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NEUE-serie – Teil 252

Von St. Martin in Ludesch zum Hüsleweg

Ein uralter Hohlweg im Ludescher Dorfwald beflügelt die Fantasie.  Hertha Glück (2)

Ein uralter Hohlweg im Ludescher Dorfwald beflügelt die Fantasie.  Hertha Glück (2)

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück begibt sich diesmal ab Ludesch über die St. Martinskirche zum Hüsleweg nach Nüziders. Und über Barx geht es wieder zurück.

Gemütlich flach beginnt die naturnahe Rundwanderung beim Gemeindezentrum in Ludesch in Richtung St. Martin/Ludescherberg und zweigt beim Bildstöckle rechts ab in die Brühlstraße. In der Straßenkurve überquert der Wanderer die Straße und betritt den schmalen Karl-Zerlauth-Weg und schon gerät die St.-Martinskirche, am Ostrand des Dorfes auf der Anhöhe thronend, in den Fokus. Weiter geht es rechts ab über die Dorfstraße, vorbei an einem uralten Steinbrunnen.

Der nächste Wegweiser lässt den Wanderer links den Hang zur St.-Martinskirche aufsteigen. Lesesteinmauern säumen den Weg, ökologische Steinzeugen des uralten Walgauweges. Meter für Meter erwandert man sich die Aussicht auf die Gemeinde Ludesch. Noch die Anhöhe überwunden und man steht bei der Alten Pfarrkirche hl. Martin mit ehemaligen Kirchhof. Sie stammt aus der frühmittelalterlichen Zeit und stellt ein wertvolles Kleinod an Kirchengeschichte dar. Es lohnt sich ein Rundumwandern um die weitgehend spätgotische Kirche und das vierjochige Langhaus zum Gebeinehaus. Weiters beeindrucken der Brunnen, das Sühne- oder Schuldkreuz und vor allem der Blick ins Innere der Kirche.

Dann geht es aber flugs weiter den Hang hinauf und rechts ab in Richtung Nüziders/Hüsleweg. Nun wird das Europaschutzgebiet Ludescherberg betreten, das an steileren Lagen auch naturnah ausgebildete Schlucht- und Hangmischwälder sowie Magerwiesen, Hangmoore und Quellsümpfe aufweist. Allerdings gelangt der Wanderer auf dieser Route nicht ganz hinauf zum Ludescherberg, sondern durchstreift das Gebiet unterhalb.

Im Dorfwald. Immer tiefer taucht der Naturfreund in den natürlichen Dorfwald ein. An der Straße angelangt, bringt ein Rechts-links-Abzweigen einen gleich wieder auf einen schmalen Waldweg. Ein selten schöner Hohlweg, der früher zum Viehtrieb und dem Holztransport diente, bringt den Wanderer vorbei an einem schmucken Bildstöckle und mündet bei Dorfwald in der Höhe von 810 Metern an der Straße.

Jetzt übernimmt rechts ab der Hüsleweg eine kurze Weile die Straße, die beim uralten, alleinstehenden Gehöft Hüsli in einen Forstweg übergeht. Hasen- und Eichhörnchenspuren bezeugen die Naturbelassenheit dieser Gegend. Krokusse, Huflattich und Erika gedeihen an von der Sonne begünstigten Plätzen.

Wieder in den Wald eingetaucht, ragen linker Hand hohe Felswände auf und rechter Hand fällt der Hang in eine wilde Schlucht ab. Stechlaubbäume, hohe Kiefern und Jungwald frischen den dichten Wald auf und gut platzierte Bänke laden zur Rast mit Aussicht ein.

Wiederum erinnert eine Tafel an das Europaschutzgebiet Ludescherberg und erläutert Wissenswertes: Am Hang oberhalb des Dorfes Ludesch in der Höhe von 500 bis 1500 Metern bilden trockene Wiesen, Hangmoore und Quellsümpfe, Feldgehölze und Waldfragmente eine von Menschenhand geschaffene einmalige Kulturlandschaft. Herausragend ist das breite Spektrum an mageren Wirtschaftswiesen mit üppiger Blumenpracht. Diese sind das Erbe einer aufwändigen traditio­nellen Bewirtschaftung. Ohne Düngung und mit einer ein- oder zweimaligen Mahd werden diese Wiesen als Lieferanten gehaltreichen Heus oder von Streue gepflegt. Magere, also nährstoffarme Wiesen sind ökologisch besonders wertvoll, da sie rund 50 bis 60 verschiedene Pflanzenarten beherbergen. Im Vergleich dazu kommen in einer gedüngten Wiese nur circa 15 Arten vor.

