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Kein Elefant im Porzellanladen

Patsy Grabher-Fenkart ist eine der Kreativen, die am liebsten viel Raum zum Atmen und Gestalten um sich haben. Sie ist Stylistin, erschafft hauchzartes Porzellan und Gipsbilder, auf die sie computerbearbeitete Fotos zieht.

Von Miriam Jaeneke

Ich liebe große Räume“, sagt Patsy Grabher-Fenkart und durchmisst ihr Wohnzimmer mit energischen Schritten. Ein braun geflecktes Kuhfell liegt auf dem Betonboden, rundherum ist viel Platz. Platz für Kreativität. Und davon hat die Stylistin und Künstlerin viel. „Das Haus hat meinem Vater gehört, er hatte hier ein Stickerei-Export-Geschäft. Den Loft-Charakter, die Mahagoni-Wände haben wir gelassen. Hier haben die Lkw die Ware angeliefert“, erzählt Paty Grabher-Fenkart und zeigt auf eines der großen Wohnzimmerfenster. Das ehemalige Büro des Chefs haben die Fenkarts in ein Schlafzimmer verwandelt, das einstige Musterzimmer beherbergt einen Tisch über die Länge des Raums, auf dem Computer stehen. Das Arbeitszimmer. Doch Patsy Grabher-Fenkart ist bereits unterwegs ins Untergeschoss, sagt auf halbem Weg den beiden Hasen ihrer Tochter, Lili und Filibert, hallo.

Unten angekommen, wiederholt sie: „Zum Glück haben wir so viel Platz.“ Schnell wird deutlich, was sie meint: In einem Nebenzimmer befindet sich die Requisite eines Theaters. Zumindest sieht es so aus. Vom Wetter gegerbte Holzbretter, historische Stoffservietten, fein säuberlich gebügelt und gestapelt. Teller, Gläser, Tabletts, Paravents, ein altes Dreirad. „Mein Mann sagt immer: ,Aber das alte Holz brauchst du doch bestimmt nicht mehr‘. Dann sage ich: ,Du wirst sehen, irgendwann passt’s.“ Passen könnte es zum Beispiel bei der Arbeit, der Grabher-Fenkart für die Lebensmittelkette „Sutterlüty“ nachgeht. Dort ist sie für das ästhetische Drum und Dran, Drunter und Dahinter zuständig. Etwa für das Sutterlüty-Magazin, wo sie den Outdoor-Koch der Titelgeschichte mit dekorativen Tellern, dem Besteck, der Deko versorgt. Eine Stylistin für alle Fälle. Demnächst wird das Fotoshooting für die kommende Weihnachtsausgabe des Hefts über die Bühne gehen. Denn die Bühne soll aus Schnee und Bergen im Hintergrund bestehen. Berge gibt es im Oktober noch, wenn das Heft in die Produktion geht. Schnee eher nicht.

Im nächsten Raum, der, leergeräumt, eher einem Tanzsaal gleicht, steht das Ergebnis vieler Stunden Arbeit. Stunden gern getaner Arbeit, mit einem Ergebnis, das ästhetischen Ansprüchen genügt. Patsy Grabher-Fenkart stellt feinstes Porzellan her, dünnwandige Becher und Schalen, Becherchen und Schälchen, Teelichter und Tabletts. Die Farben sind pastellig: bläulich, zartgrün, rosa, naturweiß. „Mein Geschirr ist vielseitig verwendbar. Ich habe für keine Form nur eine Nutzung vorgesehen. Und zu den Schälchen, die ich als Teelichthalter gemacht habe, sagte der erste, der sie gesehen hat: ,Oh, was für exklusive Espressotassen‘“, erzählt die Macherin verschmitzt.

Arbeit erleichtert. Dann zeigt sie den Nebenraum, in dem die Kostbarkeiten entstehen. Erst vor Kurzem hat sie sich einen automatischen Mischer zugelegt, der jetzt vier Stunden lang brummend das flüssige Porzellan im Eimer durcheinanderwirbelt. Davor hat die Künstlerin von Hand gerührt. Nur eine halbe Stunde lang, aber der Mischer ist doch eine Erleichterung, dieser Grund für Rückenweh zumindest besteht nicht mehr.

