Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Keine Angst vorkomplizierter Technik

Stolz präsentieren die jungen Erfinder den Rohling des Ketchupflaschen-Flugzeugs.

Stolz präsentieren die jungen Erfinder den Rohling des Ketchupflaschen-Flugzeugs.

Wer möchte nicht mal Erfinder sein, Visionen entwickeln, am Ende des Tages etwas ganz Erstaunliches in den Händen halten? Wilma macht es möglich. Ein Projekt vom W*ORT in Lustenau, das Viertklässler in einem Zukunftslabor mit Hilfe von Lehrlingen tüfteln lässt.

Von Miriam Jaeneke

Der große Raum des W*ORT in Lustenau ist für die Schüler in eine Spielwiese der Kreativität verwandelt: Überall hängen zur Inspiration Abbildungen von Erfindungen, die von Kindern stammen, wie Eis am Stiel, Taschenrechner oder Ohrenwärmer. Auf den Fensterbrettern stehen in roten Plastikkisten Bauteile wie Schnüre, Spritzen, Räder in allen Größen und aus verschiedenen Materialien, außerdem Kartonagen, Solarzellen, leere Flaschen, Styroporstücke, Batterien, Stromdrähte, Lämpchen und vieles mehr.

Im Hintergrund stehen drei Rechner, an denen die Kinder ihre Kreationen – natürlich mit Unterstützung – programmieren lernen. Vier große Tische sind mit Packpapier abgeklebt, auf dem mit bunten Filzstiften Fantasieautos, -flugzeuge und -roboter samt Kurzanleitung gemalt wurden. Diese Anleitung – ihre eigenen – werden die Mädchen und Buben aus der Klasse 4c der Lustenauer Volksschule Hasenfeld noch brauchen können. Denn an diesem Tag wird es darum gehen, mit Unterstützung von Lustenauer Lehrlingen Fantasien in die Realität umzusetzen.

Zukunft gestalten. „Die Kinder sollen lernen, ihre eigene Zukunft zu gestalten, anstatt nur zu konsumieren“, so formuliert es Steven Marx, Jugendarbeiter des Jugendnetzwerks „Soziale Dienste Mittelrheintal“. Er ist Leiter der Workshops, die an vier Tagen mit Kindern aus vier unterschiedlichen Klassen der Lustenauer Volksschulen im W*ORT über die Bühne gehen. „Es ist spannend und wichtig, dass der Nachwuchs nicht nur mit technischen Aspekten, sondern überhaupt mit Komponenten des 21. Jahrhunderts umzugehen lernt.“

Ziele. Was für die Schüler gilt, gilt für die Lehrer allemal: Sie fotografieren mit ihren Handys und laden die Fotos – manchmal mit Unterstützung – auf den Blog hoch, den Steven Marx mit Hilfe des Tools „Wordpress“ angelegt hat. „Wilma“ steht da groß: „WIr Lernen durch MAchen.“ Es geht um die Förderung von Kreativität, Zusammenarbeit im Team und Technikverständnis. Und natürlich um Erfindergeist. Erfinder kann nämlich jede und jeder sein, der oder die ein Problem erkennt und dafür eine Lösung entwickelt.

Von den 17 globalen Zielen der UN hat Steven Marx vier herausgegriffen, damit das Feld nicht gar so unübersichtlich wird: Erneuerbare Energien, zukunftsfähige Städte und Gemeinden, Innovation und Infrastruktur sowie verantwortungsvoller Konsum sind die Themen.

Es gibt Schülergruppen, deren Ziel so hochgesteckt ist, dass der Prototyp zwangsläufig eher symbolischer Natur bleibt. Wie der des Roboters, der wie eine Biene fliegen, mit seinen Schwamm- und Besenarmen putzen, Müll in Legosteine und Buntstifte verwandeln kann. Der reden, Gedanken lesen, helfen und – krank werden kann. Auf diese Weise, finden die Erwachsenen heraus, soll er menschlicher werden. Seine Stimmung signalisiert er über grün oder rot leuchtende Antennen am Kopf. Für eine bestimmte Klientel wäre ein Roboter, der krank werden kann und den es wie ein Tamagotchi zu pflegen gilt, sicher interessant. Bis der „Robtop“ genannte Vieleskönner tatsächlich läuft, muss allerdings noch so manche Entwicklungsstufe überwunden werden. Vorerst entstehen die Beine aus Toilettenpapierrollen, der Körper ebenfalls aus Karton. Mit dem Teppichmesser wird unter Anleitung sorgfältig eine Klappe ausgeschnitten, die einen blauen Anstrich erhält.

