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Nach wie vor auf Hilfe angewiesen

Unterernährung und Mangelerscheinungen sind ein Problem. Caritas (3)

Unterernährung und Mangelerscheinungen sind ein Problem. Caritas (3)

Zwei Jahre lang haben die Menschen in der Region Borana in Äthiopien unter einer Dürre gelitten. Im vergangenen September hat es endlich wieder geregnet. Die Krise ist jedoch noch nicht überwunden.

Von Michael Steinlechner

Jedes dritte Kind in Afrika ist chronisch unterernährt. Das berichten die Verantwortlichen der Caritas. Aus diesem Grund wird in den kommenden Wochen österreichweit die „Hungerkampagne 2018“ durchgeführt. Dabei werden Spenden gesammelt, um rund 150.000 Mädchen und Buben vor Hunger zu bewahren. Seitens der Caritas Vorarlberg werden Projekte in Äthiopien und Mosambik unterstützt.

Michael Zündel, zuständig für alle Bildungsprojekte der Auslandshilfe, ist erst vor Kurzem aus Afrika zurückgekehrt. Zwei Wochen hat er in Äthiopien verbracht, um sich über die Lage zu informieren. Beispielsweise war er in Borana, wo zwei Jahre lang Dürre herrschte, ehe im vergangenen September erstmals wieder Regen gefallen ist. Im Frühjahr 2017 wurde von der Caritas ein Nothilfeprogramm gestartet. Damals war auch Zündel vor Ort.

Die Bewohner von Borana leben meist als Semi-Nomaden und halten Vieh. „Ein Großteil der Tiere ist durch die Trockenheit verendet. Damit ging auch die Lebensgrundlage für die Menschen verloren“, berichtet der Caritas-Helfer. Die Regierung habe dann ein rudimentäres Lebensmittelprogramm gestartet. Den von der Dürre Betroffenen sei damit zumindest das Überleben gesichert worden. Allerdings hätten viele unter Mangelerscheinungen gelitten. Für die Vertreter der NGO sei daher klar gewesen, dass es zusätzliche Unterstützung braucht. Diese sollte einerseits die akute Not lindern und andererseits nachhaltige Hilfe bieten.

Nachhaltige Projekte. Aus diesem Grund wurde ein „Cash for Work“-Programm („Geld für Arbeit“) gestartet. Auf diese Weise sollten die Menschen in der Region Geld verdienen können, um sich Lebensmittel zu kaufen und die Dürreperiode zu überstehen. Die Projekte, bei denen sie zum Einsatz kamen, waren dagegen auf die Zukunft ausgerichtet. Durch die Arbeit sollte für die Zeit nach der Trockenheit und weiter darüber hinaus vorgesorgt werden. So wurden beispielsweise Wasserauffangbecken ausgehoben. Diese waren dafür gedacht, bei den nächsten Regenfällen möglichst viel vom kühlen Nass zu speichern. Weiters wurden Flurbereinigungsprojekte umgesetzt, bei denen verwaldete und zugewucherte Gebiete wieder zugänglich gemacht wurden. Und zuletzt wurden Maßnahmen gegen die zunehmende Bodenerosion gesetzt.

Wie schwierig die Dürrezeit für die Bevölkerung war, verdeutlicht Zündel mit einer Erzählung. Vor einem Jahr war er bei der Familie von Bati Alkamo. Die alleinerziehende Mutter hat fünf Kinder und musste aufgrund der Trockenheit stundenlange Wege auf sich nehmen, um ihre Familie mit Wasser zu versorgen. Ihre älteste Tochter konnte dadurch nicht mehr in die Schule gehen. Denn die Zehnjährige musste sich um ihre Geschwister kümmern. Dazu versorgte sie auch ein kleines Kälbchen, das der Familie noch geblieben war.

Bei der jüngsten Reise nach Äthiopien hat Zündel Bati Alkamo und ihre Kinder erneut besucht. Die Mutter muss mittlerweile nicht mehr kilometerweit zum Wasserholen gehen. Ihre nunmehr elfjährige Tochter kann also wieder in die Schule gehen. Das Kälbchen hat die Dürre jedoch nicht überlebt. Die Familie hat also kein eigenes Vieh mehr. Von Verwandten hat sich die Mutter jedoch zwei Ziegen ausgeliehen. Diese geben Milch für die Kinder und haben sogar schon Nachwuchs bekommen.

Engagement fortführen. Bati Alkamo hat auch am „Cash for Work“-Programm teilgenommen. Auf diese Weise sei es möglich gewesen, ihre Kinder mit dem Notwendigsten zu versorgen, erzählt der Caritas-Helfer. Aus seiner Sicht hat sich die Intervention der NGO „sehr bewährt“. Allerdings benötigen die Menschen in Borana auch nach Ende der Dürre weiterhin Unterstützung. „Die Gegend hat zwar ein völlig anderes Erscheinungsbild als noch vor einem Jahr – alles ist grün. Die Krise ist aber noch nicht überwunden“, sagt Zündel. So gibt es beispielsweise zu wenig Milch zur Versorgung der Kinder. Denn das Vieh, welches die Dürre überlebt hat, ist in einem gesundheitlich schlechten Zustand. Es bestehe die Gefahr, dass Hilfsmaßnahmen der Regierung zurückgefahren werden, meint der Caritas-Experte. Deswegen werde das Engagement der NGO weiter fortgeführt.

Stammeskonflikt. Das gilt auch für die zweite Krisenregion in Äthiopien, wo die Caritas aktiv ist. In dem Gebiet im Süden des Landes ist jedoch nicht die Trockenheit Schuld an der Misere. Vielmehr ist dort heuer im April ein Stammeskonflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen der Guji und Gedeo ausgebrochen. Rund 144.000 Menschen wurden aus ihrem Heim vertrieben. Sie haben Zuflucht in Flüchtlingscamps gefunden. In einer katholischen Missionsstation in Galcha sind ebenfalls über 1600 Frauen, Männer und Kinder untergebracht. Sie bekommen Unterstützung von der Caritas. Einerseits werden sie mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Andererseits erhalten sie auch Kleidung. Schließlich mussten sie ihre Häuser bei der Flucht nur mit den Dingen, die sie am Leib trugen, verlassen.

Friedensgespräche. Für eine Entspannung der Situation müssten die Menschen wieder in Frieden nebeneinander leben können, meint der Äthiopien-Kenner. Dafür seien Verhandlungen zwischen den Ältestenräten der Stämme erforderlich. Zündel rechnet damit, dass es ein halbes bis eineinhalb Jahre dauern könnte, ehe in der Region wieder Ruhe herrscht und die Menschen in ihre Heime zurückkehren können.

Für den Mitarbeiter der Auslandshilfe liegt der Fokus jedoch darauf, die Not der Bedürftigen zu lindern. Wenn dies – wie etwa im Fall der Familie von Bati Alkamo – gelingt, ist das für Zündel Motivation, sein Engagement fortzusetzen.

<p class="caption">Für Kinder gibt es aufgrund der Dürre zu wenig Milch.</p>

Für Kinder gibt es aufgrund der Dürre zu wenig Milch.

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