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vorarlberger der woche

Kein leichter Abschied vom Sunnahof

Lampert wird eine Managementaufgabe übernehmen.  Hartinger (2)

Lampert wird eine Managementaufgabe übernehmen.  Hartinger (2)

Nach 27 Jahren bei der Lebenshilfe und 16 Jahren am Sunnahof in Tufers wechselt Geschäftsführer Thomas Lampert (46) in eine ganz andere Branche.

Von Sonja Schlingensiepen

Als Thomas Lampert vor 27 Jahren seinen Zivildienst bei der Lebenshilfe begann, war er nicht besonders glücklich. „Damals durften Zivildiener einen Wunsch äußern, wo sie eingesetzt werden wollen. Ich hatte das Rote Kreuz angegeben und war etwas enttäuscht darüber, dass es die Lebenshilfe geworden war.“ In Sulz sollte der gelernte Tischler Menschen mit Beeinträchtigung in der Berufslernwerkstätte unterstützen.

Heute ist der 46-Jährige glücklich, dass sich damals die Chance aufgetan hat, mit diesen besonderen Menschen zu arbeiten. „Hätte ich beim Roten Kreuz angefangen, wäre mein Berufsleben sicher anders verlaufen. Im Leben passieren gewisse Dinge, die genau so passieren müssen, damit es gut wird.“

Gut verlief der Start im Februar 1991 als Zivi in der Berufslernwerkstätte der Lebenshilfe. „Und je näher das Ende des Zivildienstes rückte, desto weniger wollte ich die Einrichtung verlassen“, berichtet er von der damaligen Zeit. Ein Angebot, im Anschluss als Mitarbeiter weiter bei der Lebenshilfe tätig zu sein, habe er deshalb sofort angenommen. Im Laufe der darauffolgenden Jahre war er unter anderem für den Aufbau und die Leitung einer neuen Fachwerkstätte in Feldkirch tätig. Ende 1999 wechselte er als Projektleiter in die Geschäftsstelle nach Götzis.

Den Job als Geschäftsführer des Sunnahofs in Göfis übernahm er mit 1. Jänner 2002. „Die Arbeit hat mir bis heute sehr viel Spaß gemacht und das Abschiednehmen wird sicher eine emotionale Herausforderung werden.“ Die Entscheidung, dem Sunnahof nach 16 Jahren den Rücken zu kehren, sei ihm nicht leicht gefallen. Im Dezember habe er ein Jobangebot bekommen. Dieses habe er nicht gleich abgelehnt, sondern lange überlegt, wie denn seine berufliche Zukunft aussehen soll. „Am Sunnahof habe ich alle Ziele erreicht. Das Alltagsgeschäft läuft gut ohne mich, das Team ist perfekt. Deshalb denke ich, dass ­dies der richtige Zeitpunkt ist, die Agenden zu übergeben und die Verantwortung in andere Hände zu legen.“

Andere Branche. Nach einem längeren Urlaub wird der 46-Jährige dann ab Mitte August in einer komplett anderen Branche tätig sein – er übernimmt eine Managementaufgabe beim Landtechnikanbieter BayWa Lamag Technik mit Sitz in Frastanz, Lustenau und Hittisau. „Ich hoffe, dass ich die neuen Aufgaben erfolgreich bewältigen werde“, sagt er. Als Rüstzeug bringe er jedenfalls viele Erfahrungen in Sachen Netzwerken und natürlich bei der Mitarbeiterführung mit.

Letzter Arbeitstag. Am morgigen Sonntag wird Lamperts letzter Arbeitstag bei der Lebenshilfe sein. Auf der Alpe Müsel im Dornbirner Firstgebiet steht eine Messe mit Kreuzsegnung und anschließendem Fest auf dem Programm. Seit zehn Jahren wird die Alpe durch den Sunnahof bewirtschaftet.

