Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Abkehr vom parteipolitischen Spiel

Sehr emotional wurde am Mittwochabend die Debatte zum Thema Kinderonkologie geführt.

Von Sonja Schlingensiepen

Mit Michael Ritsch und Gabi Sprickler-Falschlunger stellt die SPÖ gleich zwei briliante Redner, die ihre Rollen als Oppositionspolitiker perfekt beherrschen und die Regierungsarbeit von ÖVP und Grünen kritisieren. Nicht so am Mittwochabend. Denn es war Gabi Sprickler-Falschlunger, die das tat, was die Regierungs- und Kommunikationsverantwortlichen der ÖVP seit Tagen versäumt hatten – die Parteichefin der SPÖ fasste die Fakten in Sachen Kinderonkologie zusammen, verteidigte die Arbeit von Gesundheitslandesrat Christian Bernhard und erntete Applaus der ÖVP.

„Es gibt einen Strukturplan Gesundheit, in dem Qualität und Sicherheit Vorrang haben und Zuständigkeiten Gott sei Dank endlich mal festgelegt sind“, sagte Sprickler-Falschlunger. Sie verwies darauf, dass gerade bei Kindern Chemotherapien schwere Nebenwirkungen haben könnten. Sie wolle nicht, dass ein krebskrankes Kind eine Herzbeutelentzündung bekomme und Komplikationen auftreten, mit denen niemand umgehen könne. „Wir reden hier nicht von Pipifax, sondern davon, dass ein Kind sterben oder mit schweren Spätfolgen leben muss“, betonte die Ärztin. Um die Leistungen, die bisher am Dornbirner Stadtspital erbracht worden seien, auch künftig abdecken zu können, seien drei Fachärzte notwendig. „Ich glaube nicht, dass sich so hochqualifiziertes Personal finden lässt.“

Der Faktendarstellung folgte ein Angriff auf die Vorarlberger Freiheitlichen, der sich gewaschen hatte. Sprickler-Falschlunger kritisierte die Kampgne zum Erhalt der Kinderonkologie mit traurigem Babybild und FPÖ-Logo. „Mit diesem Thema politisches Kleingeld zu machen ist das Allerletzte, das mir bisher in meiner politischen Zeit untergekommen ist. Was hat euch denn da geritten?“

Seriös aufgegriffen. Das wollte FPÖ-Klubobmann Daniel Allgäuer natürlich nicht so stehen lassen. „Wir haben dieses Thema vor einem Jahr seriös im Rahmen einer Anfrage aufgegriffen“, stellte er klar. Hubert Kinz hatte zuvor seinen Unmut über die damaligen Antworten des Gesundheitslandesrates geäußert. Bernhard hätte demnach behauptet, dass im Hinblick auf die Behandlungen am Dornbirner Stadtspital keine Veränderungen anstehen würden. Zudem hätte er sich mehr Engagement bei der Suche nach einem Nachfolger des mit Jahresbeginn in Ruhestand getretenen Primararzte gewünscht.

Diese Versuche habe es durchaus gegeben, bekräftigte Bernhard. Die Zuständigen des Dornbirner Spitals hätten sich durchaus bemüht, Nachfolger auszubilden und zu binden. „Dies ist aber nicht gelungen, unter anderem auch weil sich die Struktur geändert hat“, erklärte Bernhard. Zum Zeitpunkt der Anfragebeantwortung, auf die Kinz angespielt hatte, seien diese Änderungen nicht beschlossen gewesen. Das erkläre auch die Antwort.

Was die Suche nach einer Lösung angeht, wolle er über eine wohnortnahe Versorgung sowie über eine künftige Kooperation zwischen der Uniklinik in Innsbruck und dem Stadtspital Dornbirn diskutieren.

Dies soll unter anderem im Sozialpolitischen Ausschuss des Landtags passieren, betonte ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück. Er versuchte zwischendurch die Wogen einer hochemotional geführten Debatte zu glätten. Eher weniger erfolgreich. Die FPÖ empörte sich über eine frühere Aktion der SPÖ zum Thema Homoehe. Dieses Vorgehen sei ebenfalls moralisch verwerflich, befanden die Blauen. Ritsch bezeichnete das Vorgehen der FPÖ als widerlich und warf dem Landeshauptmann vor, „Wischi-Waschi“-Reden zu halten. Immerhin bestand parteiübergreifend Einigkeit, eine Lösung zum Wohle der Kinder zu finden.

<p class="caption">Das Thema Kinderonkologie wird demnächst im Sozialpolitischen Ausschuss des Landtags debattiert.  Dietmar stiplovsek</p>

Das Thema Kinderonkologie wird demnächst im Sozialpolitischen Ausschuss des Landtags debattiert.
 Dietmar stiplovsek

Fakten zur Kinderonkologie

Kinderkrebserkrankungen zählen nach dem Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) zu seltenen Erkrankungen. Diese dürfen nur in entsprechenden Referenzzentren, welche im Team über ausreichende Erfahrung und Routine bei diesen hochspezialisierten komplexen Leistungen verfügen, behandelt werden. Pro Jahr gibt es in Vorarlberg laut Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard zwischen zehn und fünfzehn Neuerkrankungen.

Eine wohnortnahe Versorgung von Kinderkrebspatienten sei möglich, wenn diese in Zusammenarbeit mit einer Zentralkrankenanstalt (z.B. die Uniklinik Innsbruck) erfolge.

Im Krankenhaus der Stadt Dornbirn wurden bisher gewisse Leistungen (Blutbildkontrollen, Verbandswechsel, Verabreichung einer gewissen Form von Chemotherapien...) angeboten.

Im Stadtspital gibt es keine Kinderonkologie, sondern lediglich eine Pädiatrie. Die oben genannten Leistungen konnten dort aufgrund der Fähigkeiten des Primararztes Dr. Bernd Ausserer, der mit Jahresbeginn in Ruhestand gegangen ist, erbracht werden.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.