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Ensi gibt grünes Licht für Beznau 1

Das weltweit älteste AKW Beznau 1 wird wieder ans Netz gehen. Beznau 1 ist unsicher, im Störfall ist Vorarlberg massiv betroffen, warnte Landesrat Johannes Rauch.  Reuters

Das weltweit älteste AKW Beznau 1 wird wieder ans Netz gehen. Beznau 1 ist unsicher, im Störfall ist Vorarlberg massiv betroffen, warnte Landesrat Johannes Rauch.  Reuters

Drei Jahre nach der Entdeckung von rund 1000 etwaigen Schwachstellen darf Block 1 des Schweizer Kernkraftwerks wieder ans Netz. Kritik kommt aus Vorarlberg.

Von Sonja Schlingensiepen

Der Reaktordruckbehälter ist sicher“, erklärte Hans Wanner, Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektoriats (Ensi) am Dienstag. Die Zuständigen des Atomkraftwerks Beznau 1 hätten diesen Nachweis erbracht. Dieser sei sowohl durch Mitarbeiter des Ensi als auch durch Mitglieder eines internationalen Expertengremiums geprüft worden. Auch die im Jahr 2016 gestellten Nachforderungen seien inzwischen erfüllt worden.

Bei Ultraschallmessungen im Reaktordruckbehälter von Beznau 1 waren im Juni 2015 bewertungspflichtige Anzeigen festgestellt worden. Unter anderem handelte es sich um fehlerhafte Materialstellen in einer Größe von fünf bis sechs Millimetern sowie Aluminium­oxideinschlüsse. Seitens der Ensi wurden daraufhin umfangreiche Prüfungen angeordnet.

Drei Jahre vom Netz. Drei Jahre stand das älteste kommerzielle Kernkraftwerk in der Folge still. Nun scheinen die Mängel behoben. Die fehlerhaften Materialstellen seien nicht während des Betriebs des Reaktors entstanden, sondern bereits beim Schmieden des Druckbehälters 1965 in Frankreich. Was die Aluminiumoxideinschlüsse angeht, sei weder in Bezug auf Material­eigenschaften, noch auf Versprödung Mängel festzustellen gewesen. „Aus sicherheitstechnischer Sicht spricht also nichts dagegen, dass Beznau 1 wieder ans Netz geht“, sagte Wanner. Der Betreiber Axpo könnte somit die 2015 unterbrochene jährliche Sicherheitsüberprüfung zu Ende führen und die Anlage wieder anfahren.

Seitens der Axpo scheint dies für Ende März geplant zu sein. In den vergangenen Tagen wurde der Zugang zum Kraftwerk auf der kleinen Aareinsel Beznau im Kanton Aargau komplett abgeriegelt. „Die umgesetzten Sicherungsmaßnahmen stehen in Zusammenhang mit unserem Ziel- und Planungstermin für die Wiederinbetriebnahme von Block 1 am 31. März 2018“, sagte Antonio Sommavilla, Pressesprecher der Axpo, vor wenigen Tagen gegenüber dem Privatfernsehsender Tele M 1.

Kritik aus Vorarlberg. Landesrat Johannes Rauch (Grüne) sprach am Dienstag von „einem schwarzen Tag für die Sicherheit“. „Die Entscheidung des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorates, den Meiler Beznau 1 wieder in Betrieb nehmen zu lassen, ist aus Sicherheitsgründen völlig unverständlich“, betonte Rauch. Die Axpo als Betreiberin stelle mit der Inbetriebnahme wirtschaftliche Interessen über die Sicherheit der Bevölkerung.

Die Einschlüsse im Stahl des Reaktordruckbehälters seien auf Grundlage von Annahmen und Hypothesen beurteilt worden. Eine Messung und genaue Untersuchung im „Inneren“ des Stahlmantels sei naturgemäß gar nicht möglich gewesen.

„Aus Vorarlberger Sicht gilt einmal mehr: Beznau 1 ist unsicher, im Störfall ist Vorarlberg massiv betroffen, weil aufgrund der oft vorherrschenden Westwetterlage radioaktives Material über die Grenze herübergetragen wird. Es kann aus unserer Sicht nur die klare Forderung nach einem raschen und endgültigen Aus für Beznau 1 geben“, sagt Rauch und verweist auf die zahlreichen Forderungen der Vorarlberger Landesregierung.

Landeshauptmann Markus Wallner kritisierte die Entscheidung. „Unsere Kritik werden wir gegenüber der Schweiz zum Ausdruck bringen“, kündigte Wallner an. Die Zuständigkeit liege offiziell beim Umweltministerium in Wien. Dort solle geprüft werden, ob sich Vorarlberg damit zufrieden geben müsse, dass das stillgelegte AKW wieder hochgefahren werde.

Hintergrund Beznau 1

Im Sommer 2012 sind im Grundmaterial des Reaktordruckbehälters des belgischen Kernkraftwerks Doel 3 Befunde festgestellt worden. In der Folge mussten auch die Kernkraftwerke in der Schweiz Prüfungen durchführen. Da im Reaktordruckbehälter von Beznau 1 ebenfalls Befunde festgestellt wurden, musste der Betreiber Axpo die Sicherheit nachweisen. 2018 akzeptierte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi den Nachweis.

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