Dankbar blickt der Geschäftsführer auf die vergangenen 16 Jahre zurück: „Die Mitglieder des Vorstandes der Lebenshilfe haben mir immer sehr viel Vertrauen geschenkt, sodass es möglich gewesen war, viel zu bewegen.“ Im Laufe der Jahre hätte sich der Sunnahof zu einer Einrichtung entwickelt, in der Top-Produkte hergestellt würden. „Das gesamte Team hat maßgeblich dazu beigetragen. Und die Konsumenten kommen nicht zu uns, um ihr soziales Gewissen zu befriedigen, sondern weil sie Qualitätsprodukte wollen“, ist Lampert überzeugt. Wenn die Beschäftigten dies bemerken, wäre dies immer wieder ein unglaubliches Erfolgserlebnis und würde sehr zur Steigerung des Selbstwertgefühls beitragen.

Auf dem Gelände der Lebenshilfe im Göfner Ortsteil Tufers befindet sich neben einem Wohnhaus eine Gärtnerei, ein landwirtschaftlicher Biobetrieb und eine Tischlerei. Zwölf Menschen mit Beeinträchtigung sind in der Gärtnerei beschäftigt. Gartenpflege und -gestaltung zählen zu den Dienstleistungen. Im angrenzenden Hofladen können Pflanzen, Kräuter und Setzlinge erworben werden.

Größere Auswahl. Die weit größere Auswahl des Hofladens wird im eigenen Biobetrieb produziert. Rinder, Ochsen, Ziegen, Schweine, Hühner und Bienen gibt es am Sunnahof. Biofleisch sowie verschiedene Milchprodukte werden aber nicht nur in Tufers, sondern auch von verschiedenen externen Partnern vertrieben.

Besondere Menschen. Es sind nicht die zahlreichen Angebote oder die gewachsenen Strukturen, die Lampert hervorhebt, wenn er auf sein Wirken blickt. Gefragt, worauf er nach all den Jahren als Verantwortlicher des Sunnahofs besonders stolz ist, antwortet der Geschäftsführer: „Darauf, dass ich besondere Menschen begleiten durfte – jene Frauen und Männer, die sonst nicht so viele Chancen im Leben haben.“ Und darauf, dass es gelungen sei, einigen dieser Menschen integrative Arbeitsplätze zu vermitteln. Dass einige in einer eigenen Wohnung leben könnten und nur mehr stundenweise Betreuung benötigten.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt dennoch, denn ein Projekt konnte Lampert nicht zu Ende führen. „Im Zusammenhang mit der Ausbildungspflicht bis 18 Jahre hatte ich mich in den vergangenen Jahren darum bemüht, dass die Sunnahöfler eine Teillehre im landwirtschaftlichen Betrieb oder in der Gärtnerei absolvieren können.“ Verschiedene Ämter und Behörden seien involviert, ein positiver Abschluss wurde aber noch nicht erzielt. Aber vielleicht erreiche es ja seine Nachfolgerin, dass Menschen mit Beeinträchtigung noch mehr Kompetenzen am Sunnahof erwerben könnten.

Gast und Kunde. Einen Monat lang habe er mit seiner Nachfolgerin Gülsevin Akyokus zusammengearbeitet. Nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer werde er in nächster Zeit nicht allzu oft zu Besuch am Sunna­hof sein. „Meine Nachfolgerin soll Raum und Zeit haben, ihre Vorstellungen umzusetzen, ihre Ideen einzubringen.“ Für ihn gelte es, Abstand zu gewinnen, denn noch würde er sehr am Unternehmen hängen. „Später werde ich aber sicher gerne als Gast und Kunde zurückkehren.“

<p class="caption">Im April 2010 wurde am Sunnahof das zehnjährige Bestehen gefeiert.  Archiv (2)</p>

Im April 2010 wurde am Sunnahof das zehnjährige Bestehen gefeiert.
 Archiv (2)

<p class="caption">Einen Monat lang arbeiteten Geschäftsführer Thomas Lampert und seine Nachfolgerin Gülsevin Akyokus Hand in Hand.</p>

Einen Monat lang arbeiteten Geschäftsführer Thomas Lampert und seine Nachfolgerin Gülsevin Akyokus Hand in Hand.

„Ich bin stolz darauf, dass ich so viele besondere Menschen begleiten durfte – jene Frauen und Männer, die sonst nicht so viele Chancen im Leben hatten. “

Thomas Lampert, Geschäftsführer Sunnahof
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