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Jägerlatein

Facebook öffentlich?Was denn sonst?

Erstaunlich finde ich, wie hysterisch auf die sogenannte „Datenaffäre“ bei Facebook reagiert wird. Zum Hintergrund: Die Facebook-Daten von über 50 Millionen Nutzern – zwei Milliarden sind es insgesamt – wurden von der britischen Datenanalyse-Firma „Cambridge Analytica“ abgefischt und daraus ohne Wissen der Nutzer allgemeine Persönlichkeitsprofile für den Wahlkampf des damals noch Präsidentschaftskandidaten Donald Trump erstellt. Facebook soll davon gewusst und weder informiert noch Maßnahmen ergriffen haben.

Jetzt kann ich mir zwar durchaus vorstellen, dass Internet-User etwa beim „Digital-Banking“, wo es ja immerhin um das eigene Konto geht, auf absolute Sicherheit pochen. Auch bei Partnerschaftsvermittlungen via Web sind die Teilnehmer sicherlich nicht erpicht darauf, ihre körperlichen Eigenschaften, sozialen Bedürfnisse oder gar sexuellen Vorlieben mit der Weltöffentlichkeit zu teilen. Aber Facebook?

Facebook zeichnet sich ja dadurch aus, dass man von sich nur soviel preisgeben muss, wie man eben will. Ich war da mal vor ein paar Jahren für ein paar Monate aktiv, hauptsächlich um eigene Konzerte zu promoten oder meinen „Freunden“ (deren Anzahl ich aber immer sehr überschaubar hielt) das eine oder andere Video zukommen zu lassen, damit auch sie von den Segnungen der Musik der späten 1970er-Jahre profitieren mögen. Ach ja, und „Farmville“ hab ich ein paar Wochen gespielt. Ob das schon ein Profil ergibt, weiß ich nicht – aber falls mein Name, meine Vorliebe für New Wave und meine Nachlässigkeit beim Abernten digitaler Maisfelder irgendeinem Politiker helfen oder schaden, soll es mir recht sein.

Die meisten Benutzer von Facebook besitzen dagegen eine fünfstellige Anzahl von „Freunden“ und teilen vom morgendlichen Zähneputzen über das Mittagsmenü bis hin zum abendlichen Date ihr ganzes Leben mit Tausenden anderen. Kann man ja tun, wenn man möchte – aber sich dann darüber zu empören, dass „Daten“ analysiert werden, ist ja wohl ein Witz. Fast alle Facebooker schreien geradezu danach, ihr Leben öffentlich zu machen. Und nicht nur Politiker – wobei festgestellt werden muss, dass hier Profile beziehungsweise Lebens- und Kaufgewohnheiten einer größeren Gruppe analysiert wurden und keineswegs Individuen – sondern alle möglichen Unternehmen nutzen seit jeher die Möglichkeiten von Facebook und werden oft von den Usern weiter verschickt. Daher erscheint mir ein „Datenklau“ bei Facebook moralisch in etwa so verwerflich wie das Nachsingen von Beatles-Songs, bei denen man ja auch nicht Paul McCartney persönlich fragen muss. Also viel heiße Luft um eine ohnehin gigantische Blase.

Hinweis: Der Inhalt dieser
Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. raimund.jaeger@russmedia.com

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