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Sasu

Ganz schön und zudem ganz schön praktisch

Susanne Hepp (l.) und Sabine Inama riechen, schmecken und probieren sich immer erst selbst durch das, was sie dann aus Überzeugung anbieten. Miriam Jaeneke

Susanne Hepp (l.) und Sabine Inama riechen, schmecken und probieren sich immer erst selbst durch das, was sie dann aus Überzeugung
anbieten.
Miriam Jaeneke

Das Sasu in der Dornbirner Schulgasse ist ein Geheimtipp. Fast hätte es den kleinen Laden, der Produkte kleinerer und größerer Designlabels aus Europa offeriert, nie gegeben. Jetzt sorgt dieser für einen Hauch Großstadt.

Von Miriam Jaeneke

Sasu. Sabine und Susanne. „Sie ist meine Schwägerin“, sagt Susanne Hepp (52) und zeigt nach draußen, wo Sabine Inama (49), Laub vor dem Geschäft wegfegt. Verstanden haben sich die beiden immer gut. Und einen gemeinsamen Traum hatten sie auch schon lange. Nur mit der Umsetzung hakte es. „Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir bereits darüber geredet, dass es uns Spaß machen würde, ein Lädele aufzumachen“, erzählt Susanne Hepp. In Gedanken schmückten sie diesen Traum aus, standen nebeneinander hinter der Theke, Schönes tauschte den Besitzer.

Zuletzt vor zweieinhalb Jahren sagten die beiden Schwägerinnen: „Hach, ein gemeinsamer kleiner Laden, das wär schon toll.“ Da traten ihnen ihre inzwischen erwachsenen Kinder kräftig gegen die Schienbeine – sinnbildlich natürlich. „Immer nur gescheit reden, aber nichts dafür tun“, war der Kommentar. Und das saß.

Als Susanne Hepp mit ihrem Mann kurz darauf die Schulgasse in Dornbirn entlangradelte, bremste sie plötzlich und fuhr einige Meter zurück. Ein Schild hatte sie elektrisiert, ein Schild, auf dem das Ladengeschäft dahinter zur Miete ausgeschrieben war. Sie dachte nicht: „Das wär’s“, nicht: „Das sieht genau wie unser Geschäft aus, nur dass es davon noch nichts weiß.“ Sie dachte überhaupt nichts in dieser Richtung, denn die Fens­terscheiben waren von oben bis unten zugeklebt, nicht ein kleiner Blick nach innen war zu erhaschen.

Überraschung. Besichtigt wurde der Laden natürlich. „Da waren wir dann positiv überrascht“, sagt Susanne Hepp. Denn es offenbarte sich eine historische Einrichtung mit vielen alten Holzregalen und -schubladen, in die sich beide Frauen auf Anhieb verliebten. „Hätte das Geschäft nicht 40 Jahre leer gestanden, wäre vielleicht zwischendurch jemand gekommen und hätte alles rausgerissen“, sinniert Hepp. Stattdessen dachten aber nun die beiden Frauen: „Das ist es“, und dann ging alles ganz schnell. Den frischen Mietvertrag noch in der Hand, begannen sie, potenzielle Lieferanten anzutelefonieren. „Schöne Marken zu finden, um diese zu verkaufen, ist gar nicht so einfach. Viele haben Gebietsschutz, manche sind bereits in der Region vertreten. Es war alles sehr stressig. Aber kurz vor Weihnachten konnten wir tatsächlich aufsperren.“

Das ist jetzt zwei Jahre her. Seitdem verkaufen Sabine und Susanne im Sasu Sinnesstreichler für Mann und Frau: Schmuck, den Männer als Geschenk für ihre Frauen kaufen, und Frauen als Geschenk für sich selbst. Derbe Lederschürzen für Herd und Grill, die Frauen als Geschenk für ihre Männer kaufen. Mit Textilleder bezogene Sitzbälle, die vergangenes Jahr den deutschen Designpreis gewonnen haben. Und die von Männern wie Frauen gekauft werden. Designte Bluetooth-Lautsprecher, außerdem das pastellzarte Geschirr von Patsy Grabher-Fenkart aus Lustenau.

