Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Ein Schildbürgerstreich in Lustenau?

Vogewosi plant Gebäude im Bereich der vorgesehenen S-18-Anschlussstelle „Lustenau Mitte“. Anbindung des IG Nord wäre dann Geschichte.

Von Günther Bitschnau

Seit Jahrzehnten wird in Vorarlberg über die Errichtung der Verbindungsstraße S 18 im unteren Rheintal zwischen dem hochrangigen Straßennetz in Vorarlberg und der Schweiz diskutiert. Zwischenzeitlich haben sich aus unzähligen Planungen, kostspieligen Vorverfahren und Prüfungen die sogenannten Z- und CP-Varianten als beste Möglichkeiten herauskristallisiert. Favorisiert wird sowohl vom Land als auch der Marktgemeinde Lustenau die Z-Variante zur Entlastung der verkehrsgeplagten Region.

Und jetzt kommt es: Ausgerechnet ein geplantes Sozialwohnbauprojekt der öffentlichen Wohnbaugesellschaft Vogewosi könnte eine der wichtigsten Anschlussstellen an die geplante S 18 in Lustenau verhindern. Konkret geht es um die in der Z-Variante vorgesehene Anschlussstelle „Lustenau Mitte“ im Bereich Zellgasse/Bruggerwiesen. Genau diese Anschlussstelle würde unter anderem der schon lange geforderten besseren Verkehrsanbindung des Industriegebietes Nord dienen. Wird das Vogewosi-Projekt in der geplanten Form umgesetzt, dann ist die Anschlussstelle Geschichte. Und im näheren Umfeld gibt es keine andere Anschlussvariante – wie Luftbilder zeigen.

Planungen fortgeschritten. Die Planungen zu dem Projekt mit dem Arbeitstitel „Bruggerwiesen“ sind weit fortgeschritten. Auf der Vogewosi-Internetseite wird es in der Rubrik „Wohnanlagen in Vorbereitung“ geführt. Eine der Redaktion vorliegende Planungsskizze zeigt vier größere Baukörper, mit denen das noch freie Grundstück an der Zellgasse mehr oder weniger zur Gänze erschlossen werden würde. Alexander Pixner, technischer Leiter der Wohnbaugesellschaft, bestätigte auf wpa-Anfrage das Bauvorhaben.

Vorgesehen sind gemäß Pixner vier Baukörper mit insgesamt 38 Wohnungen und einer größeren Kinderbetreuungseinrichtung. Derzeit laufe die Planungs- und Projektierungsphase. Nach einem allfälligen Baubescheid solle so rasch wie möglich mit der Bautätigkeit begonnen werden, sagte Pixner. Er erklärte in dem Zusammenhang, es sei der Vogewosi bekannt, dass es sich bei besagtem Grundstück an der Zellgasse um die geplante Anschlussstelle „Lustenau Mitte“ der Z-Variante der S 18 handle. Deshalb gebe es Gesprächen mit Verantwortlichen des Landes und der Marktgemeinde Lustenau, um dieses Problem zu lösen.

Fischer im Aufsichtsrat. Den Lustenauern ist das geplante Projekt bekannt. Dem Vernehmen nach existiert unter anderem eine Anmeldeliste für die geplante Kinderbetreuungseinrichtung. Ebenso gibt es bereits Anfragen von interessierten Mietern, zumal die Anlage als „Wohnen 600“-Projekt geplant ist. Also Wohnungen, die nicht mehr als 600 Euro pro Monat an Miete kosten sollen.

Das Pikante an der Sache: Ausgerechnet der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer, der sich wiederholt für die Z-Variante und die Lösung der Verkehrsproblematik in seiner Gemeinde ausgesprochen hat, gehört dem Vogewosi-Aufsichtsrat an. Nach vorliegenden Informationen hat Fischer dem Projekt in einer Aufsichtsratssitzung zugestimmt. Gleichzeitig ist Fischer die obers­te Baubehörde der Gemeinde. Er dürfte über diese Planungen also vollumfänglich informiert sein.

Knackpunkt. Auf Anfrage sagte Kurt Fischer, dass diese geplante Grundstücksbebauung tatsächlich „ein Knackpunkt“ in den Planungen für die Anschlussstelle „Lustenau Mitte“ sei. Als Baubehörde könne er so einen Neubau nur schwer verhindern. Man müsse in dem Fall froh sein, dass Eigentümer die mehrheitlich in Landesbesitz stehende Vogewosi sei und da noch verhandelt werden könne. „Wir wollen auf alle Fälle eine Lösung, welche die Anschlussstelle an die geplante S 18 nicht verhindert.“ Allerdings sei dann auch die Frage zu stellen, was mit dem Grundstück passiere, das möglicherweise die nächsten 10 bis 15 Jahre weiter unbebaut sein würde.

Wie es allerdings überhaupt so weit kommen konnte, dass genau an dieser Stelle ein quasi einreichungsfähiges Projekt der Vogewosi entwickelt wird, bleibt unbeantwortet.

Problem bekannt. Klartext spricht in diesem Zusammenhang Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser. „Das Problem ist vor wenigen Wochen auf meinem Schreibtisch gelandet. Das kann es doch wirklich nicht sein, dass die Vogewosi ausgerechnet genau dort ein Projekt errichten will, wo nach vielen Jahren der Planung eine wichtige Anschlussstelle an die S 18 vorgesehen ist. Im weiteren Umfeld gibt es da keine andere Möglichkeit. Das wäre dann wohl wirklich ein Schildbürgerstreich, weil ja auch das wichtige Industriegebiet Nord nicht angeschlossen werden könnte.“

In Kürze gebe es eine Besprechung, um gemeinsam eine Lösung für dieses Problem zu suchen. Möglich wären eine Reduzierung des Bauprojektes oder die Errichtung auf einem anderen Grundstück, sofern das Bauvorhaben die Anschlussstelle tatsächlich unmöglich mache. „Jedenfalls kann es keine Lösung auf Kosten der Vogewosi geben.“ Dass die Vogewosi das Projekt durchdrücken werden wolle, glaubt Rüdisser nicht und verweist auf den 75-prozentigen Anteil des Landes am gemeinnützigen Wohnbauträger.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.