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vorarlberger der woche

Mit Intuition und Fingerspitzengefühl

Mit Rauschebart, Stab und Nikolaus-Kostüm ist Raimund Bereuter heuer wieder unterwegs. Klaus Hartinger(2),  Dietmar Stiplovsek

Mit Rauschebart, Stab und Nikolaus-Kostüm ist Raimund Bereuter heuer wieder unterwegs.

 Klaus Hartinger(2),  Dietmar Stiplovsek

Der 56-jährige Sulzberger Raimund Bereuter ist einer von zahlreichen Freiwilligen, die kommende Woche als ­Nikolaus wieder von Haus zu Haus gehen – zur Freude der Kleinen. Seine Nikolaus-Premiere ­erlebte Bereuter im Jahr 1975.

Von Brigitte Kompatscher

In diesem Jahr hat es Raimund Bereuter wieder einmal schwer. Wenn der 56-jährige Sulzberger am 5. und 6. Dezember als Nikolaus von Haus zu Haus zieht, buhlen da am späteren Abend noch ein paar andere um die Aufmerksamkeit zumindest eines Teils der Kinder. „Heuer sind wieder Champions-League-Spiele“, erklärt Bereuter. Da müsse er dann ab und zu schon fragen, ob man den Fernseher vielleicht ausschalten könne.

Im Jahr 1975, mit 15 Jahren, ist der Sulzberger zum ersten Mal als Nikolaus gegangen. „Geerbt“ hat er den Job von seiner Nachbarin, die ihn vorher gemacht hat. „Sie hat mich gefragt, ob ich nicht einmal probieren will“, erinnert er sich. Er wollte, nachdem er damals als Koch tätig war, sein Arbeitgeber Betriebsferien und er gerade frei hatte. Bei dem einen Versuch ist es allerdings nicht geblieben. Mittlerweile sind es 37 Jahre, in denen Bereuter alljährlich als Nikolausdarsteller in seiner Heimatgemeinde tätig ist. Ein paar wenige Jahre, als seine eigenen Kinder noch klein waren, hat er ausgesetzt.

Nikolaus-Darsteller. Waren es im ersten Jahr fünf bis sechs Familien, die er besucht hat, sind es mittlerweile bis zu 20, erzählt er – wobei das durchaus variiere. Seit einiger Zeit gebe es auch die Tendenz, dass sich mehrere Familien für den Nikolausbesuch zusammentun. „Im Umgang mit den Kindern braucht es sehr viel Fingerspitzengefühl“, so die Erfahrungen und das Credo des langjährigen „Nikolaus“. Einfach deswegen, weil nicht alle Kinder gleich seien und jedes anders reagiere. Bereuter hält mittlerweile auch nichts davon, die Kinder anzulügen. Ihm ist wichtig zu betonen, dass er nicht der Nikolaus, sondern ein Nikolaus-Darsteller ist.

Einen Knecht Ruprecht hat er seit einigen Jahren nicht mehr dabei, nur noch einen Helfer, der vor allem als Chauffeur tätig ist. Die Figur des Ruprecht sei von vielen Eltern als zu bedrohlich empfunden worden, erklärt der 56-Jährige diese Änderung.

Kein Erzieher. Zwei Tage lang ist Bereuter jedes Jahr im Dezember als Nikolaus unterwegs, zumeist ab 16 Uhr. Die Zettel, die von den Eltern manchmal bereitgelegt werden, schaut er zwar an, aber „der Nikolaus soll keine Erziehungsperson sein“. Das müssten schon die Eltern übernehmen, sagt er. Zentrales Element in der Darstellung des Heiligen sei die Güte.

„Der Glaube an den Nikolaus hat sich bei den Kindern in all den Jahren nicht geändert“, berichtet der Sulzberger von seinen Erfahrungen. Heute müsste er aber manchmal erklären, wieso der „Nikolaus“ mit dem Auto komme. Zwar sei man früher auch damit gefahren, allerdings hätte man es damals noch hinter der Ecke stehen lassen und etwas von einem Schlitten erzählt, mit dem der Heilige unterwegs sei.

