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Wo Messe Hand anlegen bedeutet

Wer seine Treffsicherheit unter Beweis stellen will, darf sich jederzeit anmelden.

Wer seine Treffsicherheit unter Beweis stellen will, darf sich jederzeit anmelden.

Bogenschießen, Wolle ­färben oder Schmieden sind kein Kinderspiel, sollen aber Kindern Spaß am archaischen Umgang mit der Natur vermitteln. Die „NaturSchau!“ ist ein Teil der Dornbirner Frühjahrsmesse „Schau!“.

Von Miriam Jaeneke (Text)
und Klaus Hartinger (Fotos)

Die Linke ist die Bogenhand. Mit der nimmst du den Bogen so, dass dieser auf deiner Lebenslinie aufliegt, dahinter in der hohlen Hand sollte gefühlt noch ein Golfball Platz haben“, erklärt Oliver Tschohl, Übungsleiter beim Bogensportverein Bogahütta in Klösterle. Er betreut auf der Frühlingsmesse „Schau!“ in der Abteilung „NaturSchau!“ den Bogenschießstand.

Gemeinsam mit anderen vom ansässigen Verein hat er verschieden schwierige Ziele aufgebaut: einige Zielscheiben auf Schaumstoff, rund zwölf Meter von dem Seil entfernt, das im Gras liegend den Abstand vorgibt. Außerdem lebensgroße, wetterfeste Waldbewohner wie Rehbock, Hirsch, Bär, Wildschwein, Dachs, Hase. Letzterer ist klein und damit schwer zu treffen. „Wir mussten heute noch mal aufbauen, ein paar Tiere hat uns der Föhn davongeblasen“, erzählt jemand vom Team.

Metall-, Holz- und Langbogen. Wer seine Treffsicherheit unter Beweis stellen will, muss sich davor im Zelt anmelden. Einfach mal den Bogen abfeuern geht nicht. Zumal, weil die Sicherheit oberstes Gebot ist: „Beim Pfeile Holen immer zurückschauen, ob irgendwo ein Schütze steht, und wenn ihr die Pfeile rauszieht, darauf achten, dass niemand hinter euch ist“, weist Tschohl an. Die Bögen sind unterschiedlich gearbeitet und aus verschiedenen Materialien. Thomas Knödler, der außerdem einen entsprechenden Shop betreibt, schaut die Bögen durch, wählt seinen: „Metall liegt kalt in der Hand. Holz ist Holz. Ich selber schieße Langbogen.“ Sagt’s, legt an, zielt und schießt den Bären gleich zwei Mal in die ewigen Jagdgründe. Selbstredend steht er dabei nicht am Seil, sondern deutlich weiter hinten. Er geht auch auf Europa- und Weltmeisterschaften. „Da schießt du dann vier Tage lang sechs Stunden am Stück. Dafür musst du Ausdauertraining und vor allem auch mentales Training machen, sonst hältst du nicht durch“, erzählt Thomas Knödler. Ein Besucher versucht sich als Schütze. „Fast daneben“, kommentiert sein Begleiter ironisch.

Heißes Eisen. Nicht daneben, sondern genau in die Augen gerät derweil Rauch, welcher bei Schlossermeister Stefan Klien nebenan als Abfallprodukt entsteht. Mit der Rechten, die in einem dicken Lederhandschuh steckt, kurbelt er ein Gebläse an. Dank diesem beginnt das Feuer in der Schale zu flackern und zu lodern. Der Schmiedekoks erhitzt die Stahlstange, die Klien mit der Linken hineinhält. Es braucht ein paar Minuten, bis die Stange hellrot bis gelb glüht, „dann hat der Stahl eine Temperatur von 800 bis 1100 Grad“, erklärt der Schlosser. Er nimmt das Metallstück aus dem Feuer und legt es nebenan auf den Amboss. Jetzt arbeitet er rasch, jeder Handgriff muss sitzen, denn allzu schnell kühlt die Stange wieder ab, bis diese nach wenigen Schlägen zu kalt geworden ist, um mit Handkraft verformt zu werden. Das Spiel beginnt von vorn. „Warmmachen, schlagen. Warmmachen, schlagen, das ist der Rhythmus. Heiß gibt es beim Schmied nicht, denn heiß bedeutet in Folge, das Material ist kaputt.“

