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„LebenslangeHaft oderFreispruch“

Links: Der Angeklagte vor Gericht. Oben: Der Tatort in Frastanz. ©Seff Dünser, APA

Links: Der Angeklagte vor Gericht. Oben: Der Tatort in Frastanz.

 ©Seff Dünser, APA

Bei Redaktionsschluss gestern Abend noch kein Urteil im Feldkircher Geschworenenprozess um Mord an schwangerer Frau in Frastanz.

Von Seff Dünser

Lebenslänglich oder Freispruch“, so werde das Urteil bei realistischer Betrachtung ausfallen, sagte Verteidiger Thomas Raneburger schon am ersten Verhandlungstag am 22. November. Im Geschworenenprozess um den Mord in Frastanz an einer schwangeren Frau ist gestern Abend am Landesgericht Feldkirch bis Redaktionsschluss noch kein Urteil verkündet worden. Die Urteilsberatung der acht Bürger, die als Geschworene alleine über Schuld oder Unschuld des Angeklagten zu entscheiden hatten, war am dritten Verhandlungstag noch nicht beendet.

Staatsanwalt Philipp Höfle legt dem unbescholtenen Angeklagten Mord, Brandstiftung, erzwungenen Schwangerschaftsabbruch und Störung der Totenruhe zur Last. Demnach soll der in Liechtenstein lebende Staatsbürger der Dominikanischen Republik am 4. November 2015 gegen 4 Uhr nachts in Frastanz eine im achten Monat von ihm schwangere 28-Jährige in deren Bett erwürgt und erstickt und danach ihren Leichnam mit dem ebenfalls verstorbenen Ungeborenen angezündet haben.

Der angeklagte 28-Jährige bestreitet die Tatvorwürfe. Der Untersuchungshäftling sagte vor Gericht, er sei nicht der gesuchte Täter. In der Tatnacht habe er in seiner Wohnung in Liechtenstein geschlafen. Als Täter kommt für ihn sein Untermieter infrage. Sein Kollege habe möglicherweise wegen eines Konflikts mit ihm die Taten begangen und ihm in die Schuhe schieben wollen.

Keine Beweise. Staatsanwalt Höfle jedoch hält den Angeklagten für den Täter. Beweise für die Schuld des Arbeitslosen konnte der öffentliche Ankläger vor Gericht allerdings keine vorlegen. Freilich lassen aus Sicht des Feldkircher Strafverfolgers mehrere Indizien nur den Schluss zu, dass der Angeklagte eines der grausamsten Verbrechen der letzten Jahre in Vorarlberg verübt hat.

So hat der seit zwei Jahren in Untersuchungshaft einsitzende Beschuldigte erst nach einem Jahr Angaben gemacht und bis dahin geschwiegen. Beschuldigte müssen zwar keine Aussagen tätigen, aber der Staatsanwalt meint, der Mann hätte sich von Anfang an gegen Verdächtigungen gewehrt, wenn er tatsächlich unschuldig wäre.

Zu den belastenden Indizien zählt auch der Umstand, dass am Tattag in der Garage der Liechtensteiner Unterkunft des Angeklagten das Smartphone des Opfers gefunden wurde, das die Vorarlbergerin wenige Stunden vor ihrem Tod noch verwendet hatte. Zudem sollen frische DNA-Spuren der Ermordeten am Auto des Angeklagten gefunden worden sein.

An Grenze gefilmt. In dem Indizienprozess wurde der Angeklagte auch dadurch belastet, dass sein Auto in der Tatnacht bei einem kleinen Grenzübergang sowohl bei der Einreise nach Vorarlberg als danach auch bei der Ausreise gefilmt wurde. Auf den Videobildern ist allerdings nicht zu erkennen, wer den Pkw gelenkt hat.

Belastet wurde der Angeklagte des Weiteren durch die Zeugenaussage einer Nachbarin, die gesehen haben will, dass er in der Tatnacht zwischen 5 und 6 Uhr morgens mit dem Auto heimgekommen sei.

Die Auswertung des Smartphones des Angeklagten ergab angeblich, dass seine Schrittzähler-Applikation darauf hindeutet, dass er in der Tatnacht nicht geschlafen, sondern sich immer wieder bewegt hat, wo auch immer. Die beiden Verteidiger, Martin Mennel und Thomas Raneburger, kritisierten die Datenauswertung als unzureichend. Es seien nicht alle Daten herangezogen worden, der Arbeit fehle deshalb die Grundlage.

Schwerer als die Handydaten wiegt für den Ankläger, dass nur der Angeklagte ein Tatmotiv gehabt habe. Er habe die von ihm gezeugte Tochter nicht haben wollen. Deshalb, sagt Höfle, habe er die 28-Jährige umgebracht.

Eine 30-jährige Freundin des Opfers schilderte gestern als Zeugin, was die 28-Jährige ihr von einem Treffen mit dem Angeklagten vom Juli 2015 berichtet habe: Weil sie nicht abtreiben wollte, sei er wütend geworden, habe einen Stuhl gegen den Tisch geworfen und sei mit seinem Auto rasant weggefahren. Er habe zur 28-Jährigen gesagt, er werde in die Dominikanische Republik zurückkehren. Zwei Tage vor ihrem Tod habe sich ihre Freundin beim Institut für Sozialdienste erkundigt, ob sie von dem Mann Unterhaltszahlungen erwarten dürfe.

Laienrichter. In dem Indizienprozess, in dem es weder Tatzeugen noch belastende Tatortspuren gibt, mussten acht zufällig ausgewählte Bürger als Laienrichter ohne die drei Berufsrichter den Angeklagten entweder verurteilen oder freisprechen. Ein Vorarlberger Strafrichter pflegt dazu folgenden Vergleich zu formulieren: Das sei so, wie wenn in einem Spital die Ärzte für die leichten Operationen zuständig seien, aber medizinische Laien für lebensgefährliche Eingriffe.

Laienrichter. In dem Indizienprozess, in dem es weder Tatzeugen noch belastende Tatortspuren gibt, mussten acht zufällig ausgewählte Bürger als Laienrichter ohne die drei Berufsrichter den Angeklagten entweder verurteilen oder freisprechen. Ein Vorarlberger Strafrichter pflegt dazu folgenden Vergleich zu formulieren: Das sei so, wie wenn in einem Spital die Ärzte für die leichten Operationen zuständig seien, aber medizinische Laien für die lebensgefährlichen Eingriffe.

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