Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Wenn der Sozialstaat in „Unruhe gerät“

Caritas-Direktor Walter Schmolly (links) mit Sozial- und Integrationspaten. Caritas

Caritas-Direktor Walter Schmolly (links) mit Sozial- und Integrationspaten. Caritas

Rund 300 Sozial- und Integrationspaten gibt es im Land. Sie rückte die Caritas gestern bei einer Pressekonferenz anlässlich der März-Haussammlung in den Vordergrund.

Von Brigitte Kompatscher

D ie Fernsehbilder von Flüchtlingen, die in viel zu kleinen und teils seeuntüchtigen Booten über das Mittelmeer kamen, waren es, die den dreifachen Vater berührt haben. Pierre Hendrickx aus Höchst, gebürtiger Niederländer, seit 27 Jahren in Österreich und pensionierter Mittelschullehrer, hat beim Anblick dieser Bilder beschlossen, dass er etwas tun wollte. Das hat er – seither ist er Integrationspate der Caritas.

Hendrickx ist einer von rund 300 Sozial- und Integrationspaten im Land. Dabei handelt es sich um ehrenamtlich tätige Menschen, die rund 22.000 Einsatzstunden pro Jahr leisten, wie die Projektkoordinatorin Marlies Enenkel-Huber informierte. Die Anfragen für Einsätze kommen von Sozialeinrichtungen, Gemeinden oder Pfarren, erzählte sie. Nach einem ersten Kennenlernen werde der Bedarf abgeklärt, in neun von zehn Fällen kann ein passender Sozialpate vermittelt werden.

Breites Spektrum. Zeitlich kann die Begleitung von einem Kontakt – etwa der Hilfe beim Ausfüllen eines Antrags – bis zu vielen Jahren gehen. Auch die Aufgaben sind recht unterschiedlich, sagte Enenkel-Huber. Vom wöchentlichen Besuchsdienst über die Unterstützung bei Behördengängen oder Alltagserledigungen bei Notfällen bis hin zu Lernunterstützung reicht das Spektrum. Die Sozial- und Integrationspaten sind zwischen 18 und 80 Jahre alt und stammen aus 20 Nationen. Bevor sie mit ihren Aufgaben beginnen, bekommen sie eine Einschulung und dann immer wieder auch Weiterbildungen.

Dass die Sozial- und Integrationspaten gerade jetzt in den Vordergrund gerückt werden, habe schon auch mit der Haussammlung zu tun, meinte Caritas-Direktor Walter Schmolly. Die geht in den nächsten Wochen über die Bühne. Allerdings seien Sozialstaat und Solidargemeinschaft in Österreich „in letzter Zeit in gewisse Unruhe geraten“. Da müsse frühzeitig interveniert werden. Der Sozialstaat werde derzeit politisch täglich in Frage gestellt und demontiert, kritisierte der Caritas-Direktor. Sozialpaten seien da „ganz besondere Akteure in unserer Solidargemeinschaft“. In Zeiten wie diesen gelte es daher, diese zu stärken.

Erlebnisse. Karin Stängle-Müller aus Dornbirn ist dabei, seit es Sozialpaten gibt, also seit zehn Jahren. Sie erzählte ebenso von ihren Erfahrungen wie Michaela Metzler aus Altach und Erna Mourkiozis aus Hohenems. Letztere hat unter anderem zwei Jahre lang eine demenzkranke Frau bis zu deren Tod regelmäßig besucht – zuerst zu Hause und dann im Heim. Zunächst gab es noch Gespräche und dann nur noch einzelne Gesten.

Und der eingangs erwähnte Integrationspate Pierre Hendrickx kümmert sich um Flüchtlinge. Kinder unterstützt er etwa beim Lernen oder bei der Schulauswahl – zumal sie oft in Schulen kämen, die unter ihren Begabungen liegen, so seine Erfahrungen. Die Männer „tue ich ein bisschen erziehen“, erzählte er mit einem Grinsen. Und weiter: „Ich sehe es auch als meine Aufgabe, ihnen ein österreichisches, westeuropäisches Männerbild nahezubringen.“

Derzeit begleitet Hendrickx – mittlerweile gemeinsam mit seiner Frau – drei Familien. Bei einer seien mittlerweile die Kinder in Hochschule, Gymnasium und guter Mittelschule untergebracht – da sei nicht mehr viel zu tun. Zwei kurdische Mädchen unterstützt er beim Lernen und dann gibt es noch eine Familie mit drei Kindern, bei der hauptsächlich Alltagsbegleitung erfolge. Als vor Kurzem das Jüngste auf die Welt kam, habe der Vater auf Hendrickx gezeigt und gesagt: „Du Opa“ und dann auf dessen Frau mit den Worten „Du Oma“, erzählt der Integrationspate. Das zeige schon, wie eng die Kontakte werden können.

www.caritas-vorarlberg.at

<p class="caption">Menschen in Vorarl­berg, die Hilfe brauchen, werden durch Sozialpaten und mit den Spenden der Haussammlung unterstützt.</p><p class="credit"> Caritas</p>

Menschen in Vorarl­berg, die Hilfe brauchen, werden durch Sozialpaten und mit den Spenden der Haussammlung unterstützt.

 Caritas

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.