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Bergknappenwegam Sonnenbalkon des Montafons

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück begibt sich diesmal ab Bartholomäberg im Montafon über den Bergknappenweg zum Historischen Bergwerk. Und über Worms geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Bei der sehenswerten Barockkirche Bartholomäberg geht es los auf dem Bergknappenrundweg mit dem Wegweiser in Richtung Historisches Bergwerk, in guten 35 Minuten zu erreichen. Die Straße steigt ordentlich an und führt am imposanten Pfarrhof rechts und ein wenig linksseitig am Frühmesshaus vorbei. Rechts ab übernimmt der Roferweg, der dem Wanderer einen Blickwechsel auf das Hochjoch und ein paar Kurven höher hinein ins Silbertal anbietet. Nach der Straßenkurve, vor der Mauer (rechts) mit dem Wegzeichen Rot-Weiß-Rot, führt ein schmaler Wiesen- und Waldweg ordentlich steil in den Wald hinauf und lässt den Wanderer ein längeres Straßenwandern abkürzen.

Wieder an der Straße angekommen, geht es erneut rechts weiter. Unten im Tal liegen die Ortschaften Tschagguns und Schruns und jeder Schritt bringt den Naturfreund weiter hinauf zum Herzen des Bergbaus. Eine Gebetsstätte am Wegesrand ist dem Gedenken an Bergleute gewidmet, die für die harte Arbeit ihr Leben lassen mussten.

Ordentlicher Anstieg. Mit der nächsten Straßenschleife schweift der Blick talauswärts und die Zimba gerät in den Fokus. Schon in geraumer Zeit führt rechts ab ein ordentlich ansteigender Waldweg hinauf zum Historischen Bergwerk. Dieser Weg könnte eisig und rutschig sein. Typische Stein-Wurzelwege für einen Bergknappenweg, denn immerhin wollten sie diesen gefahrlos passieren und zudem trugen sie meist schwere Last auf dem Buckel.

Knapp vor dem Historischen Bergwerk, bevor der Wanderer die weite, offene Wiese erreicht, steht linker Hand ein Betonsockel mit geografischen Informationen über die Nördlichen Kalkalpen und den Bergbau als Landschaftsgestalter.

Der vom 9. bis in das 17. Jahrhundert am Bartholomäberg-Innerberg-Kristberg blühende Erzbergbau auf Eisen, Kupfer und Silber hat die Hänge maulwurfsartig durchwühlt. Der Abbau erfolgte im Lichte von Kienspänen in Kriechstollen mit Hammer und Eisen. Der Abtransport des Materials ans Tageslicht durch Schleifen in Ziegenhäuten. Das Erz wurde händisch vom tauben Nebengestein getrennt, in wasserbetriebenen Pochwerken zerkleinert und teils im Tal (Silbertal, Schruns, Danöfen) in einfachen Öfen verhüttet, teils sogar bis nach Schwaz (Tirol) transportiert.

Wenn das Historische Bergwerk (das im Sommer besichtigt werden kann) erreicht ist, berichtet eine Infotafel über die Knappagruaba.

Rückweg. Die Wegrichtung Bartholomäberg über Linda wechselt wieder talauswärts, eigentlich wird jetzt schon der Rückweg angetreten. Geradeaus wandert man gemütlich über sanfte Hügel und oberhalb der Hütte Knappagruaba 8 wechselt man eine kurze Weile in den Wald. Über Stock und Stein kommt man nach Worms, einen weiteren geschichtsträchtigen Ort: Aus den Ausgrabungen 2010 bis 2014 am Bartholomäberg können neue Schlüsse gezogen werden, die dem Bergknappenweg eine historische Dimension verleihen.

Unterhalb der Bergbauzone Knappagruaba und Worms, direkt an der Wegstraße, wurden Grabungen in einer großen Bergschmiede des späten Mittelalters durchgeführt. Es handelt sich offenbar um einen zentral gelegenen, größeren Schmiedekomplex, der für mehrere Bergwerke in der Knappagruaba arbeitete. Eindrücklich ist auch die uralte Hütte mit dem typischen Montafoner „Schragazu“.

Abwärts schreitet nun der Wanderer in Richtung Bartholomäberg auf der Straße und gelangt zur Abzweigung Roferweg, rechts abwärts ist man richtig. Bei diesen Infotafeln ist viel über die Stollen im Heiligenwald und die Erzaufbereitung im Mittelalter zu erfahren.

