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Menschen Perspektiven geben

Hans Kohler überreichte Urkunden an die zahlreichen Teilnehmer. Schlingensiepen

Hans Kohler überreichte Urkunden an die zahlreichen Teilnehmer.

 Schlingensiepen

Klein, aber fein war das Publikum, das sich am Montagabend im Alten Kino Rankweil versammelt hatte, um den Ausführungen des Rankler Altbürgermeis­ters Hans Kohler zum Moldawien-Hilfsprojekt zu lauschen.

Von Sonja Schlingensiepen

Gleich zu Beginn gab es ein paar Informationen zu jenem weitgehend unbekannten Land Osteuropas, das offiziell Republik Moldau heißt und zwischen Rumänien und der Ukraine liegt. Und somit auch irgendwie zwischen der EU und dem, was von der einstigen UDSSR übrig geblieben ist. Bei 150 Euro liegt das durchschnittliche Einkommen der Moldawier. 30 Euro erhalten Pensionisten vom Staat. „Der Mann hier war Universitätsprofessor“, erzählt Kohler, während er ein Foto von einem älteren Mann präsentiert. Mit 30 Euro Pension fehlt es an allen Ecken und Enden. Der emeritierte Professor ist auf Unterstützung angewiesen. Erhält Essen auf Rädern von der Sozialeinrichtung Concordia. Jeder vierte Moldawier arbeitet als Gastarbeiter, meist in Staaten der EU. Die Gastarbeiter sind es, die für rund ein Drittel der Einkommen der Menschen in der Republik verantwortlich sind.

Hans Kohler, seit Jahren im Bereich Entwicklungshilfe tätig, begann im Jahr 2012 mit seinem Engagement in der Republik Moldau. „Ich war in Straseni, einer Gemeinde mit 16.000 Einwohnern, die drei Feuerwehrautos hatte und für die Sicherheit von 70.000 Einwohnern verantwortlich war“, berichtet er. 2013 wurden erste Projekte in Kooperation mit der Berufsfeuerwehr gestartet, im Laufe der Jahre wurde eine ganze Reihe von Einsatzfahrzeugen und Ausrüstungsgegenständen von Vorarlberg ins „Armenhaus Europas“ exportiert. „Auch die Zuständigen der Berufsfeuerwehr waren der Meinung, dass in der Republik Moldau ein System ähnlich wie in Österreich benötigt wird. Seitdem bemühen wir uns, neben der Berufsfeuerwehr auch Freiwillige für die Tätigkeiten zu begeistern.“

Erste Workshops mit Vertretern der Gemeinden und des Innenministeriums – hier sind die Berufsfeuerwehren angesiedelt – standen im Jahr 2014 auf dem Programm. Im Anschluss daran besuchte eine Delegation aus der Republik Moldau Vorarlberg. „Es wurden verschiedene Einrichtungen in Kleingemeinden angeschaut – unter anderem in Fontanella.“ Wieder zurück im Heimatland hätten die Mitglieder der Delegation über ihre Erfahrungen berichtet, hätten eine Resolution an die Zuständigen an der Spitze des Staates verfasst und um Unterstützung für die Einrichtung einer Freiwilligen Feuerwehr gebeten.

Die erste Freiwillige Feuerwehr sei dann 2016 in Sipoteni gegründet worden. Ausgestattet mit Kleidung aus dem Bregenzerwald und einem Einsatzfahrzeug aus Schoppernau. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt ausgeweitet. Weitere Fahrzeuge wurden nach Ost­eu­ropa gebracht, die Florianijünger in den Gemeinden eingeschult und auch über die Zeit hinweg betreut. „Wir sind dabei, ein Mentoring-System aufzubauen. Das Ziel muss aber sein, dass es einen Verband der freiwilligen Wehren gibt, dass sie in der Lage sind, unabhängig von uns zu arbeiten. „Exitszenario“ wird das genannt“, sagt Kohler.

Zukunftsbüro. Im vergangenen Jahr hat der ehemalige Bürgermeister überlegt, wie Freiwilligenarbeit in den Gemeinden der Republik Moldau generell zu fördern sei. „Ich habe beim Büro für Zukunftsfragen um Material für einen Workshop angesucht – und Kriemhild Büchel-Kapeller hat spontan zugesagt, mich vor Ort zu unterstützen“, erzählt Kohler. Zusammen mit Brigitte Finner vom Netzwerk Lech reisten Kohler und Büchel-Kapeller im September 2017 nach Chisinau, die Hauptstadt der Republik.

Das Interesse der Bürgermeister am Workshop sei groß gewesen. Die Teilnehmer hätten zum Teil eine dreistündige Anreise in Kauf genommen, um sich inspirieren zu lassen. In Gruppen wurden Ideen erarbeitet, wie eben nicht nur durch die Gründung einer Feuerwehr der Zusammenhalt in der Kommune gestärkt werden könne. Damit das Erarbeitete nicht nur Theorie bleibe, gebe es nun eine Art Freiwilligen-Oscar zu gewinnen. Bürgermeister können bei diesem Wettbewerb bis zu 300 Euro gewinnen. „Gefordert ist unter anderem ein Beschluss des Gemeindeparlaments sowie das Erstellen eines Maßnahmenplans“, erklärt Kohler.

Die Gemeindeoberhäupter von Sarata Veche, Speia oder Bravicea hätten die ersten Hürden bereits genommen. Auf den eingerichteten Facebook-Seiten der Kommunen seien bereits erste Aktivitäten wie Flurreinigung oder Projekte in Schulen zu sehen. „Eine Flutwelle haben wir noch nicht losgetreten, aber in einigen Gemeinden sind Anfänge sichtbar“, resümiert der Rankler.

Für Kohlers Engagement dankte am Ende eines interessanten Abends der für Entwicklungszusammenarbeit zuständige Landesrat Johannes Rauch: „Die Arbeit ist wichtig, denn diese gibt den Menschen Perspektive.“

<p class="caption">In und auf den Feuerwehrautos werden auch Hilfsgüter transportiert, die in den Sozialeinrichtungen von Concordia oder Elijah Pater Georg Sporschill abgegeben werden.</p>

In und auf den Feuerwehrautos werden auch Hilfsgüter transportiert, die in den Sozialeinrichtungen von Concordia oder Elijah Pater Georg Sporschill abgegeben werden.

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