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Psychisch Kranker stach mehrmals zu

16.06.2020 • 21:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Psychisch Kranker stach mehrmals zu
Vor und in dieser Wohnhausanlage in Bregenz ist es zu den Messerattacken gekommen.

Schizophrener Täter wurde in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Der schon mit 17 Jahren an Schizophrenie erkrankte 24-Jährige setzte seine Medikamente ab und meinte am 24. September 2019, ein Atomkrieg sei ausgebrochen. Stimmen befahlen ihm nach eigenen Angaben, er müsse Menschen umbringen, um nicht selbst umgebracht zu werden.

Psychisch Kranker stach mehrmals zu
Verteidiger Stefan Harg Seff Dünser

Unter dem Einfluss einer Psychose stach der Arbeitslose mit einem Jausenmesser in der Bregenzer Wohnung seiner Unterkunftgeberin zumindest zehn Mal auf eine 45-jährige Besucherin ein. Danach attackierte er mit einem Tranchiermesser mit einer 19 Zentimeter langen Klinge auf der Mariahilfstraße einen 48-jährigen Passanten mit zumindest 15 Stichen. Nach dem ersten Stich lag der türkische Bauarbeiter rücklings auf dem Boden. Drei junge Männer schritten während des Angriffs auf den Fußgänger ein. Sie hatten den Eindruck, ohne ihr Eingreifen hätte der Angreifer sein Opfer umgebracht.

Psychisch Kranker stach mehrmals zu
Opferanwältin Anita Einsle Seff Dünser

Einlieferung in psychiatrisches Gefängnis

Die Geschworenen werteten die beiden Messerattacken jeweils als versuchten Mord. Die Laienrichter schlossen sich der Ansicht von Gerichtspsychiater Reinhard Haller an. Demnach war der 24-Jährige wegen seiner schweren psychischen Krankheit nicht zurechnungsfähig. Und er ist ohne psychiatrische Behandlung gefährlich. Deshalb wurde der unbescholtene Betroffene beim gestrigen Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch auf unbestimmte Zeit in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Entlassen werden soll der junge Mann aus dem psychiatrischen Krankenhaus oder psychiatrischen Gefängnis erst dann, wenn er als nicht mehr gefährlich eingestuft wird. Wäre der Täter bei den Mordversuchen zurechnungsfähig gewesen, hätte der Strafrahmen zehn Jahre bis lebenslängliche Haft betragen.

Mit Jausenmesser auch Nachbarin verletzt.

Am Tatabend hat der 24-Jährige mit dem Jausenmesser zwei weitere Menschen verletzt. Seine 66-jährige Unterkunftgeberin und die 63-jährige Wohnungsnachbarin kamen dabei mit leichten Blessuren davon. Dazu ist das Strafverfahren gegen den 24-Jährigen bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch noch anhängig. Die Opfer der als Mordversuche beurteilten Messerangriffe haben sich inzwischen physisch gut erholt, leiden aber unter den psychischen Folgen der Taten. Die 45-jährige Frau befindet sich in psychiatrischer Behandlung. Der 48-jährige Mann sagte als Zeuge, er schlafe schlecht und habe auf der Straße manchmal Angst vor anderen Menschen.

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