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Aus dem Gerichtssaal

Hitzetod: „Man lässtkein Kind im Auto“

Jeweils Geldstrafe und bedingte Haftstrafe für Kindesmutter und deren Freund: 20 Monate alter Bub starb in überhitztem Auto.

Von Seff Dünser

Auch die Täter zählen zu den Opfern. Wegen ihrer Sorglosigkeit hat die Mutter ihren Sohn verloren und deren Freund einen Buben, der für ihn wie ein eigenes Kind war.

Richter Richard Gschwenter hat diese Umstände bei der Strafbemessung berücksich­tigt. Er verurteilte bei der ges­trigen Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch die 18-jährige Erstangeklagte zu einer bedingten Haftstrafe von vier Monaten und zu einer unbedingten Geldstrafe von 1000 Euro (250 Tagessätze zu je vier Euro). Über den 21-jährigen ­Zweitangeklagten wurde eine bedingte Haftstrafe von fünf Monaten und eine unbedingte Geldstrafe von 3600 Euro (300 Tagessätze zu je zwölf Euro) verhängt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Der Schuldspruch erfolgte wegen grob fahrlässiger Tötung. Dafür betrug die mögliche Höchststrafe für die Erstangeklagte, die zur Tatzeit mit 17 Jahren noch eine Jugendliche war, eineinhalb Jahre Haft und für den zur Tatzeit 20-jährigen jungen Erwachsenen drei Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht bei der Erstangeklagten acht Monaten Haft und beim ­Zweitangeklagten zehn Monaten. Die beiden Angeklagten müssen dem Vater des verstorbenen Kindes als Teiltrauerschmerzengeld vorerst 500 Euro bezahlen.

Die Angeklagten haben nach Ansicht des Richters am 15. August 2017 in Nenzing grob fahrlässig den Hitzetod des 20 Monate alten Manuel verur­sacht. Sie haben das Kleinkind nach ihrer Rückkehr aus der Steiermark ab 10.15 Uhr im Auto schlafen lassen, das zunächst im Schatten abgestellt war. Von 12 bis 17 Uhr war das Kind im Pkw des Zweitangeklagten, in dem das Beifahrerfenster ein Stück weit geöffnet war, aber bei sommerlichen Temperaturen der Sonne ausgesetzt. Der kleine Bub starb an einer Überhitzung seines Körpers.

Die übermüdeten Angeklagten sind in der Wohnung eingeschlafen und erst gegen 21.30 Uhr wieder aufgewacht. Sie fanden das Kind tot im Auto und befinden sich seither in psychiatrischer Behandlung. „Man lässt kein Kind im Auto“ allein zurück, sagte Richter Gschwenter in seiner Urteilsbegründung.

Erneut schwanger. Die Angeklagte war zusammen mit ihrem Freund in die Steiermark gefahren, um ihrer Mutter deren Enkel erstmals zu zeigen. Sie habe vorgehabt, ihren Sohn spätestens nach einer halben Stunde aus dem Auto zu holen, sagte die 18-Jährige. Sie hoffe, dass niemandem mehr passiere, was ihr passiert sei. Mittlerweile ist die Oberländerin wieder schwanger, in der 23. Woche.

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