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Öffentlicher Druck als Belastung

Die onkologische Koordinationsstelle am Krankenhaus Dornbirn wird gestärkt. Stadt Dornbirn,  Vol.at/Rauch

Die onkologische Koordinationsstelle am Krankenhaus Dornbirn wird gestärkt.

 Stadt Dornbirn,  Vol.at/Rauch

Debatte um Dornbirner Kinderonkologie erschwert Mitarbeitersuche. Ärztinnen starten Zusatzausbildung.

Von Michael Steinlechner

Über den aktuellen Stand bezüglich der kinderonkologischen Versorgung am Dornbirner Spital haben am Mittwoch die Verantwortlichen informiert. Bürgermeisterin Andrea Kaufmann, Chefarzt Walter Neunteufel und Primaria Edda Haberlandt, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendheilkunde, berichteten von den Fortschritten, die seit einer Informationsveranstaltung im März erzielt worden sind. Ziel des Pressegesprächs sei es, die teilweise sehr emotional geführte öffentliche Debatte um das Thema auf eine sachliche Ebene zu bringen, meinte Kaufmann.

Wenig Fälle. Die Suche nach einem Facharzt für Kinderonkologie habe trotz zahlreicher Bemühungen mithilfe von Inseraten, Direktansprachen oder auch Head-Hunter-Agenturen noch keinen Erfolg gebracht. Die Gründe für die Probleme bei der Facharzt-Rekrutierung seien vielseitig. Das Angebot an Spezialisten auf dem Gebiet ist in Österreich nicht groß. Entsprechend gefragt sind deren Dienste auch andernorts. Zudem gebe es im Dornbirner Spital jährlich etwa elf Fälle im Bereich der Kinderonkologie, rund 50 Patienten würden im Jahr – etwa in der Nachsorge – betreut, berichtete Walter Neunteufel. Dies sei im Vergleich mit den drei onkologischen Zentren in Österreich für Kinder (St. Anna Kinderspital in Wien, Innsbruck, Graz) sehr wenig. Die Fachärzte würden daher eher nicht in die Messestadt kommen, sondern die hochspezialisierten Einrichtungen bevorzugen.

Neunteufel wies zudem darauf hin, dass die Kooperation des Dornbirner Spitals mit der Inns­brucker Klinik eine Besonderheit in Österreich ist. Lediglich in der Steiermark gebe es eine ähnliche Konstellation mit Leoben und Graz. Durch die Zusammenarbeit mit dem kinderonkologischen Zentrum in Innsbruck sei es möglich, dass Vorarlberger Patienten zumindest zwischen den Chemotherapien und bei der Nachsorge in Dornbirn behandelt würden. In anderen Bundesländern gebe es diese Möglichkeit nicht. Betroffene in Kärnten müssten beispielsweise regelmäßig weite Fahrten nach Innsbruck oder Graz auf sich nehmen.

Die Kooperation mit der Inns­brucker Universitätsklinik werde auch weiterhin aufrecht-
erhalten, sagte Primaria Edda Haberlandt. Zwei Ärztinnen aus der Messestadt werden demnächst eine mehrmonatige Zusatzausbildung in Innsbruck beginnen. Dadurch werde sichergestellt, dass auch künftig Blutabnahmen, Kontrollen und die Nachsorge in Dornbirn durchgeführt werden können. Ebenso bleibe das Spital Anlaufstelle für Krebspatienten bei Akutproblemen wie etwa Fieber oder Unwohlsein.

Haberlandt und Neunteufel betonten, dass bei der Wahl des Behandlungsortes immer das Wohl und die Sicherheit des Patienten im Vordergrund stehe. Und die beste medizinische Versorgung gebe es in Innsbruck. Denn dort stehe die entsprechende Anzahl an Fachärzten zur Verfügung, die auch die nötige Erfahrung im Bereich der Kinderonkologie hätten.

Zur Entlastung der Betroffenen wird in Dornbirn ein „Case-Manager“ installiert. Der- oder diejenige wird die Familien beim Stellen von Anträgen und bei der Organisation von Terminen sowie Transporten unterstützen. Die Stelle sei bereits ausgeschrieben worden und es hätten sich sehr viele kompetente Bewerber gemeldet, berichtete Andrea Kaufmann. Sie rechnet damit, dass das Auswahlverfahren Mitte Juli abgeschlossen sein sollte.

Verständnis. Sowohl die Bürgermeisterin als auch die beiden Vertreter des Spitals zeigten am Mittwoch Verständnis für die Sorgen und Ängste der betroffenen Eltern. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass die teils hitzigen Diskussionen und der öffentlich aufgebaute Druck kontraproduktiv seien. Einerseits seien diese belastend für das bestehende Team in der Dornbirner Pädiatrie. Andererseits werde es so auch schwieriger, neues Personal zu rekrutieren.

<p class="caption">Walter Neunteufel, Andrea Kaufmann und Edda Haberlandt.</p>

Walter Neunteufel, Andrea Kaufmann und Edda Haberlandt.

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