Lokal

Die umweltschonende Tankstelle

30.05.2020 • 21:37 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Hartinger       </span>
Hartinger

Tankstelle zwischen Bludesch und Thüringen ist beinahe energieautark.

Der Kunde sieht es nicht und würde es ausgerechnet bei einer solchen Einrichtung auch nicht vermuten. Aber die Energieversorgung des Gebäudekomplexes rund um die OMV-Tankstelle genau an der Grenze zwischen Bludesch und Thüringen samt dazugehörendem Restaurant Bluthu ist eine der umweltschonendsten im weiten Umkreis. Ein großer Teil der zum Betrieb benötigten Ener­gie von Tankstelle samt Shop und Café, des Bluthu und der kompletten Autowaschanlage kann selbst erzeugt werden.

Nachhaltigkeit wichtig

Als Besitzer Christian Willi, das Hauptgebäude vor über zehn Jahren plante, erklärte er allen Beteilig­ten, dass er so nachhaltig bauen wolle wie irgend möglich. Und Architekt, Installateur und Co. folgten seinem Wunsch. Das Gebäude ist nun besonders sorgfältig isoliert, die Scheiben sind metallbedampft. Heißwasser wird mit der Abwärme, die durch die Kompressoren der Kälteanlagen, die zur Kühlung der Lebensmittel für Restaurant und Tankstellencafé gebraucht werden, erzeugt. Dieses wird zur Warmwassergewinnung und Heizung im ganzen Haus verwendet. Aber auch das Wasser für die Selbstbedienungs-Auto­waschanlage wird so erhitzt. Was noch zusätzlich an Energie benötigt wird, gewinnt eine Grundwasserwärmepumpe. Diese wird im Sommer auch dazu verwendet, das Haus zu kühlen. Auf diese Weise können im Gebäude der Willi GmbH 17.000 Liter Heizöl im Jahr gespart werden.

Doch das ist noch nicht alles. Auf den Gebäuden und der Überdachung der Zapfsäulen befindet sich seit knapp zwei Jahren eine riesige Photovoltaik­anlage. Mit einer Jahresleistung von rund 80.000 Kilowattstunden (circa zwölf Einfamilienhäuser) kann praktisch der gesamte Stromverbrauch der Firma abgedeckt werden. Die Photovoltaik­anlage hat seit ihrer Inbetriebnahme im September 2018 139 Megawattstunden Strom erzeugt. Um dieselbe Menge Ener­gie zu erzeugen, müssten 1897 Bäume gefällt werden. Durch die Anlage konnten bis jetzt 74 Tonnen CO2 eingespart werden.

Auch rentabel

Das macht Chris­tian Willi stolz und glücklich. „Energiesparen ist einfach mein Ding“, sagt der 53-Jährige. Er sei kein verbissener Grüner, aber wann immer er in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltschutz wirken könne, tue er es. Solarenergie hat ihn stets fasziniert. Bereits beim Bau seines Privathauses vor 25 Jahren ließ er eine Solaranlage montieren.

Die Tatsache, dass ihm seine Investitionen in den Umweltschutz zusätzlich finanziell etwas bringen, macht ihn doppelt froh. „Denn ich bin auch Kaufmann“, sagt er. „Wenn etwas nachhaltig und gleichzeitig rentabel ist, dann ist es etwas für mich.“ Als Firmenfahrzeug hat er sich ein Elektroauto angeschafft. Dieses lädt er über die Solaranlage. Und es erfüllt ihn mit Genugtuung, wenn er weiß, dass es ihn nichts kosten wird, wenn er damit fährt.

Mehrmals täglich wirft Willi einen Blick auf sein Handy und sieht nach, was seine Anlagen leisten.<br><span class="copyright">Hartinger</span>
Mehrmals täglich wirft Willi einen Blick auf sein Handy und sieht nach, was seine Anlagen leisten.
Hartinger

Willi mag es nicht, wenn Ener­gie sinnlos verschwendet wird. Wenn irgendwo ein Licht brennt, das nicht brennen muss, geht er hin und schaltet es aus. Auf seinem PC und seinem Handy hat er ein Computerprogramm installiert, auf dem er jederzeit alle Daten ablesen kann, die seine Anlagen liefern. Er kann sehen, wie viel Energie seine Voltaik­anlage gerade produziert und wie viel verbraucht wird. Wie viel er doch noch von den Illwerke vkw zukaufen muss, oder wie viel er ihnen liefert. „Sicher fünf Mal am Tag schaue ich drauf und sehe nach, wie es gerade steht“, erzählt er und lacht.

