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NEUE-serie – Teil 265

Anspruchsvolle Bergtour zur Stuttgarter Hütte

Blick von der Rauekopfscharte ins Lechtal. Kleines Foto: Steinböcke unter der Rüfispitze. Hertha Glück (3)

Blick von der Rauekopfscharte ins Lechtal. Kleines Foto: Steinböcke unter der Rüfispitze. Hertha Glück (3)

Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt Wege und Stege im Ländle. Diese Tour führt ab Zürs übers Pazüeltal zur Stuttgarter Hütte. Weiters dann über die Rauekopfscharte ins Ochsengümple und hinab zur Monzabonalpe.

Ab dem Parkplatz in Zürs am Arlberg, ein Ortsteil der Gemeinde Lech, hält sich der Wanderer in Richtung Christ-König-Kirche, zudem ist die Stuttgarter Hütte mit weiß-rot-weißer Markierung gut angeschrieben. Gleich nach der Lechüberquerung imponiert die Christ-König-Kirche.

Der Wanderer folgt der ordentlich ansteigenden Straße, die in leichten Serpentinen rasch an Höhe gewinnen lässt. Schaut man zurück, eröffnet sich eine schöne Ansicht von Zürs, dem Hauptfluss Lech und dem Flexenpass. Vom steilen Anstieg lenken die ersten Alpenblumen wie das Gefleckte Knabenkraut, Alpenschafgarbe, Alpenrosen und mehr ab.

Schon bei der Trittalpe wird es leichter und die Stuttgarter Hütte ist eine halbe Stunde nähergerückt. Geradeaus bleibend wird bald die Trittalpe, auf 1940 Höhenmeter liegend, erreicht. Ab da ist die Stuttgarter Hütte über das weitläufige Pazüeltal hinweg schon zu sehen. Die Versorgung dort oben erfolgt per Materialseilbahn.

Nun übernimmt ein Forstweg, der bald in der Talsohle in den Alpweg mündet, die Wegführung. Stets ist das nächs­te Anlaufziel, die Stuttgarter Hütte auf dem Krabachjoch, im Blick. Der Pazüelbach mäandert durch die Alpweiden und speist die Feuchtgebiete und nährt die Weiden. Schritt für Schritt rückt man dem Bachrauschen näher und schon nach kurzer Zeit wird der Wildbach über eine Holzbrücke gequert. Auf der anderen Talseite steigt man über die Bergflanke des Trittwangkopfes zum Krabachjoch auf. Das Pfeifen der Murmeltiere kündet den Eindringling an und manchmal kann sogar ein unvorsichtiges Jungtier gesichtet werden.

Noch ein leichter Anstieg geleitet in die Bergflanke der Rüfispitze und über den Wasserfall neigt sich der Alpweg wieder dem Krabachjoch zu. Genau an dieser Stelle sieht man die aus Steinen erbaute Kluppe im Talgrund, am Fuße der Erlispitze. Die Kluppe, die bei Gewitter die Tiere vor dem Unwetter schützt.

Nach zwei Stunden ist die Stuttgarter Hütte (2305 Meter Höhe) erreicht. Dies ist eine Vereinshütte der Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins in den Lechtaler Alpen, erbaut im Jahre 1910 und etwas südlich des Krabachjochs liegend. Über dieses verläuft die Grenze der Bundesländer Tirol und Vorarl­berg. Laut PeakFinder kann der Bergfreund von dieser imposanten Höhe aus 81 Bergspitzen ausmachen.

Zwischen den Jahreszeiten. Auf dem Krabachjoch in der Höhe von 2300 Metern stehend, blickt man zurück ins Pazüeltal und sieht gleichzeitig den weiteren Wegverlauf über die Rauekopfscharte in Richtung Rüfikopf. Der Naturfreund wandert zwischen den Jahreszeiten über Schneefelder und Steinwege am Fuße der Rüfispitze und der Gümpelspitze. Noch übers Schotter- und Schneefeld und die Rauekopfscharte mit 2518 Höhenmetern ist erklommen. Überraschend weit öffnet sich die Talmulde des Ochsengümple bis zum Anstieg der Rüfikopfbahn. Wenige Menschen nehmen diese Route, man fühlt sich mit der Natur vereint.

Der Weg muss ein wenig mit der Stein- und Stockmarkierung gesucht werden. Der nächste Wegweiser hilft mit dem Hinweis Zürs über Monzabon, und die Bergstation der Rüfikopfbahn lässt sich schon ausmachen. Auf der anderen Talseite erklimmt man nun das Monzabon-Joch (2250 m) und erblickt seltene Steinformationen. Dies lässt sich bald durch die Infotafel des Geowegs Rüfikopf ergründen: Denn unter den grünen Matten befinden sich die jüngsten Ablagerungen der Lechtaldecke: Kreideschiefer, der vor circa 100 Millionen Jahren in untermeerischen Schuttflächen gebildet wurde.

