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„Bürgermeister sein ist kein Beruf“

29.05.2020 • 18:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Zehn Jahre war Michael Tinkhauser Bürgermeister in Bludesch und ist es derzeit immer noch. Hartinger (3)

Michael Tinkhausers Amtszeit geht in Bludesch in die Verlängerung.

Als Quereinsteiger und Alleinstehender hat Michael Tinkhauser 2010 das Amt des Bürgermeisters in Bludesch übernommen. Nach zehn Jahren verabschiedet er sich nun als verheirateter Familienvater und um viele Erfahrungen reicher aus der Gemeindeführung. Ebenfalls nimmt er zahlreiche positive, aber auch negative Erlebnisse aus seiner Amtszeit mit. An die positiven erinnert er sich gerne zurück, die negativen haben ihn als Mensch wachsen lassen, sagt er.

Vor zehn Jahren wurde Michael Tinkhauser zum Bürgermeister gewählt. <span class="copyright">Archiv/Hofmeister</span>
Vor zehn Jahren wurde Michael Tinkhauser zum Bürgermeister gewählt. Archiv/Hofmeister

Die Entscheidung, nicht mehr als Bürgermeister zu kandidieren, hat Tinkhauser auch getroffen, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Denn die Tätigkeit als Gemeindeoberhaupt ist herausfordernd. „Bürgermeister sein ist kein Beruf, es ist dein Leben“, bringt es der Bludescher auf den Punkt. Schließlich sei man Ansprechpartner für zahlreiche Anliegen der Bürger, dazu kämen auch viele Veranstaltungen, die es zu besuchen gilt, und die ganz normalen Tätigkeiten, die ein Gemeindechef zu bewältigen hat. „Ich habe den Aufwand zu Beginn meiner Amtszeit unterschätzt“, gibt Tinkhauser offen zu.

Zur Person

Michael Tinkhauser ist 2010 als Quereinsteiger in die Gemeindepolitik gekommen. Zuvor war er Leiter der Lehrlings- und Jugendabteilung der Arbeiterkammer. Bei der Bürgermeister-Direktwahl setzte er sich damals gegen drei weitere Kandidaten durch und erzielte bereits im ersten Wahlgang 52,77 Prozent. 2015 trat er als einziger Kandidat der Einheitsliste „Gemeinsam – Liste für Bludesch“ an und wurde mit 86,66 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Dennoch möchte er die vergangenen zehn Jahre nicht missen. Schließlich hatte er als Bürgermeister auch die Gelegenheit, das eigene Lebensumfeld mitzugestalten. So wurde beispielsweise ein neuer Campus errichtet, auf dem zahlreiche Einrichtungen zur Unterstützung von Familien untergebracht sind – von der Elternberatung über den Kindergarten und die Volksschule bis hin zu verschiedenen Betreuungsangeboten für Klein- und Volksschulkinder. „Kinder sind unsere Zukunft“, meint Tinkhauser. Umso wichtiger sei es, sie bei ihrer Entwicklung zu fördern.

Lebensraum mitgestalten

Der Bürgermeister ist sich bewusst, welche Mitverantwortung er für die Gestaltung des Lebensraumes der Bürger trägt. Es war für ihn daher auch keine Frage, dass er länger im Amt bleiben wird, nachdem die Gemeindewahlen am 15. März abgesagt worden sind: „Ich habe die Entscheidung zur Kenntnis genommen und war dann gleich wieder im Arbeitsmodus.“ Denn in Bludesch stehen einige Projekte an, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. So plant etwa Sutterlüty einen Neubau des bestehenden Marktes im Ort. Dafür ist jedoch eine Widmung als Einkaufszentrum notwendig. Der entsprechende Antrag liegt derzeit beim Amt der Vorarlberger Landesregierung. Außerdem mussten die Weichen gestellt werden, um auf dem Friedhof neue Urnengräber zu schaffen. Die Projekte hätten eigentlich vom neuen Bürgermeister umgesetzt werden sollen. Nun kümmert sich eben Tinkhauser bis zur geplanten Wahl Anfang September darum.

Im Gespräch zeigt sich der Gemeindechef entspannt über die Verlängerung.
Im Gespräch zeigt sich der Gemeindechef entspannt über die Verlängerung.

Die politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Corona-Krise wurden Die politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Corona-Krise wurden weitgehend auf Bundes- und Landesebene getroffen. Dennoch gab es auch für die Verantwortlichen in den Gemeinden genügend zu tun. So musste dafür gesorgt werden, dass die Bürger weiterhin einen Ansprechpartner für ihre Anliegen haben und die Arbeit im Rathaus weitergeht, auch wenn das Gebäude für Parteienverkehr geschlossen ist und die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Ebenso galt es, in den Gemeindeeinrichtungen für eine ausreichende Versorgung mit Schutzmaterial wie etwa Masken oder Desinfektionsmitteln zu sorgen. Diese Dinge hatte man natürlich nicht in ausreichendem Maße lagernd.

Aktuelle Informationen

Besonders wichtig war es aus Sicht von Tinkhauser, die Bevölkerung laufend über die aktuelle Situation zu informieren. In regelmäßigen Abständen wurden daher Informationsschreiben mit den neuesten Entwicklungen veröffentlicht. Einerseits sind diese auf der Webseite der Gemeinde nachzulesen. Andererseits wurden sie von Freiwilligen an die Haushalte verteilt. Die Bludescherinnen und Bludescher sollten wissen, dass die Verantwortlichen im Rathaus trotz des Lockdowns für sie da sind.

Das Gemeindeamt Bludesch ist vorerst noch länger Tinkhausers Arbeitsplatz.
Das Gemeindeamt Bludesch ist vorerst noch länger Tinkhausers Arbeitsplatz.

Ein Anliegen war dem Bürgermeister immer auch das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde. Dieses wurde aufgrund des Coronavirus komplett zurückgefahren. Veranstaltungen wurden abgesagt, Feste können nicht durchgeführt werden. Das dörfliche Leben wieder hochzufahren wird aus Sicht von Tinkhauser eine Herausforderung werden. Zwar habe es durch die Krise einen digitalen Schub gegeben. In vielen Bereichen habe sich gezeigt, dass sich Dinge auch mithilfe von Videokonferenzen und anderen technischen Hilfsmitteln erledigen lassen. Für Veranstaltungen seien diese allerdings keine Alternative: „Es braucht den persönlichen Kontakt.“

Weiterhin verbunden

Bis zur Wahl wird Tinkhauser nun noch im Amt bleiben. Bis dahin muss beispielsweise noch der Rechnungsabschluss der Gemeinde fertiggestellt werden. Nach dem Urnengang wechselt der Noch-Bürgermeister zum Gemeindeverband. Die Arbeit in den Kommunen wird ihn also weiterhin begleiten – auch wenn er dann nicht mehr in der ersten Reihe steht.

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