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In der Vergangenheit entsprachen beim Leuchtenhersteller Zumtobel die Zahlen nicht den Erwartungen.  APA/Gindl

In der Vergangenheit entsprachen beim Leuchtenhersteller Zumtobel die Zahlen nicht den Erwartungen.  APA/Gindl

Erste Management­ebene wird künftig lediglich zehn bis zwölf anstatt wie zuletzt 45 Personen umfassen.

Der börsennotierte Leuchtenkonzern Zumtobel will mit stark verschlankter Managementstruktur neu durchstarten. Die erste Management­ebene wird künftig lediglich zehn bis zwölf anstatt wie zuletzt 45 Personen umfassen, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Alfred Felder. Bis Juni will Felder die neue Geschäftsstrategie im Detail vorlegen.

Das Geschäft des renommierten Leuchtenkonzerns lief zuletzt „holprig“, Beleg dafür waren zwei Gewinnwarnungen in den vergangenen drei Quartalen. Für das Gesamtjahr 2017/18 (per 30. April) wird bei einem Umsatzrückgang von acht Prozent noch ein operatives Ergebnis (bereinig­tes Ebit) von 15 bis 25 Millionen Euro angestrebt. Der 54-jährige Felder, der die CEO-Agenden am 1. Februar von Ulrich Schumacher übernommen hat, hat nach seinen ersten fünf Wochen als Chef des Konzerns, dem der Doktor der Elektrotechnik seit 2012 angehört, erste Veränderungen in Angriff genommen.

Geschäft stabilisieren. In einem ersten Schritt gehe es nun darum, das Geschäft zu stabilisieren, Ruhe in das Unternehmen zu bringen und die Kundenausrichtung besser zu leben. „Wir arbeiten sowohl an der Ankurbelung des Umsatzes als auch an der Kostenseite“, sagte Felder. Dazu gehört auch, „dass wir uns auf der Managementebene deutlich schlanker aufstellen werden als in der Vergangenheit“. Zuletzt habe es 45 Manager in direkter Reporting-Linie zum Vorstand gegeben – viel zu komplex und zu teuer. „Wir wurden ineffizient und langsam in der Entscheidungsfindung“, stellte Felder fest. So soll es neben dem Vorstand – bestehend aus Felder, COO Bernard Motzko und CFO Thomas Tschol – nur noch zehn bis zwölf Leute auf der ersten Managementebene geben. Die Betroffenen müssen in die zweite Reihe zurücktreten, bestimmte Funktionen wird es laut Felder auch nicht mehr geben: „Ein Dutzend Gespräche wurde schon geführt.“ Die „Gesundschrumpfung“ soll bis Ende März in die Wege geleitet beziehungsweise abgeschlossen sein.

Eile sei geboten, weil die neue Mannschaft schließlich die nächs­te Phase einleiten und Antwort auf die Frage „Wie stellen wir uns auf?“ geben müsse. Dabei werde man alles genau unter die Lupe nehmen – die Märkte, die Geschäftsfelder, die Investitionen. Im Juni soll ein diesbezüglicher Plan vorliegen, „das erwarten auch die Analysten“, sagte Felder. Er betonte allerdings auch, dass die Verschlankung auf der Managementebene nicht mit einer Personalreduzierung auf unterer Ebene einhergehen werde, im Gegenteil: In Bereichen, in denen man noch näher am Kunden sein, Umsatz generieren und Potenziale heben könne, werde man „eher noch Leute aufbauen“.

Wie viele andere Branchen befinde sich die Beleuchtungsindustrie in einer disruptiven Phase. „Es geht nicht mehr nur um Hardware, die produziert wird, sondern um eine Lichtlösung“, erklärte Felder. Das Geschäft erlebe eine sehr starke Verzahnung mit der Software-Programmierung. „Es ist der Wechsel von einer alten zu einer neuen Lichtquelle“, sprach Felder die LED-Technik an. Der LED-Anteil am Gesamtgeschäft liegt bei Zumtobel bei mittlerweile über 80 Prozent, 2012 waren es noch 12 Prozent gewesen.

Schnee von gestern. Der Markt werde auch in nächster Zeit nicht explodieren, Felder hält es aber für realistisch, „ein Geschäft zu generieren, das nachhaltig vernünftige Margen im hohen einstelligen Bereich bringt“. Die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat – unter Schumacher hatte es diesbezüglich zuletzt einige Turbulenzen gegeben – bezeichnete Felder als sehr kooperativ. „Wenn die Zahlen wieder stimmen, ist das Schnee von gestern“, blickte Felder in die Zukunft, auch in die eigene. Sein Vertrag laufe zwar nur bis 30. April 2019, „ich werde es dem Aufsichtsrat aber schwer machen, jemand anderen zu suchen“.

Dass in der jüngeren Vergangenheit die Zahlen nicht den Erwartungen entsprachen, führte Felder sowohl auf Marktgegebenheiten als auch auf interne Gründe zurück. In Bezug auf die Märkte sagte er, dass nicht die Anzahl der verkauften Lichtpunkte das Problem sei. Durch die Preiserosion im Bereich der LED-Technik müssten aber wesentlich mehr Lichtpunkte auf den Markt gebracht werden, um dieselben Umsätze zu erzielen wie früher.

Fehlersuche. Der neue Zumtobel-CEO räumte aber auch ein, dass intern Themen nicht richtig adressiert worden seien. Bei der Zusammenführung von Standorten in eine zentrale Lagerhalle in Memmingen (Bayern) habe man Prozesse nicht richtig im Griff gehabt, große Anlaufschwierigkeiten seien die Folge gewesen. Wenn es gelinge, die internen Probleme zu lösen, „schauen die Zahlen in ein paar Quartalen wieder deutlich besser aus“, zeigte sich Felder überzeugt.

Aktien-Analyse

Die Analysten der Berenberg Bank haben für die Aktien des Beleuchtungsspezialisten Zumtobel sowohl die Verkaufsempfehlung „Sell“ als auch das Kursziel von 8,0 Euro bestätigt.

Die jüngsten Drittquartalszahlen wurden beim Umsatzausweis im Rahmen der Erwartungen bewertet. Das Betriebsergebnis hatte moderat positiv überrascht. Für das laufende Geschäftsjahr werde von der Berenberg Bank wegen zusätzlichen Restrukturierungskosten aber nun keine Dividendenausschüttung mehr erwartet. Die Bestätigung des „Sell“-Votums wurde zudem mit der Unsicherheit über die Zukunftsstrategie des Unternehmens und der fortgesetzten „underperformance“ der Aktie begründet.

Zumtobel-Aktien notierten am Mittwochvormittag an der Wiener Börse bei 8,195 Euro und einem deutlichen Plus von 3,08 Prozent.

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