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Fußball-WM:Plädoyer für Deutschland

Die Tatsache, dass Deutschland – immerhin ja der amtierende Weltmeister – bei der Fußball-WM ausgeschieden ist, wäre mir an sich keine Zeile wert. Aber mehrere Sätze möchte und muss ich über die Tatsache verlieren, wie groß die Schadenfreude darüber ist. Klar, Bescheidenheit ist bei den Fußball-Reportern unseres Nachbarlandes nicht immer die allererste Eigenschaft. Aber wenn wir ehrlich sind: Auch die Erfolge von Marcel Hirscher werden von den heimischen Kommentatoren nicht gerade mit mönchischer Demut und Zurückhaltung kommentiert. Man stelle sich nun vor, die deutsche Presse und die gesamte Bevölkerung des von sehr vielen Menschen bewohnten Nachbarlandes würden sich tierisch darüber freuen, wenn unser Technik-Ass bei sämtlichen Olympia-Bewerben ausgeschieden wäre. Tun sie aber nicht, denn auch wenn man Vorbehalte gegen den großen Bruder im Norden hegen mag, wage ich nach sechs Jahren in Hamburg zu behaupten: Die Deutschen sind, nicht zuletzt ihrer Geschichte wegen, im Allgemeinen fairer, gelassener und hinterfragender als die Menschen anderer europäischer Nationen.

Warum also die Bosheit gegenüber jenem Staat, der mit Abstand die meisten Gelder in den EU-Topf einzahlt, am weitaus meisten Flüchtlinge aufgenommen hat und den europäischen Wirtschaftsmotor nach der Finanzkrise quasi im Alleingang am Laufen hielt? Die Antwort ist eine einfache: Neid, die vielleicht schlimms­te der so genannten „sieben Todsünden“. Dank ihrer Disziplin sind die Deutschen in eben fast allen Disziplinen erfolgreich, und legere Italiener, verbissene Engländer, (vormals) leichtfertige Griechen und vor allem die notorisch raunzenden Österreicher können und wollen das nicht mehr sehen und hören. Wobei das Aus bei der WM das derzeit kleinere Problem der Teutonen ist, steht doch auch die Politik des Landes vor einer Zerreißprobe. Man mag ja über Merkels Flüchtlingspolitik denken, wie man will; Tatsache ist, dass sie diese Willkommenskultur gepflegt hat, was – bei allen Problemen – schon weitaus sympathischer ist als die Orban’sche Stacheldraht-Politik. Dass die Bayern nun aus Angst vor der kommenden Landtagswahl und der AfD wegen eines Pipifax-Paragrafen die Koalition sprengen wollen (und wohl werden), ist bedeutend schlimmer als schlechte Pässe von Toni Kroos oder Thomas Müller. Denn sollte Deutschland instabil werden und noch weiter nach rechts rücken, merken das die unmittelbaren Nachbarn zuerst und die Hochkonjunktur ist Geschichte. Aber zumindest hätten wir dann einmal mehr einen Grund, über die ……………….. (hier ein böses Wort Ihrer Wahl einsetzen) Deutschen zu schimpfen.

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. raimund.jaeger@russmedia.com

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