Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

„Frauenhäuser retten Leben“

Marion Burger im Frauenhaus „Maria Amor“ in Ecuador. Caritas Vorarlberg

Marion Burger im Frauenhaus „Maria Amor“ in Ecuador.

 Caritas Vorarlberg

Interview. Die gebürtige Lecherin Marion Burger engagiert sich als Mitarbeiterin der Caritas Auslandshilfe stark für Mädchen und Frauen – in Ecuador, Äthiopien und Haiti. Ein Gespräch anlässlich des heutigen Weltfrauentags.

Wie ist die Situation für Frauen in Ecuador?

Marion Burger: Es sind nach wie vor 60 Prozent aller Frauen und Mädchen von häuslicher Gewalt betroffen. Diese Zahlen bleiben leider konstant, obwohl es in den vergangenen Jahren weitläufige Kampagnen gegen Gewalt an Frauen gegeben hat. Wie in vielen Ländern ist schon die Erfassung der Daten ein Problem, da viele Gewaltsituationen gar nicht als häusliche Gewalt aufgenommen werden. In Ecuador haben Frauenorganisationen im vergangenen Jahr 153 Morde an Frauen im familiären Umfeld aufgezeigt.

Vielfach wird häusliche Gewalt als „privates Problem“ abgetan.

Burger: Die Frauen und Kinder sind neben der körperlichen auch von psyischer und sexueller Gewalt betroffen. Für viele von ihnen ist die Familie kein Ort von Sicherheit, Geborgenheit und Liebe, wie wir uns dies in unseren gängigen Wertevorstellungen ausmalen. Darum müssen diese Frauen viele gesellschaftliche Hürden und Vorurteile überwinden, wenn sie Hilfe suchen.

Gibt es für diese Frauen und Mädchen einen Ausweg?

Burger: Beratungsstellen und Frauenhäuser ermöglichen Frauen, einen Ausweg aus einer Gewaltbeziehung zu finden. Dabei retten Frauenhäuser Leben. Denn Statistiken auf der ganzen Welt zeigen auf, dass die Gewalt zunimmt, wenn Frauen versuchen, die Beziehung zu einem gewalttätigen Mann zu beenden. In Ecuador bedeutet dies, dass viele Frauen nach dem Frauenhaus untertauchen müssen und ihr Leben teilweise in einer anderen Stadt neu beginnen. Eben um dem Ex-Partner auszuweichen und sich und die Kinder nicht in Gefahr zu bringen.

Wie können Frauen und Mädchen besser geschützt werden?

Burger: Es ist wichtig, dass wir gegen Gewalt an Frauen Stellung beziehen und sie nicht als Familiendramen oder Liebesdramen abtun. Gewalt an Frauen ist eine der extremsten Formen der Diskriminierung an Frauen und Mädchen. Sie ist systemisch und basiert auf der ungleichen Vorstellung, die wir von Rollen, Pflichten und Rechten von Männern und Frauen haben.

Wie hilft die Caritas Vorarlberg?

Burger: Sie fördert in Ecuador, Äthiopien und Haiti die Entwicklung von Frauen und Mädchen. Es geht darum, Frauen über Ausbildung und einkommenschaffende Projekte zu stärken und so zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beizutragen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Förderung von Frauen immer zur Verbesserung der Lebenssituation der Familien und speziell der Kinder beiträgt.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Burger: In Ecuador erhalten jährlich über 500 Frauen Unterkunft und Hilfe in den vier von der Caritas Vorarlberg unterstützten Frauenhäusern. Die Frauen haben die Möglichkeit, in kleinen Ausbildungsbetrieben in die Arbeitswelt einzusteigen und somit finanziell unabhängiger zu werden. In Haiti fördert die Caritas Vorarlberg die Alphabetisierung von Frauen und unterstützt diese dann in der Gründung von Spargruppen sowie im Gemüseanbau. In Äthiopien werden in der Diözese Meki Frauen über Spargruppen unterstützt. Sie erhalten außerdem Fortbildung und Beratung, um über Gemüsegärten die Ernährung ihrer Familie zu verbessern. Eselskarren helfen, die Arbeitslast der Frauen und Mädchen zu verbessern, denn sie sind traditionell dafür verantwortlich, das Wasser von der Wasserstelle zu holen, was oft kilometerlange Wege bedeutet.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.