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Wenn der Unfall zur Schuldenfalle wird

Links: Die Infotafel am Walmendingerhorn. Peter Kopf, Christian Bernhard und Mario Amann (v.l.). Sicheres Vorarlberg

Links: Die Infotafel am Walmendingerhorn. Peter Kopf, Christian Bernhard und Mario Amann (v.l.).

 Sicheres Vorarlberg

Abgesehen von körperlichem und seelischem Leid kann ein Unfall auch finanzielle Folgen haben.

Von Rubina Bergauer

Herr M. ist 48 Jahre alt und war aufgrund eines Autounfalls einige Monate nicht arbeitsfähig. Nach dem Krankenstand wurde er von seinem Arbeitgeber gekündigt. Da Herr M. den Unfall verschuldet hatte, musste er für die Unfallkosten – auch jene des Unfallgegners – teils selbst aufkommen. Die Versicherung war weitgehend ausgestiegen. Durch den Verlust der Arbeit verlor Herr M. rund 40 Prozent seines früheren Einkommens. Er kann seither den Kredit, den er für sein Haus aufgenommen hat, nicht mehr bedienen. „Der Herr musste folglich sein Haus verkaufen, das Ganze ist schließlich auf einen Privatkonkurs hinausgelaufen“, berichtete Peter Kopf, Leiter der ifs-Schuldenberatung im Rahmen eines Mediengesprächs am Montag. Thema war sowohl der Jahresbericht von Sicheres Vorarlberg als auch der Zusammenhang von finanziellen Problemen und Unfällen. „Diesbezüglich ist es wichtig, so früh wie möglich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, betonte Kopf. Eine Anlaufstelle sei beispielsweise die ifs-Schuldenberatung, deren Angebot kostenlos ist.

Höheres Unfallrisiko. Doch nicht nur Unfälle führen zu finanziellen Problemen – wer Geldnöte hat ist anscheinend auch eher gefährdet zu verunfallen. Dies würden Statistiken und die Erfahrung aus dem Beratungsalltag der ifs belegen, sagte Kopf. „Wer finanzielle Probleme hat, ist weniger aufmerksam. Dadurch ist die Gefahr größer, dass etwas passiert.“ Im Jahr 2017 nannten 373 Klienten Unfall, Krankheit beziehungsweise Todesfall als Grund für ihre prekäre Situation. Kopf vermutet, dass die Dunkelziffer aber weitaus höher liegt. Besonders dramatisch seien selbstverschuldete Unfälle wie jener des eingangs erwähnten Herrn M., da es in solchen Fällen keine finanzielle Unterstützung, sondern mitunter noch Regressforderungen durch Versicherungen gebe, sagte der Fachmann.

Auch immer mehr Personen, die älter als 60 Jahre sind, würden sich an das Team der Schuldenberatung wenden. „Die Gründe dafür sind Kredite, die beim Pensionsantritt noch nicht abbezahlt sind, aber auch Scheidung und Trennung. Zudem ist die Gruppe der über 60-Jährigen erfahrungsgemäß einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt, was wiederum die Gefahr der Überschuldung steigen lässt“, erläuterte Peter Kopf.

Training für Senioren. Die demographische Entwicklung ist auch für die Experten bei Sicheres Vorarlberg ein wichtiges Thema. So werden nach einer aktuellen Statistik im Jahr 2020 bereits über 18.800 Personen in Vorarlberg über 80 Jahre alt sein. Das Bewegungsprogramm OTAGO, welches in Kooperation mit dem Mobilen Hilfsdienst umgesetzt wird, soll das Unfallrisiko dieser Gruppe senken. „Es handelt sich um ein strukturiertes Training, das auf den Erhalt der Selbstständigkeit von betagten Menschen abzielt“, erklärte Mario Amann, Geschäftsführer von Sicheres Vorarlberg.

Rund 31.400 Menschen verletzten sich 2017 im Ländle nach einem Unfall so schwer, dass sie in einem Spital behandelt werden mussten. Rund drei Viertel der Unfälle passieren im Haushalt sowie während dem Sport oder der Freizeit. Diese Bereiche stehen bei der Präventionsarbeit auch im Fokus von Sicheres Vorarlberg, versicherte der Geschäftsführer. Mit bewährten Programmen sowie neu initiierten Aktionen sei auch im vergangenen Jahr ein wirksames Maßnahmenpaket umgesetzt worden, sagte Amann. Insgesamt hätten 28.181 Personen aller Altersstufen an den verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Die Verantwortlichen von 83 heimischen Gemeinden waren 2017 an der Umsetzung des Angebots beteiligt.

Große Herausforderung. Die gesellschaftlichen Veränderungen sowie die schnelllebige Zeit und immer neue Formen im Freizeitverhalten würden auch neue Unfallrisiken hervorbringen. „Das macht die Prävention zu einer anspruchsvollen und langfristigen Aufgabe“, zeigte sich der Geschäftsführer von Sicheres Vorarlberg überzeugt. Ein Projekt der etwas anderen Art ist 2017 in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Gemeinde Mittelberg umgesetzt worden. „Die Mitglieder der Bergrettung Mittelberg-Hirschegg hatten einen Anstieg der Einsatzzahlen am Walmendingerhorn festgestellt. Deshalb wurde ein in Kooperation mit den Bergbahnen und dem Tourismusverband Kleinwalsertal eine besondere Informationstafel entworfen.“ Diese zeigt den Wanderern wieviel Stockwerke – immerhin 300 – bis zum Ziel noch zurückzulegen sind. „Die Idee entstand daraus, dass ja oft schon der Lift verwendet wird, wenn in einem Gebäude ein bis zwei Stockwerke zurückzulegen sind. Das Schild soll auf humorvolle Weise Wanderer zum Nachdenken bringen, ob sie dem konditionell gewachsen sind.“

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