Ganz schön praktisch. Der Verkaufsschlager im Vorjahr war eine raffiniert entworfene Teeflasche, die sich mit, wohlgemerkt kaltem, Wasser aufgießen lässt. Das Getränk enthält daher keine Gerbstoffe und bleibt länger genießbar. Ein in den Deckel integrierter Filter hält die Teeblätter und Kräuter zurück – hier treffen sich „ganz schön“ und „ganz schön praktisch“.

Die verkauften Dinge sind so vielfältig wie ihre Käufer. „Letzte Woche hat bei uns ein Schüler für seine Mama ein Geburtstagsgeschenk gekauft“, sagt Sabine Inama und erzählt dann von einer zufälligen Begegnung, aus der sich das für sie bisher größte Kompliment für ihre Arbeit ergeben hat: Sie war auf dem Weg vom Bahnhof ins Geschäft und fast da, da zeigte vor ihr ein Papa auf das Schaufenster und sagte zu seinem vielleicht achtjährigen Buben: „Das finde ich so einen tollen Laden.“ Wer weiß, vielleicht wird der Sohn eines Tages in der Tür stehen und für seinen Vater nach einem Geschenk suchen. Bis dahin verkaufen Sabine Inama und Susanne Hepp, was auch sie sich selbst kaufen würden. „Nicht nette Deko, sondern schöne Gebrauchsgegenstände“, formuliert es Susanne Hepp.

Und, hat sich der Traum der beiden erfüllt? Ist die Realität wie erträumt? Nicht ganz, gibt sie zu. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Aber manches habe ich unterschätzt. Zum Beispiel das Ausmaß der Büroarbeit und der Arbeit im Lager. Besonders im ersten Jahr hatten wir sehr viel zu tun. Vor der Eröffnung haben wir Tag und Nacht angepackt. Was inzwischen Routine ist, war am Anfang alles Neuland.“ Dem gegenüber sagt Sabine Inama: „Susanne erledigt die Produktsuche und die Abwicklung, ich manage den Laden und die Präsentation. Ich habe 30 Jahre in einer Feinparfümerie gearbeitet und dann in einer Buchhandlung. Die Arbeit war für mich absehbar.“

Unterstützung. Ohne die Unterstützung von Susannes Mann, Dieter Hepp, über dessen Marketingfirma die ganze organisatorische Abwicklung läuft, wäre vor allem anfangs gar nichts gegangen. Unterstützt außerdem von Sigi Ramoser von der Agentur Sägenvier und Sabines Mann, Johannes Inama, betreiben die Macherinnen des Sasu professionelles Marketing. Sie verteilen zum Beispiel Flyer, um ihre 1b-Lage wettzumachen.

Nun könnte ihnen das neue Bauprojekt der Stadt Dornbirn zu Gute kommen. Es hat die Schulgasse an die Fußgängerzone mit Marktplatz und Kirche angeschlossen. Das Pflaster direkt vor der Nase von Sasu ist damit nicht mehr für den Durchgangsverkehr da, sondern liegt Flaneuren und Neugierigen bis vor die Ladentür direkt zu Füßen. Und natürlich Stammkunden, die wissen, was sie tun, wenn sie den Laden betreten. Wie Larissa Bohle. „Das Sasu ist immer noch ein Geheimtipp. Ich empfehle es für Mann wie Frau, für Geschenke und wenn man sich selbst mal was Gutes tun will. Also, das ist für mich der Laden schlechthin.“ Bei so viel Lob auf einmal müssen Susanne Hepp und Sabine Inama lachen. Da kann Letztere beruhigt wieder nach draußen gehen und zum Besen greifen. Schließlich bringen gelebte Träume auch solche Arbeit mit sich.

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Markenware suchen die beiden Frauen in ganz Europa zusammen.

Unternehmen

Sasu, Schöne
Dinge von hier
und anderswo

geöffnet dienstags bis freitags,
9.30 Uhr bis 18 Uhr, Samstag, 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr,
Schulgasse 20,
Dornbirn, 0699/17153273,
E-Mail:
hello@sa-su.at, www.sa-su.at

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