Kein Widerspruch

Für ihn ist es kein Widerspruch, sich für die Umwelt einzusetzen und gleichzeitig Benzin und Diesel zu verkaufen. Mit einer Tankstelle Geld zu verdienen, wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Auf einem der ersten Kinderfotos sieht man ihn bei genau dieser Tankstelle stehen. Sie gehörte damals seinem Großvater und seine Mutter half aus. Später pachtete er sie. Vor zwölf Jahren kaufte er sie und das umliegende Areal dann, als sich die Möglichkeit dazu bot. Davor hatte er unter anderem die OMV-Tankstelle in Nenzing oder die in Feldkirch-Altenstadt übernommen. Bis letztes Jahr führte er auch eine SB-Autowaschanlage in Dornbirn. Dass er kein Problem damit hat, Kraftstoff zu verkaufen, heißt nicht, dass er sich nicht Gedanken darüber macht, wie es in dieser Branche weitergehen wird. Im Gegenteil.

Photovoltaik­anlage

– seit September 2018 139 MWh Strom erzeugt,

– Gesamtfläche: 470 Quadratmeter

– Leistung: 80 Kilowatt Peak

– Jahreserzeugung: 80.000 kWh

– 289 Module

„Es ist gut, dass jetzt wirklich über neue Technologien nachgedacht wird“, sagt er. Und wenn sie dann da sind, wird er dementsprechend umrüsten. Dass Elektroautos sich durchsetzen werden, glaubt er nicht. „Sie werden nur eine Ergänzung sein können.“ Dennoch hat er schon ein paar Anläufe unternommen, eine Ladestation für Elektro­autos für seine Kunden zu errichten, die von seiner Voltaikanlage gespeist wird. Es gibt aber noch ein paar Hindernisse zu überwinden.

<span class="copyright">Hartinger</span>Chris­tian Willi ist ein Solar­ener­gie-Fan.
HartingerChris­tian Willi ist ein Solar­ener­gie-Fan.

Gastronomie

Willis Herz schlägt aber auch für die Gastronomie und das Kochen. Vor 15 Jahren gründete er gemeinsam mit seiner Frau Marion das Pub „Habi d’ere“ in Ludesch. Er wollte aber schon immer auch ein Restaurant führen und erfüllte sich schließlich mit dem „Bluthu“ (der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Namen der beiden Ortschaften, in denen es steht, zusammen) auch diesen Wunsch.

Außerdem gründete er einen Cateringservice. Seine gesamte Familie, also auch seine beiden Kinder, sind in den Betrieb all dieser Projekte eingebunden. Jeder hat seinen eigenen Bereich. Willi selbst ist der Manager, gibt aber gerne Aufgaben ab, weil er den Kontakt zu den Gästen liebt und gerne in der Küche hilft oder Menüs plant. Auch in seinem Restaurant setzt er auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Präsentiert am liebsten Biohuhn vom Dünserberg oder Sura Kees aus dem Montafon oder dergleichen. Es geht ihm dabei um Qualität, aber auch darum, die Produzenten aus der Region zu unterstützen. „Wir müssen uns glücklich schätzen, denn wir leben im schönsten Bundesland der Welt“, sagt er und zwinkert mit den Augen. „Unser Wirtschaftssystem, bei dem alles immer billiger wird, ist krank“, erklärt er dann ernst. Er selbst ging – solange es ihn noch gab – beim Greißler in Thüringen einkaufen. „In den riesigen Interspar-Märkten sieht man mich kaum“, sagt er. Auch bei seiner Kleidung versucht er, nachhaltig Produziertes zu finden.

<span class="copyright">Hartinger</span>Die Anzeigen müssen kontrolliert werden.
HartingerDie Anzeigen müssen kontrolliert werden.

Aus Corona lernen

Die Zeit der strengen Corona-Maßnahmen war auch für Willi fordernd. Die Gastronomie war geschlossen. Er durfte nur einige Firmen zu Mittag mit Essen beliefern. Die Tankstelle musste und durfte er offenhalten. Er verzeichnete Einbußen von 70 bis 80 Prozent. Was überrannt wurde, war die Postpartnerstelle, die es neben einem Bankomaten im kleinen „Mini-Willi-Universum“ ebenfalls noch gibt. „Wir konnten den Andrang mit unserem Schalter kaum stemmen“, erzählt er. Die Leute kamen, weil die meisten anderen Postpartnerstellen im Walgau schließen mussten. Er ist froh, dass die Dinge beginnen, einen gewohnteren Gang zu gehen. Für die Zukunft erhofft er sich, dass die Menschen aus der Krise gelernt haben. Dass sie zum Beispiel viel bewusster darauf schauen, ob dort, wo sie Essen gehen, auch nachhaltig und regional gekocht wird.
Willi spielt mit dem Gedanken, den Kunden irgendwie zu zeigen, in welch besonderer Tankstelle oder welch besonderem Restaurant sie sich befinden. Bis jetzt hat er das nicht getan. Willi brüstet sich auch sonst nicht mit dem, was er leistet. Aber vielleicht wird er irgendwo einen Bildschirm anbringen, auf dem die Kunden die Daten der Anlagen ablesen können, so ähnlich wie auf seinem Handy.