Wieder kreist die rechte Hand am Griff der Gebläsekurbel, hält die linke das Metall in die Kohlen. Ein Wanderschmied, erklärt Stefan Klien, schmiedet sich stets zuerst sein Werkzeug selbst. Es an jeden Ort mitzunehmen, wäre aufgrund der Menge und des Gewichts nicht möglich. Normalerweise arbeitet Klien drinnen, mit einem Gasofen. Heute aber ist er Wanderschmied auf der Messe und schmiedet also zuerst eine Feuerkratze. „Damit kann ich zum Beispiel den Kohlehaufen auflockern“, sagt er, während er das glühende Stahlstück geschickt um 90 Grad biegt. Ebenso wie die Experten vom Schießstand ist er im Sommer beim sogenannten „BowCamp“ in Klösterle dabei, um 10- bis 16-Jährigen acht Tage lang die Natur und ein ursprünglicheres Leben nahezubringen.

Drahtseilakt mit Wolle. Mit von der Partie sind auch Patrick Lekudere und Paul Mittler. Sie zeigen dem neugierigen Publikum der Frühjahrsmesse, wie früher Wolle gefärbt wurde. „Zunächst einmal muss sie geputzt und gewaschen werden, dann kommt sie in die Zuber mit den natürlichen Färbemitteln.“

Die beiden jungen Männer haben verschiedene bis zum Rand gefüllte Wannen und ein offenes Feuer vor sich, über dem sie das Wasser erhitzen können. „Die richtige Temperatur hinzubekommen, ist dabei ein gewisser Drahtseilakt. Wir erhitzen das Wasser und gießen dann kaltes dazu. Am Ende sollte es etwas wärmer als handwarm sein. Das hier ist zum Beispiel zu heiß“, sagt er, an seinen Kompagnon gewandt. Ob das der Grund dafür ist, dass die weiße Wolle das Rot der Randigknolle nicht richtig annimmt? Wohl eher nicht. „Mit Krappwurzel ging es besser“, bestätigt Patrick Lekudere und zeigt das orangerote Ergebnis. Gekämmt wird die Wolle, welche von Vorarlberger Schafen stammt, mit speziellen Kämmen. Kinder haben diese beim Sommercamp im vergangenen Jahr aus Brettchen und Nägeln gefertigt. „Die Schafe leben währenddessen auch im Camp“, berichten die zwei. Und während am nächsten Stand das Mittag­essen der beiden jungen Männer brutzelt, Messewürste auf einem besonderen Aufbau aus Holz, Lehm, einer Eisenplatte und glühenden Holzkohlen, warten sie darauf, dass das Wasser im Randigtopf abkühlt.

Offensichtlich ein entschleunigter Messeauftakt. „Wir brauchen hier keinen Menschenauflauf. Wir machen ,work in progress‘ und nehmen es, wie es kommt. Wir sind mit wenig zufrieden.“ Eine gute Voraussetzung für tatsächliche Zufriedenheit – und einen gelungenen Messetag.

<p class="caption">Wolle färben wie damals.</p>

Wolle färben wie damals.

<p class="caption">„Wanderschmied“ Stefan Klien schmiedet stets ­zuerst sein Werkzeug.</p>

„Wanderschmied“ Stefan Klien schmiedet stets ­zuerst sein Werkzeug.

<p class="caption">Der Stahl braucht zum Schmieden Temperaturen von 800 bis 1100 Grad.</p>

Der Stahl braucht zum Schmieden Temperaturen von 800 bis 1100 Grad.

5. „Schau!“

Die Vorarlberger Frühjahrs­messe bis Sonntag, 8. April 2018

Schauplätze: Freizeit, Mobilität, Garten, Genuss, Wohnen

Highlights: Vierländergarten, Bauernwelten, Go-Kart-Bahn, Yoga-Bühne, Street Food, ­Kreativschau

Programm: AK-Buchschau, Naturschau, Junge Halle, Genuss-Bühne

Klassiker: Modeschau, Burgenlandhalle, Kinder-Ländle, Radlertreff

Öffnungszeiten:
10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 9 Euro, Jugendliche (15 bis 18 Jahre) 7,50 Euro, Senioren 7,50 Euro, Kinder (6 bis 14 Jahre) 4 Euro Ermäßigungen mit Hyperwordl-Card, 360-Card und Vorarlberger Familienpass

Gratis An- und Abreise mit Bus und Bahn aus ganz Vor­arlberg

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