahrer fungierte.

Neben Dutzenden Mitgliedschaften ist Edi Meusburger auch bei „Slow Food Vorarl­berg“ dabei.

Meusburgers Herz schlägt immer voll für das, was er gerade tut: Aktuell sind ­dies Weindegustationen für Terra Galos. Dem nicht genug, arbeitet er als Gesundheitsberater bei der Goldmühle in Götzis und ist wohl selbst sein bester Kunde, weil er auf wertvolle Öle und Omega 369 schwört.

Die Hölle überlebt. Es gab aber auch zahlreiche Momente im Leben des Edi M., die nicht leicht waren und die ihn aus seinen gewohnten Bahnen warfen: Zwei Hochzeiten und zwei Scheidungen zählen dazu. Aus den Ehezeiten hat er jeweils zwei Kinder. Seine älteste Tochter hat ihm mittlerweile zwei Enkelkinder geschenkt.

Das große Anwesen in Brederis musste zwangsversteigert werden, daran hing sein Herzblut. Als Meusburger ausziehen musste und so alles – bis auf seine Erinnerungen – verlor, erlitt er ein Burnout und musste sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. Aber wie so oft in seinem Leben: Nach dem Scheitern stand Meusburger wieder auf. Er ist jemand, der durch seine gesellige Art und einen besonderen Humor auffällt. Schließlich gehen ihm flotte Sprüche genauso leicht von den Lippen wie etwa Dieter Bohlen.

Anekdoten. Anekdoten aus seiner bewegten Vita gibt es zuhauf. Wer sich die Zeit nimmt und mit ihm palavert, der hört eine unglaubliche Geschichte nach der anderen, etwa diese: „1971 machte ich eine Ätna-Besteigung per pedes, weil die Bahn defekt war. Einen Tag zuvor gab es einen Vulkan­ausbruch beim Hauptkrater. Ich war ein Depp und bin über die Absperrung gegangen und dort fast ums ­Leben gekommen“, erzählt er und sein Tonfall wird ernster. „Lauter Schwefeldämpfe, die dir die Luftröhre zuschnüren.“ Genau so stelle er sich die Hölle vor.

Das bisherige Leben von Edi M. gleicht tatsächlich einem Tanz auf dem Vulkan, weil er stets Grenzen ausgelotet und ans Limit gegangen ist. Und wenn seine Tage einst gezählt seien, wisse er auch bereits, welche Musik bei seiner Beerdigung gespielt werde: „Ganz klar, Elvis Presley mit ‚My Way’“, sagt Meusburger und zündet sich eine selbstgedrehte Zigarette an.

Jetzt jedoch genießt er erst einmal die Wochenenden zusammen mit seiner 30-jährigen Freundin, mit der er gerne durch ganz Österreich reist und die er stets bekocht.

<p class="caption">Edi Meusburger hat allerhand Höhen und Tiefen erlebt, aber nie den Mut verloren.</p>

Edi Meusburger hat allerhand Höhen und Tiefen erlebt, aber nie den Mut verloren.

„Ich war ein Depp, bin über die Absperrung gegangen und dabei fast ums Leben gekommen.“

Edi Meusburger

Zur Person

Geboren: 20. Februar 1952, Bregenz

Beruf: Wein- und Gesundheitsberater

Familie: vier Kinder, zwei Enkel

Hobbys: Musik, Reisen, Power­walking

Lieblingsmusiker: Elvis Presley

Kontakt: meusis@aon.at

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.