Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Das Streben nach ­bewusster Inkompetenz

Bundesminister Heinz Faßmann ist gerne in Vorarlberg. Mit Landeshauptmann Markus Wallner hat er „Briefkontakt“ in Sachen FH-Finanzierung.

Bundesminister Heinz Faßmann ist gerne in Vorarlberg. Mit Landeshauptmann Markus Wallner hat er „Briefkontakt“ in Sachen FH-Finanzierung.

Zum „Schau!“-Em­pfang wurde am Freitag geladen. Das Thema Digitalisierung dominierte die Gastreden. Auf der Messe selbst gibt es viele Schwerpunkte abseits von Smartphones, Tab­lets und Co.

So mancher Besucher mag sich wohl gewundert haben. Es war ein unübliches Datum für die „offizielle Eröffnung“ der Frühjahrsmesse. Grundsätzlich ging diese in der Vergangenheit am Donnerstag über die Bühne. Nicht so geschehen heuer. Der Empfang mit den Ehrengästen wurde auf den Freitagvormittag terminisiert. So könnten die Besucher doch gleich die Arbeitswoche ausklingen lassen, lautete die Erklärung vonseiten der Verantwortlichen.

Vor genau einem Jahr hatte Sabine Tichy-Treimel an gleicher Stelle Premiere als neue Messe-Chefin. Gemeinsam mit Aufsichtsratsvorsitzendem Otto-G. Mäser gewährte sie einen Einblick in den Messe-Kalender. „Nur noch einzelne Tage, Abende oder Wochenenden sind verfügbar“, berichtete ­Tichy-Treimel. 13 Messen und fünf Konzerte seien für 2018 notiert.

Bei der diesjährigen „Schau!“ wollen die Verantwortlichen nicht nur vielerlei Interessen abdecken, sondern auch Besuchern jeden Alters etwas bieten. So mögen zwar die Themen Digitalisierung und Medien (YouTuber, digitale Schnitzeljäger, Blogger) im Vordergrund stehen, den analogen Gegenspielern (Bogenschützen, Schmiede, Töpfer-Meister) wird im Rahmen der Messe ebenfalls eine Plattform gegeben. Und diese Gegensätze schließen einander nicht aus. Ganz im Gegenteil. Wirtschaftskammer-Präsident und Hotelier Hans-Peter Metzler brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Analog und Digital sind Geschwister. Eine solche Verbindung hat Zukunft.“ Er geht davon aus, dass in Zukunft das Bedürfnis nach persönlichem Austausch größer werden wird. Veranstaltungen wie die Messe sind aus seiner Sicht dann die passende Verknüpfung von beidem.

Inkompetenz. Trotzdem würde sich die Menschheit aktuell in einer der größten Transformationen überhaupt befinden. „Digitalisierung ist eine Metapher für Veränderungsprozesse“, formulierte es Metzler. Und dass nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft von diesem Wandel betroffen sei, stehe außer Frage. Wichtig sei, sich den Themen zu stellen und nicht ängstlich zu sein. Die Menschen müssten sich von „unbewusster zur bewussten Inkompetenz“ weiterentwickeln. „Vielen ist nicht bewusst, was sie alles nicht wissen. Ziel ist es also, zu begreifen, dass man nichts weiß“, versuchte er sich in einer Erklärung. Erst dann entstehe der „Hunger“ nach Informationen. Und ebenso das Gespür dafür, was komme. „Und das kommt in einer exponenziellen Geschwindigkeit und Komplexität. Da müssen wir uns warm anziehen“, warnte er. Er sei jedenfalls ein Freund davon, Dinge anzupacken. Und die „Digitale Agenda für Vorarlberg“ endlich mit Leben zu füllen.

„Digitalisierung umfasst quasi alles und jeder versteht etwas anderes darunter“, pflichtete Bürgermeisterin Andrea Kaufmann bei. Es gehe nicht darum, ständig neue Dinge „anzuleiern“, sondern vielmehr darum, Strategien zu entwickeln. Vorhaben zu bündeln und umzusetzen. Weit über die Infrastruktur hinaus.

Bekanntes Motto. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft durch den Wandel Arbeitsplätze wegfallen, aber auch neue dazukommen. „Es braucht also dementsprechende Kompetenzen“, betonte Landeshauptmann Markus Wallner beim „Schau!“-Empfang. Bildung sei – wie so oft – der Schlüsselbegriff. Momentan ist Bundesminister Heinz Faßmann der Mann, der die Richtung in Sachen Bildung vorgibt. Der ehemalige Universitätsprofessor wurde vor drei Wochen und 14 Tagen angelobt. Für das Amt des Bildungsministers habe er – obwohl oder gerade weil er zur Gruppe 60 plus gehöre – sein „freies Leben aufgegeben“, scherzte er. Aber so sei es immerhin zu diesem erfreulichen Gastspiel in Vorarl­berg gekommen. Was er denn am Westen Österreichs schätze? „Die freien, dynamischen Bürger und fehlendes aristokratisches Gehabe“, streute er Blumen. Er habe jedenfalls, wie nicht anders erwartet, einen guten Eindruck von Vorarlberg. Fast schien es, als hätte sich Faßmann sogar bei seinem Motto an hiesigen Lokalpolitikern orientiert. „No one left behind“, betonte er gleich mehrmals. Es sei also wichtig, gleiche Grundvoraussetzungen für Mädchen und Buben zu schaffen. Gleich welcher kultureller Herkunft, welchem finanziellen Hintergrund oder welcher sozialen Schicht. In Problemfällen müsse die Schule eben ausgleichend wirken. Kein Kind solle zurückgelassen werden, meinte er abschließend.

Neues Ende. Üblicherweise steht im Anschluss an die Auftritte der Gastredner die offizielle Eröffnung der Messe. Nun, in diesem Fall wurde die fünfte Frühjahrsmesse nicht eröffnet. Denn das war diese ja schon.

 Danielle Biedebach

<p class="caption">Bildungsminister Heinz Faßmann.  Steurer (5), Hartinger (8)</p>

Bildungsminister Heinz Faßmann.  Steurer (5), Hartinger (8)

<p class="caption">Der Aufsichtsratsvorsitzende der Messe, Otto-G. Mäser, und Geschäftsführerin Sabine Tichy-Treimel.</p>

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Messe, Otto-G. Mäser, und Geschäftsführerin Sabine Tichy-Treimel.

<p class="caption">Wirtschaftskammer-Präsident Hans-Peter Metzler und Bürgermeisterin Andrea Kaufmann sprachen über Digitalisierung.</p>

Wirtschaftskammer-Präsident Hans-Peter Metzler und Bürgermeisterin Andrea Kaufmann sprachen über Digitalisierung.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.