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Neudörferhaus wird doch abgerissen

So wird das neu errichtete Neudörferhaus zukünftig aussehen. Nägele Waibel ZT GmbH

So wird das neu errichtete Neudörferhaus zukünftig aussehen.

 Nägele Waibel ZT GmbH

Bauarbeiten beim Rettungsstützpunkt Hohenems haben Probleme im alten Bauwerk zutage gefördert. Eine Sanierung des Neudörferhauses ist nicht vertretbar.

Der Zustand des Neudörferhauses beim Rettungsstützpunkt in Hohenems ist viel schlechter als angenommen. Das war bei der Planung so nicht sichtbar. Wenn die Sanierung trotzdem durchgeführt wird, werden die Projektkosten erheblich steigen und die bautechnischen Risiken in der Zukunft sind nicht vertretbar. Darüber informierten Zuständige der Stadt in einer Aussendung. Daher sei in der Stadtvertretungssitzung vergangenen Dienstag mit Mehrheit der vollständige Abbruch bis zur Kellerdecke und der Neubau des Gebäudes beschlossen worden.

Die bisherigen Arbeiten waren umfassend: Das Neudörferhaus wurde entkernt, der Dachstuhl abgetragen und das Kellergeschoss sowie die Außenwände gesichert. Experten von der „Bautechnischen Versuchsanstalt“ der HTL Rankweil und Wien sowie die Statiker aus dem Büro Mader/Flatz in Bregenz kamen nach Untersuchungen des Bestandsmauerwerks zu dem Schluss, dass die Mörtelfugen händisch ausgekratzt werden müssten und mit einem Spezialmörtel wieder zu befüllen wären. Ansonsten sei die Tragfähigkeit des Mauerwerks nicht mehr gewährleistet.

Des Weiteren wurde nach Abbruch der Holzdecken festgestellt, dass sich in diesem Bereich verdeckte, längs eingemauerte Balken in morschem Zustand befinden, die im Zuge der Sanierung entfernt werden müssten und somit auch das Mauerwerk entsprechend unterfangen werden müsste. Damit wären Mehrkosten von mindes­tens 330.000 Euro und erhebliche bautechnische Risiken in der zukünftigen Nutzung verbunden gewesen. Mehrkosten und Risiken, welche die Stadt Hohenems zu tragen hätte.

Der Architekt und die involvierten bautechnischen Experten haben deshalb von einer Sanierung abgeraten und den Neubau der neuen Rettungszentrale empfohlen. Neben der Sanierung wurden noch zwei zusätzliche Varianten für die weitere Vorgehensweise ausgearbeitet.

Gebäude neu errichten. Eine Möglichkeit wäre die Neuerrichtung der Bestandsgebäude. Aufgrund des schlechten Zustands des Bestandsmauerwerks, der problematischen Anschlüsse des Bestandsmauerwerks an die neuen Sichtbetonwände und der nicht auszuschließenden späteren Schäden (Rissbildung) im Bestandsmauerwerk sei aber auch von dieser Variante mit Mehrkosten von rund 225.000 Euro abzuraten. Architekt Elmar Nägele gibt zu bedenken, dass es sich bei dieser Variante um „unehrliche Architektur“ (Bestandsmauerwerk vermischt mit Sichtbetonausführung) handle und aus fachlicher und auch aus Sicht der zukünftigen Nutzer abzulehnen ist.

Sichtbeton-Neubau. Eine zweite Möglichkeit wäre der Abbruch und ein Neubau in Sichtbetonbauweise. Die Hohenemser Stadtvertreter stimmten mehrheitlich diesem Vorschlag der ausführenden Architekten Nägele/Waibel aus Dornbirn zu. Die Außenwände werden nun passend zum restlichen Neubau ausgeführt. Diese Variante führt auch nicht zu einem Mehraufwand der bereits veranschlagten Kosten. Falls doch Mehrkosten entstehen sollten, würden diese vom Roten Kreuz getragen. Auch für die mit der Projektleitung beauftragten Experten der Gerhard Berger Projektmanagement GmbH ist diese Variante aus bautechnischer Sicht zu bevorzugen, da letztlich keine Materialsplittung vorgenommen werden muss.

Das Haus wird nun also bis zur Kellerdecke abgebrochen und neu errichtet. Der Keller bleibt erhalten und kann beispielsweise als Lagerraum genutzt werden.

Andenken bewahren. „Der sehr schlechte Zustand des Mauerwerks war in dieser Dramatik nicht abzusehen. Eine Erhaltung des Neudörferhauses ist nicht zielführend und ein identischer Neuaufbau wäre eine schlechte Kompromisslösung“, betont Bürgermeister Dieter Egger. Um das Andenken an Dr. Neudörfer trotzdem zu bewahren, wird Egger den Kulturausschuss mit der Ausarbeitung eines Gedenkens beauftragen.

Bestandssanierung

Eine Sanierung des Neudörferhauses wäre theoretisch möglich. Allerdings ist es notwendig, sämtliche Lager- und Setzfugen händisch auszukratzen und mit einem Spezialmörtel zu verschließen. Die in den Mauerwerken eingebundenen Holzteile müssen händisch entfernt und die Löcher mit Beton gefüllt werden. Die Giebelwände im Dachgeschoss müssen verstärkt und Fensterrahmen sowie -bänke erneuert werden. Trotz Maßnahmen können später Risse in den neuen Bauteilen entstehen. Die Mehrkosten für diese Variante belaufen sich auf 330.000 Euro.

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