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Aus dem Gerichtssaal

Mandant fordert von Anwalt 600.000 Euro

Unfallopfer macht in anhängigem Zivilprozess seinen früheren Rechtsanwalt für verlorenen Schadenersatzprozess verantwortlich.

Von Seff Dünser

Am Tag nach seinem Geburtstag erschien der 49-jährige Rechtsanwalt gestern als Beklagter in einer Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Denn ein ehemaliger Mandant fordert vom Vorarl­berger Anwalt als Schadenersatz für einen verlorenen Zivilprozess 600.000 Euro. Der klagende Ex-Mandant wirft seinem früheren Rechtsbeistand vor, ihn in einem Zivilprozess in Salzburg fehlerhaft und damit schlecht vertreten zu haben. In dem Salzburger Gerichtsverfahren verlangte der Kläger Schadenersatzzahlungen, weil er Opfer eines Verkehrsunfalls geworden sei.

Im nunmehrigen Anwaltshaftungsprozess in Feldkirch hat Zivilrichter Norbert Stütler gestern die Verhandlung für geschlossen erklärt. Sein Urteil wird schriftlich erfolgen. Der Richter deutete an, dass er die Klage wohl abweisen werde. Der beklagte Anwalt sagte, er habe keine Fehler gemacht. Der klagende Ex-Mandant hat dem beklagten Rechtsanwalt Sorgfaltsverstöße nachzuweisen. Zudem hat der Kläger zu beweisen, dass er ohne die behaupteten anwaltlichen Fehler den Prozess doch noch gewonnen hätte.

Falsche Feststellung. Der Kläger ist im Salzburger Unfallfolgenverfahren zuerst von einem anderen Vorarlberger Anwalt vertreten worden. Erst nach dem Urteil erster Instanz, mit dem die Klage abgewiesen wurde, vertrat der jetzt beklagte Anwalt den Kläger. Der Rechtsanwalt wurde damit beauftragt, eine Berufung einzubringen.

Klagsvertreter Hans-Jörg Vogl brachte gestern im Feldkircher Anwaltshaftungsverfahren vor, sein beklagter Kollege habe die Salzburger Berufungsschrift nach der Vorlage an den Mandanten nachträglich ohne dessen Zustimmung abgeändert und eingebracht.

Dabei, so Vogl, habe der Anwalt einen entscheidenden Fehler begangen. Denn der Rechtsvertreter habe keine Berufung gegen die falsche richterliche Feststellung erhoben, dass sich das Unfallopfer geweigert habe, sich einer neurologischen Untersuchung bei einem Sachverständigen zu unterziehen.

Wäre die falsche Feststellung bekämpft worden, hätte das zuständige Oberlandesgericht das Ersturteil aufgehoben und eine neue Verhandlung in Salzburg angeordnet, meint der neue Anwalt des Unfallopfers. Dann wäre bei einer neurologischen Untersuchung bescheinigt worden, dass der Kläger im Bereich der Halswirbel und des Kopfes nach wie vor an den Folgen des Verkehrsunfalls leidet. Daraufhin, mutmaßt Vogl in seiner Kausalitätstheorie, hätte sein Mandant hohe Schadenersatzzahlungen zugesprochen erhalten.

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