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Lustenauer Urgestein begeht 80. Geburtstag

Wiff Alge im Kreise seiner Enkel (v.l.): Christina, Jonas, Laura und Benjamin. Klaus Hartinger

Wiff Alge im Kreise seiner Enkel (v.l.): Christina, Jonas, Laura und Benjamin.

 Klaus Hartinger

Im Laufe seines Lebens hat der Lustenauer Wiff Alge viele Herausforderungen gemeistert. Als seine Frau 1978 starb, wurde er zunächst zum alleinerziehenden Vater.

Von Sonja Schlingensiepen

Wer Wiff Alge etwas zum Geburtstag schenken will, der wird sich mit der Suche nach einem passenden Geschenk wohl etwas schwertun. Denn die Dinge, die er sich wünscht, gibt es in keinem Geschäft. Ganz oben auf der Wunschliste des gebürtigen Lustenauers stehen: Zeit mit der Familie verbringen und Gesundheit.

Wie wichtig Gesundheit ist, das wurde ihm vor zwei Jahren so richtig bewusst. Ein großer Tumor war zwischen Herz und Lunge gewachsen. Der damals 78-Jährige musste in Innsbruck operiert werden. „Die OP lief erfolgreich. Meine Frau und alle anderen Familienmitglieder haben dazugeschaut, dass ich wieder auf die Beine komme.“ Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn vor der OP konnte Wiff Alge kaum gehen und auch das Sprechen fiel ihm schwer.

Diese Herausforderung hat der Lustenauer also gemeistert – wie so manche andere in seinem Leben. 1961 hatte er seine erste Frau, die Dornbirnerin Marianne Hutter, geheiratet. Doch das gemeinsame Glück sollte nicht allzu lange dauern. 1978, im Alter von 40 Jahren, verstarb Marianne. Der Witwer musste das Leben als alleinerziehender Vater von drei Kindern im Alter von 10, 12 und 15 Jahren in den Griff bekommen, Beruf und Familie unter einen Hut bringen.

„Ich habe alle Aufgaben im Haushalt erledigt“, berichtet er heute rückblickend. Roswitha, sein zweite Frau, nickt zustimmend. „An der Bügelmaschine hat er sich besser geschlagen als ich“, sagt sie und lacht. Vier Jahre lang sollte es dauern, bis mit Roswitha Schneider wieder eine Frau im Hause war. Wiff Alge verliebte sich in die Bregenzerin, die einen Sohn in die 1982 geschlossene Ehe mitbrachte.

Viel Schönes. Heute, 36 Jahre später, blickt das Paar auf die gemeinsamen Zeiten und auf viele schöne Feste im Kreise ihrer Familie und Freunde zurück. Zum 50. Geburtstag des Hausherrn wurde sogar ein eigenes Festzelt für rund 120 Gäste angeschafft, das immer wieder zum Einsatz kommt. „Die Alges sind unheimlich gastfreundlich. Alles ist perfekt vorbereitet, jeder fühlt sich wohl“, sagt Richard Elsler, ein guter Freund der Familie. Auch die vier Kinder, zwei davon wohnen in nächster Nachbarschaft, die anderen in Hard, sind regelmäßig mit den Enkeln zu Besuch.

Bereits Wiffs Vater, Hermann Alge, war tief in Lustenau verwurzelt. Auch er war im Mühlefeld zu Hause, arbeitete 50 Jahre lang bei der Stickerei Hofer Bösch, zuletzt in der Geschäftsleitung. „Sommer wie Winter ist er mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ein Auto hatten wir nicht“, erinnert sich Wiff Alge. In Notfällen durfte sich die Familie ein Auto von der Gemeinde ausleihen. Dort war Hermann Alge viele Jahre lang Gemeinderat und Finanzreferent gewesen.

Größeres Interesse, ein politisches Amt zu bekleiden, hatte Wiff Alge hingegen nie. Zu den Hobbys des Jubilars zählte neben dem Jagen das Schnapsbrennen. In die Geheimnisse des Brennens hatte ihn sein Vater schon in frühen Jahren eingeweiht. „Schönes Obst, gute reife Ware – das macht einen guten Schnaps aus“, sagt Wiff Alge. Da traf es sich gut, dass er nach dem Besuch der Handelsschule in Lustenau im Obst-, Gemüse- und Nahrungsmittelhandel tätig war. Bei der Firma Wilhelm Grabher & Co. – später bekannt als Fruchtexpress, 11er Nahrungsmittel und Tiefkühlexpress – zeichnete er als Prokurist für die Finanz- und Personalbuchhaltung verantwortlich.

„Ab und zu ergab sich die Gelegenheit, Orangen aus Sizilien dazuzukaufen“, erzählt er. Ein paar Hundert Kilogramm, ungespritzt und vom Baum gefallen. Gelagert wurden die Früchte in der Garage. „Und der Orangenduft war ein Traum“, erinnert sich seine Frau Roswitha. Neben Orangen wurde vor allem Obst aus dem eigenen Garten für Hochprozentiges verwertet. Die rund 35 Bäume warfen im Jahr zwischen 10.000 und 15.000 Kilogramm Obst ab.

Genug also, um auch ein paar Tropfen für die Freunde der Bregenzer Faschingsgesellschaft abzufüllen. Seit vielen Jahren sind die Alges Mitglied jenes Vereins, der Jahr um Jahr die Organisation und Durchführung des Gildenballs in die Hand nimmt. „Wiff hatte die Idee, als Gastgeschenk für die Herren Schnaps zu verteilen“, berichtet Richard Elsler, ebenfalls Mitglied im Verein. Das habe Alge bereits vor vielen Jahren das Amt des Hofdestillateurs eingebracht.

Fest. Inzwischen allerdings wurden dem Hofdestillateur seine Zutaten genommen. Doch die Trauer darüber hält sich in Grenzen. Schließlich mussten die Obstbäume weichen, damit auf der Fläche neben Alges Haus zwei der Kinder ihr Heim errichten konnten. So ist sichergestellt, dass Kinder und Enkelkinder nicht nur zum heutigen Geburtstag vorbeikommen. Und natürlich gibt es auch ein Fest. „Diawa jong kummt ma nöma zämmo“ ist das Motto des Festes – ganz wie es sich für ein Lustenauer Urgestein gehört.

„Sommer wie Winter ist mein Vater mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Ein Auto hatten wir nicht.“

Wiff Alge, Lustenau
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