Hungererkenner. Parallel konzipieren Leon Melojer, Anna Wang und Amelie Jovanovic (alle 10 Jahre alt) ihren „Hungerkenner-Teller“. Dieser Teller soll erkennen, wie viel Hunger der oder die vor ihm Sitzende hat und sich entsprechend verkleinern oder vergrößern können. Der Gedanke dahinter: Es wird einfach zu viel Essen weggeworfen, besonders in Lokalen.

Den Prototypen bauen die drei Nachwuchserfinder aus Styropor, einer Platte, groß wie ein Pizzateller. Schließlich soll der Teller auch für einen großen Mann mit Bärenhunger da sein.

Dann gibt es noch die Gruppe, die einen Solar-Zebrastreifen mit Sensor bauen will. Die Solar-Module an dem tagsüber gewöhnlich erscheinenden Fußgänger­überweg laden sich im Tages- und Sonnenlicht auf. Nähern sich bei Dunkelheit Fußgänger, passieren sie einen in den Boden eingelassenen Sensor, der Zebrastreifen leuchtet und die Autos sind frühzeitig gewarnt. Um ihre Idee plastisch zu machen, baut die Gruppe gleich einen ganzen Straßenzug auf einer Styroporplatte. Eine weitere Gruppe baut aus einer Ketchupflasche ein Flugzeug, das mittels Blitzen angetrieben werden soll.

Unterstützung. Lehrlinge von Blum, Alge Elastic, Alge Electronic, Bayer Kartonagen, System Industrie Elctronic (S.I.E) und Walter Bösch unterstützen die Teams, sensibilisieren die Schüler für die Schwierigkeiten, suchen gemeinsam nach Lösungen. Doris Filzmaier, Lehrlingsausbild­nerin von S.I.E, schaut vorbei. „Ich finde das ein tolles Projekt, das den Kindern die Angst vor Technik nimmt. Und zudem ist es eine Bereicherung für die Lehrlinge“, sagt sie.

Am Ende werden mit den Kindern semiprofessionelle Werbevideos gedreht, in denen es darum geht, sich und seinen Prototypen in möglichst günstigem Licht zu präsentieren.

Einige Firmen haben Interesse an einem Austausch mit den Schülern über deren Ideen angemeldet. Möglicherweise kein schlechter Start für eine Erfinderkarriere. Das ist zwar nicht jedem gegeben. Aber das Gefühl, etwas bewegen zu können, ist auch etwas wert. Und alle haben sich an diesem Tag an Steven Marx’ Rat gehalten: „Am besten anfangen.“

<p class="caption">Schläuche und Kabel, Teil des Materialsortiments (l.). Gewissenhaftes ­Abmessen (oben) braucht es ebenso wie erste Zeichnungen.</p><p class="caption">Miriam Jaeneke (6)</p>

Schläuche und Kabel, Teil des Materialsortiments (l.). Gewissenhaftes ­Abmessen (oben) braucht es ebenso wie erste Zeichnungen.

Miriam Jaeneke (6)

<p class="caption">Schläuche und Kabel, Teil des Materialsortiments (l.). Gewissenhaftes ­Abmessen (oben) braucht es ebenso wie erste Zeichnungen.</p><p class="caption">Miriam Jaeneke (6)</p>

Schläuche und Kabel, Teil des Materialsortiments (l.). Gewissenhaftes ­Abmessen (oben) braucht es ebenso wie erste Zeichnungen.

Miriam Jaeneke (6)

<p class="caption">Schläuche und Kabel, Teil des Materialsortiments (l.). Gewissenhaftes ­Abmessen (oben) braucht es ebenso wie erste Zeichnungen.</p><p class="caption">Miriam Jaeneke (6)</p>

Schläuche und Kabel, Teil des Materialsortiments (l.). Gewissenhaftes ­Abmessen (oben) braucht es ebenso wie erste Zeichnungen.

Miriam Jaeneke (6)

„Es ist ein tolles Projekt, das den Kindern die Angst vor der Technik nimmt.“

Doris Filzmaier, Lehrlingsausbildnerin, S.I.E
Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.