Nun geht es wieder mit einem anderen Blick hinunter zum Monzabonsee, zur Monzabon­alpe und schlussendlich nach Zürs. Den Bergwanderer erwartet eine wundervolle Alpwanderung durch das Gebiet der Monzabonalpe, die auf sanften Hängen unter der schroffen Rüfispitze liegt. Schon in fünf Minuten lockt der Monzabonsee zu einer ausgedehnten Rast und die Bergwelt imponiert. Nach dem Bergsee übernimmt ein Forstweg, der bald am Wildbach entlang hinab zur Monzabonalpe (1979 m) führt.

Natur genießen. Ab der Alpe übernimmt wieder die Straße. Der Wanderer schaut über die Pazüelmähder, den tosenden Wasserfall des Pazüelbaches und genießt die Natur am Anfang der Route. Eine Hüttenbibliothek in einer ehemaligen Heubarge und eine Tür mit Gucklöchern erheitern und lassen den steilen Aufstieg zur Trittalpe nahezu vergessen. Ab der Trittalpe ist der Rückweg über die Straßenserpentinen, die manchmal eine Abkürzung bieten, zum Ausgangspunkt der anspruchsvollen Bergwanderung bekannt.

<p class="caption">Blick von der Rauekopfscharte ins Lechtal. Kleines Foto: Steinböcke unter der Rüfispitze. Hertha Glück (3)</p>

Blick von der Rauekopfscharte ins Lechtal. Kleines Foto: Steinböcke unter der Rüfispitze. Hertha Glück (3)

Kurzbeschreibung

Besonderes: eine herrliche Bergwanderung über unberührte Talsenken und aussichtsreiche Bergkämme

Anforderung und Gehzeit: In gut fünfeinhalb Stunden werden 830 Höhenmeter auf- und wieder abwärts unter die Schuhe gelegt.

Tipp: Bei Schneefall und Gewitter Tour meiden. Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Weg-Charakter: Straße, Forstwege, Alpenwiesen, Steinpfade

Kultur und Natur: Zürs am Arlberg, Christ-König-Kirche, Trittalpe, Stuttgarter Hütte, Ochsengümple, Geoweg Rüfikopf, Monzabonalpe, Hüttenbibliothek

Anziehen und Mitnehmen: Bergschuhe, Wetterkleidung, eventuell Wanderstöcke, gefüllte Trinkflasche, Jause

Einkehrmöglichkeiten: Stuttgarter Hütte, Monzabonalpe

Start und Ende: Zürs am Arlberg, Parkplatz

Blumenkunde

Punktierter Enzian (Gentiana punctata): „Gentiana“ nach dem illyrischen König Genthios (etwa 500 v. Chr.), der eine Enzianart gegen die Pest empfahl. Der deutsche Name „Enzian“ ist davon früh entlehnt.

Vorkommen: subalpine und alpine Magerrasen, auf frischem, kalkarmen, sauren Böden. Alle ­Arten der Gattung geschützt!

Das Treiben in der Kluppe

Ungefähr in der Mitte des Zürstales ging früher am rechten Ufer des Zürser Baches ein rauher Viehtreibweg auf die schöne Hochalpe Monzabun. Dort soll es vor Altem nicht richtig gewesen sein und jetzt noch würden viele nicht um alles in der Welt dort übernachten. Neben der Hütte ist ein von mannshohen Mauern umgebener Hof, in dem das Vieh während der Nacht ausruht. Da kam es nicht selten vor, dass die ganze Herde um Mitternacht auf einmal im Kreise getrieben wurde und dann über die Mauern flog. Man nennt dies „das Treiben in der Kluppe“.

Tobias Wolf war in jungen Jahren einmal Schneeknecht auf Monzabun. In der Nacht, zwischen elf und zwölf, entstand auf dem Dache der Hütte ein sonderbarer Lärm, gerade als ob es hagelte. Im selben Augenblick begann das Treiben in der Kluppe. Alles drehte sich blitzschnell im Kreise, nur die Pferde standen still. Man sah es von der Hütte aus ganz deutlich, weil ein großes Wachfeuer in die Kluppe seinen Schein warf. Der Großhirte sprang sofort hinaus und es war höchste Zeit, denn schon flogen zwei Rinder im Bogen über die Mauer, was natürlicherweise nicht möglich war. Der Hirte brachte die kreisenden Tiere allmählich zum Stehen. Die zwei entkommenen Rinder fand man am folgenden Morgen in einem abgelegenen Winkel der Alpe mit blutigen Hörnern. Das Treiben in der Kluppe kam auch auf anderen Alpen vor; manche Hirten wussten ein gutes Gegenmittel.

Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Im Sagenwald, Richard Beitl, 1953, Nr. 416, S. 234, Rudolf Mayerhofer, Alpwandern in Vorarlberg, löwenzahn

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