Steil den Hang hinunter gewandert, vermitteln die nächs­ten Infotafeln Wissenswertes über den Bergbau. Nach der Wegschleife rechts übernimmt ein lustiger Holztreppenweg und geleitet den Wanderer in den Wald. Nach dieser Wegabkürzung geht es wieder zur Straße und schon zeigt sich die Kirchturmspitze des Bartholomäbergers Gotteshauses und verheißt somit den Ausgangspunkt der Wanderung. Bald ist nun, bei der Pfarrkirche Bartholomäbergs angekommen, die historisch und landschaftlich interessante Rundwanderung abgeschlossen.

Geschichte Bartholomäbergs. Das Gebiet der heutigen Gemeinde Bartholomäberg dürfte bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend besiedelt gewesen sein. Zumindest deuten Siedlungsreste darauf hin. Wie vermutlich in der Bronze- und Eisenzeit war Bartholomäberg auch durch das ganze Mittelalter hindurch ein Zentrum des Bergbaus: Eisen, Kupfer und Silber wurden hier gewonnen.

<p class="caption">Unterwegs im mittelalterlich-frühneuzeitlichen Bergbaugebiet Knappagruaba.  Hertha Glück (3)</p>

Unterwegs im mittelalterlich-frühneuzeitlichen Bergbaugebiet Knappagruaba.  Hertha Glück (3)

<p class="caption">Das sagenumwobene Steinkreuz am Bartelmäberg.</p>

Das sagenumwobene Steinkreuz am Bartelmäberg.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Die Spuren der alten Bergleute fordern den Wanderer heraus, da die Wege vorab schneefrei beginnen und in viel Schnee bei der Knappagruaba übergehen, sind jedoch auch um diese Zeit sehr interessant.

Anforderung und Gehzeit: In knappen zwei bis zweieinhalb Stunden werden 255 Höhenmeter auf- und abwärts unter die Schuhe gelegt.

Charakter der Wege: Straße, Wald- und Wiesenweg, planierter Winterwanderweg. Tipp: früh morgens losgehen, sonst wird der Schnee zu „sulzig“, bei Regen nicht zu empfehlen.

Kultur und Natur: Kath. Pfarrkirche hl. Bartholomäus und Friedhof, Pfarrhof, Frühmesshaus

Anziehen und Mitnehmen: Wanderschuhe mit guter Profilsohle, gute Wetterkleidung, Gamaschen, Spikes, eventuell Schneeschuhe, Wanderstöcke Einkehrmöglichkeiten:
Bartholomäberg

Start und Ende: Pfarrkirche Bartholomäberg

Blumenkunde

Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis): „Galanthus“ von griech. Gala = Milch und anthos = Blüte, ebenso wie lat. „nivalis“ = Schnee.

Vorkommen: Reiche Laubmischwälder und Gebüsche. Häufig angepflanzt, oft verwildert und zum Teil auch eingebürgert (Neophyt). Die natürlichen Vorkommen sind geschützt!

Das Steinkreuz am Berg

Bei der alten Kirche am Bartelmäberg steht ein uraltes, steingehauenes Kreuz, das so niedrig ist, dass es nicht einmal zu eines Mannes Knie hinaufreicht. Wie die düstre Sage meldet, hat an dieser Stelle der Erdboden einen Frevler verschlungen.

Ein Bergknappe, der einem Meiggi die Heirat versprochen hatte, wurde ihr untreu und ging mit einer andern. Als sie ihn zur Rede stellte, leugnete er alles ab und verschwor sich: „Wenn ich die andere heirate, soll mich der Teufel holen!“ Er aber war mit dieser andern schon am Markt in Bludenz gewesen; sie hatten dort alles zur Hochzeit gekramt, und nach wenigen Wochen führte er die zweite Braut zum Altare und achtete nicht mehr des verlassenen Meiggis und des fürchterlichen Schwures, den er getan. Als er aber in der Kirche war und der Priester daranging, die Gespusen einzusegnen, floh der Bursche auf einmal wie in tödlicher Angst von der Seite der Braut weg; und er floh zur Kirche hinaus und weiter über den Friedhof und mit einem Sprung über die Litauer, als ob ihn der Böse jage. Der Mesner, der ihm folgte, sah nur noch, wie am Orte, wo jetzt das Steinkreuz steht, der Erdboden klaffte und sich wieder schloss. Der Bursche war spurlos verschwanden. Der Teufel hatte ihn vom Altare geholt, und, ob er auch floh, er hatte ihn außer der Kirche erreicht, und der Schoß der Erde hatte den Frevler in Nacht und Tod verschlungen.

Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, Anna Hensler, in: Rund um Vorarlberger Gotteshäuser, Heimatbilder aus Geschichte, Legende, Kunst und Brauchtum, Bregenz 1936, S. 57

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