Gemeindewechsel. Beinah unbeachtet zweigt es im Flachen des Forstweges links in den Wald ab und die gelb-weißen Zeichen an den Bäumen weisen den Weg. Nun befindet sich der Wanderer in der Gemeinde Nüziders. Ein sehr steiler und bei Nässe rutschiger Waldweg geleitet zum Riedle und lässt rasch an Höhe verlieren. Rechts ab geht es nach Außerberg/Ludesch und bei Auf der Platta ist der Rückweg mit 55 Minuten nach Ludesch ausgewiesen.

Stramm geht es auf einem flachen Forstweg dahin. Bei Bazis in Höhe von 660 Metern rückt der Ausgangspunkt schon näher, allerdings wartet noch ein sehr schmaler Hangweg, der Trittsicherheit erfordert, auf den Wanderer.

Wiederum übernimmt ein ­schmaler Waldweg, führt den Hang hinauf zu einer Ruhebank, und die Gemeinde Ludesch liegt dem Wanderer weitläufig zu Füßen. In schmalen Serpentinen schlängelt sich der Weg hinab, vorbei an hoch aufragenden Felsen, und plötzlich endet dieser an einem idyllischen Holzbrunnen. Ab hier geht es rechts ab auf dem Mühleweg und bei Barx wieder links auf die Dorfstraße, die den Wanderer abermals auf die St.-Martinskirche blicken lässt.

Der Rückweg führt durch neue und alte Häuserzeilen von Ludesch, das inmitten des Walgaus liegt und als beliebtes Siedlungsgebiet gilt. Mit ein paar eh schon bekannten Abzweigungen ist der Ausgangspunkt der Route wieder erreicht.

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Ein uralter Hohlweg im Ludescher Dorfwald beflügelt die Fantasie.  Hertha Glück (2)

Kurzbeschreibung

Besonderes: eine anspruchsvolle, geschichtsträchtige Runde für Naturinteressierte

Anforderung und Gehzeit: In zweieinhalb bis drei Stunden werden ungefähr 255 Höhenmeter auf- und wieder abwärts unter die Schuhe gelegt.

Charakter der Wege: Straße, Wald-, Wiesen und Forstwege mit der Kennzeichnung gelb-weiß und weiß-rot-weiß, Trittsicherheit erforderlich

Kultur und Natur: kath. Pfarrkirche hl. Sebastian mit Friedhof, Alte Pfarrkirche hl. Martin mit ehem. Kirchhof; Europaschutzgebiet Ludescherberg, Teilstrecke vom Walgauweg und Jakobsweg

Anziehen und Mitnehmen: Wanderschuhe mit guter Profilsohle, Wetterkleidung, Wanderstöcke empfohlen

Einkehr: Ludesch

Start und Ende: Ludesch ­Gemeindezentrum

Blumenkunde

Glockenheide, Moorheide (Erica tetralix): „Erica“ von lat. Erice oder griech. Ereike – Heidekraut, Baumheide, zu griech. Ereikein – brechen, wegen der brüchigen Zweige; „tetralix“ ist der lat.-griech. Name für Heidelandschaft. „Heide“ bezieht sich auf den Standort (vgl. Calluna), „Glocke“ auf die Blütenform.

Vorkommen: Feuchtheiden, Moore und lichte Moorwälder, auf basenarmen, sauren Böden. Atlantisch verbreitet, daher vor allem in Nordwestdeutschland. Wächst an nasseren Stellen als Calluna. Durch Entwässerung und Wiederaufforstung stark im Rückgang. Regional verschollen oder stark gefährdet – schutzbedürftig.

Der Riese von Parx (Barx)

In Ludesch steht auf hohem Hügel am Berghang schlank und leicht ein gotisches Kirchlein, das St. Martin geweiht ist. Allerlei halb erloschene Malereien und Schilder mit bäuerlichen Hauszeichen zieren die Wände. Es ist uralt: Schon vor der Zeit Karls des Großen stand es inmitten grüner Rebhalden am gähen Hange. Bei seinem Baue half ein riesengroßer Mann aus Parx. Ohne diesen hätte man es gar nicht fertiggebracht. Als es dann vollendet war und ins tiefe Tal hinabschaute, wusste niemand Rat, wie die Glocke die steile Halde hinaufbringen. Der Riese allein war nicht verlegen. Mit gewaltiger Kraft schwang er die Glocke auf den Rücken und trug sie durch die Reben empor auf den Berg. Zum Lohne verlangte er des Landweins genug und leerte dann einen ganzen Kübel voll roten Walgauer in einem Zug.

Zum Andenken an den Riesen hat man später sein Bild mit der Glocke auf die Außenwand des Kirchleins gemalt; jetzt ist es aber ganz verblasst und kaum mehr zu sehen.
Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, Anna Hensler, in: Rund um Vorarlberger Gotteshäuser, Heimatbilder aus Geschichte, Legende, Kunst und Brauchtum, Bregenz 1936, S. 47

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