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Jägerlatein

Prämien in St. Patriarchat

Schon länger kam nichts Erheiterndes mehr aus dem Bregenzerwald; mit der „Schwarzenberger Herdprämie“ sorgen ein paar Verantwortliche in der Talschaft nun aber wieder für Lacher. Schon der Name ist an Anachronismus kaum zu überbieten. Frei nach dem bereits für alle Zeiten verloren geglaubten Satz „Eine Frau gehört an den Herd“ die Unterstützung für häusliche Betreuung „Herdprämie“ zu nennen, zeugt vom Fingerspitzengefühl eines Schlamm-Catchers. Nicht, dass etwa „Mikrowellen-Prämie“ oder „Lieferservice-Prämie“ besonders gute Namen wären… aber ausgerechnet „Herd“?

Für ein Schmunzeln – zumindest bei mir – sorgt auch die Summe von 300 Euro, die jährlich an „Anerkennungszahlung“ (anerkannt von wem – dem dortigen Gemeinderat?) an Familien mit „Heimbetreuung“ pro Kind gezahlt werden soll. Richtig üppig ist das ja nicht, und ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass ein Betrag von 82 Cent pro Tag allzu viele Menschen dazu bewegen kann, ein Kind zu Hause zu betreuen. Ich gehe ja davon aus, dass die Eltern nicht arbeiten gehen, weil sie das Heranwachsen ihres Nachwuchses partout nicht mitbekommen wollen, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Um hier richtig Abhilfe zu schaffen, wäre ein mindestens 50-fach höherer Betrag angemessen, den zu zahlen eine Gemeinde natürlich weder bereit noch imstande ist. Aber mit 300 Euro pro Jahr ist selbst sparsamen Menschen nicht wirklich geholfen.

Dass sich dieses Angebot zudem offenbar vor allem an Frauen richtet („Herdprämie“ sagt ja alles) spiegelt das Frauen- und Familienbild der tiefschwarzen Wälder-Gemeinde wider. Kein Wunder also, dass Frauenrechtlerinnen und Feministinnen auf die Barrikaden steigen. Wobei ich auch da ein Haar in der Suppe finde: Zwar weiß ich, was „Feministin“ bedeutet, und zu Recht setzen sich Frauen für Chancengleichheit ein. Aber ein Beruf ist das ja nicht, oder? Manche Frauen führen die Bezeichnung ja wie einen Titel. Das können sie von mir aus gerne tun, aber: Gibt es überhaupt eine männliche Entsprechung? „Frauenfeind“ ja wohl hoffentlich nicht. Maskulinismus wäre vielleicht richtig, klingt aber komisch. Und die Bezeichnung „Phallokratie“ – benannt nach dem primären Geschlechtsmerkmal – trifft’s nicht, meint der Begriff doch „Vorherrschaft des Mannes“ (Feministinnen streben nach Gleichberechtigung, nicht nach Vorherrschaft). Also doch das gute alte „Patriarchat“ (übersetzt: von Vätern und Männern geprägte Gesellschaft)? Wenn man nach Schwarzenberg schaut, wurde dieses – zumindest dort – offensichtlich ohnehin nie überwunden.

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. raimund.jaeger@russmedia.com

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