Lokal

Pflege: Lockerungen der Besuchsrechte

10.06.2020 • 06:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Pflege: Lockerungen der Besuchsrechte
Hat das lange Warten bald ein Ende? AFP

Pflegeheime öffnen für Besucher. Umsetzung liegt im Ermessen der Heime. 

In den Pflegeheimen des Landes sollen ab 11. Juni Besuche wieder uneingeschränkt erlaubt sein. Auch Kinder dürfen wieder dabei sein. Zudem sind Besuche in den Zimmern erlaubt. Nachdem die ersten Lockerungen Anfang Mai keinen Anstieg an Covid-19-Infektionszahlen brachte, geht man nun einen Schritt weiter. Natürlich unter Einhaltung der bestehenden Schutz- und Hygienemaßnahmen. „Wichtig ist, dass wir langsam wieder in den Alltag zurückkehren können“, betont Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker. „Es war gerade für den Bereich der stationären Langzeitpflege eine sehr schwierige Zeit“, so die Landesrätin. „Ich bin froh, dass nun wieder ein Stück Normalität einkehrt.“
In welche Bereiche die Besucher Zutritt haben werden, liegt in der Entscheidung des jeweiligen Heimträgers. Zu beachten sind jedenfalls die allgemein gültigen Hygiene- und Abstandsregeln, regelmäßiges Händewaschen, Desinfektion und Mund-Nasen-Schutz.

Pflege: Lockerungen der Besuchsrechte
Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker begrüßt die neuen Lockerung. Stiplovsek

„Generell haben die Lockerungen ja schon vor zwei Wochen begonnen. Aber wir sind noch vorsichtig“, so Wolfgang Berchtel von der SeneCura. „Bei uns sieht das so aus, dass ein Besuch im Haus ohne Scheibe aber mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen, wie Maske und Händedesinfektion, möglich ist.“ Auch längere Ausgänge im Freien seien wieder möglich und die Angehörigen können die Bewohner abholen und auch mal mit nach Hause nehmen.
„Was wir aber noch beibehalten werden, ist die Anmeldung vor den Besuchen. Und die Haustüre ist noch versperrt. Das werden wir dann in der nächs­ten Phase lockern. Wir planen die völlige Lockerung dann für den 1. Juli“, so Berchtel weiter.

Pflege: Lockerungen der Besuchsrechte
Die strengen Sicherheitsbestimmung für Besucher von Pflegeheimen werden gelockert. APA

Man wolle trotz der Lockerungsvorgabe des Bundes noch etwas Vorsicht walten lassen. „Das hat aber nicht unmittelbar mit den Todesfällen in Hard zu tun. Wir haben diese Sicherheitsmaßnahmen ja in allen unseren Häusern.“ Das betreffe Besuche im Zimmer und das Mitbringen von Kindern. Generell sei aber die Anzahl der Kinder, die Angehörige besuchen, sehr gering. Auch schon vor Corona. Es gehe dabei eben nicht nur um den Besuch des Einzelnen, sondern um den Schutz aller. „Mir ist bewusst, dass diese Maßnahmen natürlich auch eine Gratwanderung sind. Man muss hier eine Ausgewogenheit bei den Beschränkungen finden.“ Man sei da auch in mehreren Fällen mit der Landesvolksanwaltschaft in Verbindung gewesen, der die Sichtweise von SeneCura auch geteilt habe.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vorarlberger Pflegeheime sind mittlerweile alle negativ auf das Virus getestet worden, dies soll nun in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Es ist geplant, pro Quartal alle Heime einmal durchzutesten. „Trotz der positiven Entwicklungen und guten Zahlen müssen wir nach wie vor aufpassen und wachsam sein“, so Landesrätin Wiesflecker. Die Einrichtungen sollen eine individuelle Risikoeinschätzung vornehmen. 

Pflege: Lockerungen der Besuchsrechte
Noch ist Vorsicht geboten. Viele trauen der Lage noch nicht. AFP

Carmen Helbok-Föger, Geschäftsführerin von Benevit, steht einer generellen Öffnung ebenfalls skeptisch gegenüber: „Man muss schon sagen, dass das alles Empfehlungen sind. Wir sind noch weit entfernt von einem offenen Haus.“ Man bemühe sich sehr wohl, dass die Heimbewohner soziale und familiäre Kontakte wieder vermehrt pflegen können. „Aber der Besuch auf den Zimmern ist tabu bei uns.“ Zudem empfehle man, Kinder unter sechs Jahren noch zu Hause zu lassen. Besuche sind in Besucherräumlichkeiten und Aufenthaltsräumen möglich. Aber eben noch nicht im Wohnbereich. Generell, betont Helbok, sei es wichtig, soziale Kontakt zu ermöglichen. Denn die vergangenen Monate waren schwer genug für alle Beteiligten. Aber: „Man kann nicht alles über ein Papier lösen, man muss einfach auch die individuellen Rahmenbedingungen kennen und mitdenken.“

„Wir haben einen Vier-Stufen-Plan für unsere Häuser entwickelt. Derzeit sind wir in Stufe drei. Somit wollen wir verhindern, dass bei einer möglichen zweiten Welle alles wieder heruntergefahren werden muss“, so Berchtel. Es gebe auch individuelle Lösungen, die von unterschiedlichen Gegebenheiten abhängen: „Ich denke da vor allem an Palliativ-Patienten und demenzkranke Personen. Da war und ist natürlich ein Besuch im Zimmer auch möglich. Da muss es Sonderlösungen geben.“

Landesrätin Katharina Wiesflecker betont unterdessen, dass die Umsetzung der Lockerungen generell im Ermessen der Einrichtungen liege. Auch verstehe sie, dass manche Häuser, vor allem die, die davon unmittelbar betroffen waren, vorsichtiger sind als andere.
„Aber wir wollen einfach, so schnell es geht, eine Normalität in die Pflegeheime bringen. Und prinzipiell muss man bei aller Vorsicht abwägen, ob die Vereinsamung nicht der zu hohe Preis für die Sicherheit ist“, meint Wiesflecker.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.