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Belastender Hinweis im Mordprozess

Der Angeklagte blieb bei seiner ursprünglichen Aussage.  NEUE

Der Angeklagte blieb bei seiner ursprünglichen Aussage.  NEUE

Nachbarin erschüttert Alibi des Angeklagten. Urteil im Prozess um ermordete Schwangere heute erwartet.

Von Seff Dünser

Erst nach dem ersten Verhandlungstag in dem Mordprozess meldete sich eine ehemalige Nachbarin des Angeklagten Ende November bei der Polizei in Liechtenstein. Gestern sagte die 48-jährige Zeugin vor Gericht, sie habe in der Tatnacht am 4. November 2015 den in Liechtenstein lebenden Angeklagten zwischen 5 und 6 Uhr morgens mit seinem Auto heimkommen gesehen. Er habe vor dem Haus geparkt, den Kofferraum geöffnet und etwas herausgenommen. Was das gewesen sein soll, hat die Frau allerdings nicht erkennen können. Sie sei aber ganz sicher, dass es sich bei dem Mann um den Angeklagten gehandelt habe

Der Beschuldigte bestreitet das und gibt an, er habe die ganze Nacht lang in seiner Liechtensteiner Wohnung geschlafen. Aber für Staatsanwalt Philipp Höfle wurde das Alibi des 28-jährigen Staatsbürgers der Dominikanischen Republik durch den Hinweis der Nachbarin neuerlich erschüttert. Mehrere Indizien lassen aus seiner nur den Schluss zu, dass der Angeklagte am 4. November 2015 gegen 4 Uhr in Frastanz eines der grausamsten Verbrechen der vergangenen Jahre in Vorarlberg begangen hat.

Indizienprozess. In ihrem Bett wurde eine im achten Monat schwangere Frau aus Frastanz erwürgt, erstickt und nach ihrem Tod auch noch angezündet. Dabei starb die 28-Jährige ebenso wie ihre ungeborene Tochter.

Für den Mord macht Staatsanwalt Höfle in dem Indizienprozess, in dem es belastende Hinweise, aber mangels Tatzeugen und Tatortspuren keine Beweise gibt, den Angeklagten verantwortlich. Der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft hat den unbescholtenen Arbeitslosen wegen Mordes, Brandstiftung, erzwungenen Schwangerschaftsabbruches und Störung der Totenruhe angeklagt.

Ebenfalls befragt wurden die zwei Nachbarn der Getöteten. Sie berichteten von ein paar Geräuschen in der Mordnacht und von einem wegfahrenden Auto, welches sie allerdings nicht sahen, sondern nur hörten. Die beiden gingen damals kurz zur Tür des Mordopfers, hörten dann aber nichts mehr und kehrten deshalb wieder in ihre Wohnung zurück. Der Kindesvater soll von der Schwangerschaft nicht begeistert gewesen sein, hieß es, von Abtreibung habe ihre Nachbarin jedoch nie gesprochen.

Eine Cousine des Opfers schilderte hingegen einen Streit zwischen dem Angeklagten und ihrer Verwandten. Dabei sei sehr wohl von Abtreibung die Rede gewesen, der Angeklagte habe die werdende Mutter dazu drängen wollen. Ihre Cousine habe ihr außerdem erzählt, dass der 28-Jährige zum Ende des Jahres in die Dominikanische Republik zurückkehren wolle und das Kind ihm nun alles vermasseln würde.

Urteil. Heute Abend soll am dritten Verhandlungstag das Urteil im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch verkündet werden. Die acht Bürger, die zu Geschworenen berufen wurden, werden allein über Schuld oder Unschuld des seit zwei Jahren in Untersuchungshaft angehaltenen Angeklagten entscheiden.

„Unschuldig oder lebenslänglich“, so werde bei realistischer Betrachtung das Urteil ausfallen, sagte Verteidiger Thomas Raneburger schon am ersten Verhandlungstag am 22. November. Raneburger und Co-Verteidiger Martin Mennel werden Freisprüche für ihren Mandanten beantragen, weil dessen Schuld nicht erwiesen sei. Zumindest im Zweifel werde der 28-Jährige freizusprechen sei, meinen die beiden Feldkircher Rechtsanwälte.

Der Angeklagte beteuert weiterhin seine Unschuld. Er habe die 28-Jährige nicht getötet, obwohl er das von ihm gezeugte Kind nicht haben wollte. Der Beschuldigte vermutet als Täter einen seiner Kollegen aus Liechtenstein.

Smartphone gefunden. Aber nur der Angeklagte, der nicht Vater werden und keine Alimente zahlen wollte, habe ein Tatmotiv gehabt, meint Staatsanwalt Höfle. Er führte Indizien an, die aus seiner Sicht für die Schuld des Angeklagten sprechen. So machte der Beschuldigte ein Jahr lang in der Untersuchungshaft keine Angaben. Zudem wurde das Smartphone der Ermordeten, das sie wenige Stunden vor ihrem Tod noch verwendet hatte, wenige Stunden nach der Tat in seiner Liechtensteiner Garage gefunden.

Des Weiteren wurden frische DNA-Spuren der Ermordeten in seinem Wagen sichergestellt. Und mit seinem Auto wurde in der Tatnacht ein kleiner Grenzübergang zwischen Liechtenstein und Vorarlberg in beiden Richtungen passiert, ergab eine Videoüberwachung. Weitere Indizien sind der aktivierte Schrittzähler im abgeschalteten Smartphone des Angeklagten und die Aussage der Nachbarin.

Opfer hatte Angst. Zu den elf gestern aussagenden Zeuginnen zählte wie bereits erwähnt auch eine Cousine der Getöteten. Die Zeugin sagte, sie habe sich am 3. November 2015 am Abend zusammen mit der schwangeren 28-Jährigen wenige Stunden vor deren Tod den Kreißsaal im Landeskrankenhaus Feldkirch angesehen. Danach habe sie einen Wunsch ihrer Verwandten nicht erfüllt: Die 28-Jährige habe sie gebeten, bei ihr zu übernachten, weil sie Angst habe. Sie habe jedoch nicht gesagt, wovor sie Angst habe.

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