Patsy Grabher-Fenkart erklärt die Arbeitsgänge vom fertig gerührten Porzellan bis zum fertig gebrannten Becher. Zunächst einmal entwirft sie die Form. Dann erschafft sie eine Gipsform, die 35 Prozent größer sein muss als das fertige Stück, weil dieses sich während des Brennens zusammenzieht. Das gerührte Porzellan gießt sie bis oben hin in die Form, dann stellt sie eine lilafarbene Eieruhr auf zehn Minuten. In dieser Zeit entzieht der Gips dem Porzellan Wasser. Das flüssige Porzellan, das dem Gips am nächsten ist, nämlich jenes außen am Rand und unten am Boden, wird fest. Die Grundform des Bechers steht, nun kann die Handwerkerin das überschüssige Porzellan abgießen. Nach dem Entformen ist der Becher lederhart. Jetzt glättet sie mit einem Schwämmchen den Rand und die Oberfläche. „Beim Arbeiten mit dem Porzellan bin ich oft nass und schmutzig. Aber ich liebe es. Porzellan ist so ein schönes Material. Es ist sehr heikel in der Verarbeitung und verzeiht keinen Fehler. Ich finde jedoch, das Ergebnis lohnt sich.“

Damit das Brennen effizient ist, erschafft Grabher-Fenkart so viele Becher oder Teelichter, dass der Ofen voll ist. Dann heizt sie diesen auf eine Temperatur von 900 Grad. Sie zeigt die Brennkurve: Bis das Geschirr abgekühlt ist, dauert es ungefähr drei Tage. „Das Porzellan ist danach noch total zerbrechlich, porös wie ein Blumentopf. Wenn man an die Seitenwände klopft, ist zu hören, dass die Form nicht dicht ist“, erklärt die Kunsthandwerkerin. Es folgt der Arbeitsgang, der später den einen Becher vom anderen unterscheiden wird: Innen füllt sie die Gefäße mit flüssiger Glasur und gießt diese wieder aus. Außen bleiben die Stücke matt, überschüssige Glasur entfernt sie mit dem Schwämmchen. Es folgt der Glasurbrand bei 1250 Grad, damit wird das Material verdichtet, dem Glas ähnlich. „Schau, jetzt klingt der Becher hell, dicht und wie Glas“, Patsy Grabher-Fenkart klopft an den fertigen Becher.

Weiter verwertet. Doch Patsy wäre wohl nicht Patsy, wenn sie nicht weiter gedacht hätte. Schließlich fiel regelmäßig Gips an, der beim Herstellen der Formen übrig blieb. Gäbe es nicht eine schöne Art und Weise, diesen doch noch zu verwenden? Es gibt sie, und seither fertigt die Künstlerin Gipsbilder.

Sie fotografiert Menschen und verfremdet die Porträts am Computer. Manchmal fast bis zur Unkenntlichkeit. In der Regel jedoch so, dass Details wie etwa die blauen Augen oder die krausen Haare hervorstechen, die Person erkennbar bleibt. Den Gips gießt sie zu quadratischen, dicken Platten, auf die sie die Fotos mit einer geheimnisgleich gehüteten Technik aufzieht. Es entsteht ein rauer, urbaner Vintagelook, mal bunt, mal schwarz-weiß. Die Bilder lassen sich ganz einfach aufstellen oder aufhängen.

Oft kombiniert Grabher-Fenkart drei verschiedene Motive zu einem Ensemble. Etwa für eine Hochzeit. Ein Bild mit zwei verschränkten Händen darauf, seit gerade mit Eheringen verziert, ein Bild von der Braut, genauer ihrem halben Gesicht, mit Brautschleier, und eines vom Bräutigam mit seinem Blumenschmuck am Revers. Der Fantasie sind bei dieser Arbeit keine Grenzen gesetzt.

Ein Schaffensmodus, der Patsy Grabher-Fenkart sehr gut gefällt. Wie die schier grenzenlosen Möglichkeiten großer Räume in der Wirklichkeit.

<p class="caption">Das fertig gerührte, flüssige Porzellan wird in eine Gipsform gegossen. Hier entsteht ein Becher (unten rechts). Der Ofen ist voll, damit das Brennen sich lohnt (unten links). Miriam Jaeneke</p>

Das fertig gerührte, flüssige Porzellan wird in eine Gipsform gegossen. Hier entsteht ein Becher (unten rechts). Der Ofen ist voll, damit das Brennen sich lohnt (unten links).
 Miriam Jaeneke

Porzellanverkauf

Verkauf und Kontakt:

Das Porzellan und die Gipsporträts gibt es bei Patsy Grabher-Fenkart in ihrem Lustenauer Atelier, bei Sasu in Dornbirn, Schulgasse 20, und beim Jöslar in Andelsbuch, Hof 139.

Patsy Grabher-Fenkart, Martin-Kink-Str. 2, Lustenau, Telefon: 0664/9268550, E-Mail: office@patsy-design.com, Internet: www.patsy-design.com

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