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Neues Müllsystem noch nicht verinnerlicht

Seit Anfang des ­ Jahres gibt es in Bregenz das Abholsystem bei Leichtverpackungen und Altpapier. Bei der Umsetzung hapert es noch.

Von Mirijam Haller

Gelbe Säcke, randvoll mit Plastikmüll, türmen sich alle zwei Wochen in Bregenz. Besonders vor Einfahrten und Siedlungen ergibt sich dieses unschöne Bild häufig. Anfang des Jahres wurde in Bregenz für den Kunststoff- und Altpapiermüll das Holsystem eingeführt. Und obwohl dieses eine Verbesserung für die Bürgerinnen und Bürger sein soll, da es als kundenfreundlicher gilt, scheint es bei Teilen der Bevölkerung noch nicht richtig angekommen zu sein.

Problematisch. Die Gelben Säcke werden zwar alle zwei Wochen abgeholt, trotzdem ist die Situation gerade bei Mehrfamilienhäusern und Großwohnanlagen in vielen Fällen problematisch. Denn in Wohnungen besteht oft keine Möglichkeit, den vollen Gelben Sack in den eigenen vier Wänden unterzubringen. Die Folge: die Behältnisse häufen sich auf den Parkplätzen oder auf den Zufahrten lange vor dem eigentlichen Abholtermin.

Das neue Abholsystem sollte eigentlich die überfüllten Wertstoffsammelstellen, die für ein verunstaltetes Ortsbild gesorgt haben, ersetzen. Doch die Gelben Säcke sorgen ebenfalls nicht gerade für ein ästhetisches Stadtbild. Trotzdem liegen die Vorteile der neuen Strategie auf der Hand: Neben der Kundenfreundlichkeit ist es vor allem eine umweltfreundlichere Lösung. Denn damit der abgegebene Müll recycelt werden kann, ist es notwendig, diesen sortenrein zu sammeln. Dies war im vorherigen sogenannten Bringsystem nicht immer gewährleistet. Bei den Wertstoffsammelstellen, deren Zahl seither stark reduziert wurde, wurden Plastik beziehungsweise Altpapier des Öfteren gemischt mit anderem Müll entsorgt. Beim Abholsystem hingegen werden die transparenten Säcke gar nicht erst mitgenommen, sollte der Inhalt nicht richtig getrennt worden sein. „Ich, der Gelbe Sack, bin nur für saubere, restentleerte Verpackungsabfälle aus Kunststoffen und Materialverbunden gedacht“, steht auf der Plakette, die dann gemeinsam mit dem Gelben Sack zurückgelassen wird. Abgeholt werden die Behältnisse von Mitarbeitern der Stadt Bregenz im Auftrag der Firma Häusle GmbH. Dachfirma ist das Non-Profit-Unternehmen ARA AG (Altstoff Recycling Austria AG), bei welchem in Österreich Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfällen organisiert und finanziert werden.

Vor- und Nachteile. Obwohl die Gelben Säcke frühestens ab 19 Uhr des Vor­abends oder noch besser in der Früh bis spätestens sechs Uhr des Entsorgungstages zur Abholung bereitgestellt werden sollten, kommt es immer wieder zur eingangs beschriebenen Situation. Bernhard Fink, Leiter der Abteilung Bau und Planung Bregenz, in deren Zuständigkeit die Müllentsorgung der Stadt fällt, betont, dass jede Umstellung Vor- und Nachteile mit sich bringt: „In ganz Vorarl­berg wurde bereits vor etwa 10 bis 15 Jahren umgestellt, Bregenz wollte sich solidarisch verhalten. Aber Umstellungen brauchen eben auch Zeit.“

Doch wie könnte das Problem gelöst werden? Fink betont, dass vergangenes Jahr mit allen Hausverwaltungen Gespräche geführt worden seien. Es wurde darauf hingewiesen, dass im Jänner auf das Abholsystem umgestellt werde. Teilweise hätten die Hausverwaltungen reagiert und Platz für die Abfallsäcke geschaffen, in manchen Wohnsiedlungen würden diese aber augenscheinlich nicht genutzt. Fink verweist zudem auf die sogenannte „Littering“-Verordnung, die vergangenen Herbst in Kraft getreten ist. „Littering“ ist der englische Terminus für die Vermüllung in Folge des achtlosen Wegwerfens und Liegenlassens von Müll auf öffentlichem Grund. Das Landesgesetz ermöglicht es Gemeinden, Müllsünder mit Geldbußen zu bestrafen. „Darauf, was auf privatem Grund passiert, haben wir allerdings keinen Einfluss“, gibt Fink zu bedenken. Wichtig wäre es, die Bürger zu sensibilisieren, sich an den Abfuhrplan zu halten.

Stolz auf System. Schauplatzwechsel nach Feldkirch. Das Abholsystem gibt es hier schon seit vielen Jahren. Dementsprechend scheint es hier zwischen den Abholterminen zu keinen Häufungen von Gelben Säcken bei Wohnsiedlungen und öffentlichen Plätzen zu kommen. „Wir sind froh, dass wir dieses System haben. Trotzdem gibt es leider überall Menschen, die ihren Müll dort hinterlassen, wo er nicht hingehört“, sagt Marlene Thalhammer (Die Grünen), Stadträtin für Abfallwirtschaft und Umweltschutz in Feldkirch.

Bei der nächsten Stadtvertretungssitzung wollen die Verantwortlichen darüber hinaus eine „Littering“-Verordnung verabschieden. Im Zuge dessen soll für den Kampf gegen „Littering“ auch eigenes Personal rekrutiert werden, das besonders in der Innenstadt und bei den Müllinseln für Ordnung sorgt. Thalhammer betont, dass vor jedem Bau einer neuen Wohnanlage eine Besprechung mit den Zuständigen erfolge, um im Vorfeld zu klären, ob es genügend Platz für Müll gibt. „Wir bieten außerdem für Wohnanlagen Container, nicht nur für Altpapier, sondern für die Gelben Säcke an.“ Zudem können volle Säcke jederzeit beim Altstoffsammelzentrum abgegeben werden.

Müllsammelmengen

2017 sind in Vorarlberg 150.987 Haushalte an die Sacksammlung angeschlossen gewesen. Zudem gab es 391 Leichtverpackung-Sammelbehälter. Bei der Haushaltssammlung wurden insgesamt 10.998 Tonnen Leichtverpackungen und 30.770 Tonnen Altpapier gesammelt. Pro Kopf entspricht das bei Leichtverpackungen 28,3 Kilogramm, bei Altpapier 79,2 Kilogramm.

Weitere Informationen unter: https://www.ara.at/fileadmin/user_upload/ARA_Transparenzbericht_2018.pdf

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