Auf Besuch. Eindrücklicke und nicht ganz einfache Momente entstünden dann, wenn er als Nikolaus in ein Haus komme, in dem es nicht lange davor einen Todesfall gegeben hat, erzählt Bereuter. Ein Patentrezept für derartige Situationen gebe es nicht. Da brauche es dann viel Intuition und Fingerspitzengefühl. Als Nikolaus kommt er auf Besuch wie ein Gast, erzählt Bereuter weiter – mittlerweile bei Kindern, deren Eltern er schon als Heiliger besucht hat. Wichtig sei es, Kinder auf keinen Fall zu blamieren, indem deren (vermeintliche) Defizite aufgezählt werden. Wobei das im Gegensatz zu früher von den Müttern auch kaum mehr verlangt werde.

Für Bereuter ist die Nikolaus-Darstellung Brauchtum, das man nicht aufgeben sollte – wobei natürlich auch der religiöse Aspekt wichtig sei. In Sulzberg seien sie derzeit zu zweit. „Aber ich suche schon seit zwei, drei Jahren Nachwuchs.“ Teilweise fündig geworden ist er dabei auch in seiner Familie. Sein ältester Sohn Mathias (30) ist schon als 14-Jähriger zum ersten Mal als Ruprecht mitgekommen. Derzeit begleitet ihn sein zweiter Sohn Elias (26) als Helfer. Auch er war erstmals mit 14 dabei. Bei seinem Jüngsten, dem 14-jährigen Kornelius, kam Bereuter hingegen noch als Nikolaus zu Besuch, als der Junior noch kleiner war. Allerdings – als Nikolaus nachfolgen wollen ihm seine Söhne nicht. Mittlerweile hat der 56-Jährige eine Enkelin, die zwei Jahre alt wird. Im ­Vorjahr hat der Opa für sie zum ersten Mal den Nikolaus ge­spielt.

Unvergesslich. Zwischen zwei und 16 Jahre alt sind die Kinder bzw. Jugendlichen, die Bereuter als Nikolaus besucht. Und er erinnert sich an einen Abend, an dem eine sehr große Familie zusammengekommen sei. „Nach meiner Begrüßung hat die Mama die Gitarre geholt und gespielt und der Opa die Handorgel. Da kommst du nicht mehr weg, da vergeht die Zeit wie im Flug“, schildert er ein Erlebnis, das ihm unvergessen bleibt. Oder der Besuch bei einer anderen Familie, die Hausmusik macht und wo die Instrumente der Kinder und der Eltern jedes Jahr schon bereitliegen würden.

Viele Jahre hat Raimund Bereuter alles allein organisiert, mittlerweile gibt es ein wenig Unterstützung von der Pfarre. Sein Nikolaus-Gewand hat er zu Beginn selber gekauft – um damals 6000 Schilling. Den Stab hat er selber gebastelt. „Den könnte ich jetzt mal austauschen“, sagt er mit einem Grinsen. Weitermachen will er, „solange es mir Spaß macht“, sagt er. Und das scheint es immer noch zu tun. Auch wenn er seit 31 Jahren, seit er als ÖBB-Postbusfahrer tätig ist, immer Urlaub nehmen muss und es doch eine große Portion Idealismus für die Aufgabe braucht. „Es ist einfach schön, wenn die Eltern kommen und sagen, dass sie und die Kinder eine Freude gehabt haben“, begründet der 56-Jährige, wieso er jedes Jahr wieder das Nikolaus-Gewand überstreift und sich auf den Weg macht. Und das seit mehreren Jahrzehnten.

Zur Person

Raimund Bereuter

Der Sulzberger ist gelernter Koch, arbeitet aber seit mittlerweile 31 Jahren als ÖBB-Postbusfahrer. Im Jahr 1975 war er erstmals als Nikolaus unterwegs. Heuer ist sein 37. „Nikolaus-Dienstjahr“. Bereuter hat drei Söhne und eine Enkelin.

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