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„ORF-Entlassung steht auf wackeligen Beinen“

18.06.2020 • 05:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Bei der Kündigung ging es um die Isolationszone im ORF Vorarlberg. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Bei der Kündigung ging es um die Isolationszone im ORF Vorarlberg. Klaus Hartinger

Richterin bezweifelt beim Prozessauftakt Rechtmäßigkeit.

Die Entlassung steht auf wackeligen Beinen. Sie wird vor diesem Gericht schwer halten“, sagte Richterin Feyza Karagüzel gestern in der ersten Verhandlung im Arbeitsprozess zwischen einem entlassenen Vorarlberger ORF-Redakteur und dem ORF. Die Arbeitsrichterin des Landesgerichts Feldkirch gab damit ihre vorläufige Rechtsmeinung kund.

Corona-Sicherheitsvorschriften

Der ORF hat, wie berichtet, Ende März den Redakteur entlassen, weil er gegen die internen Corona-Sicherheitsvorschriften verstoßen haben soll. Demnach hat der langjährige Mitarbeiter verbotenerweise die Isolationszone im Landesstudio Vorarlberg betreten, obwohl er während der Corona-Krise damals nicht zum isolierten Mitarbeiterteam zählte. Dort hat der Kulturredakteur in einem Studio eine Kultursendung für Radio Vorarlberg aufgenommen.

Keine Schilder oder Plakate

Richterin Karagüzel bemängelte am Mittwoch bei der vorbereitenden Tagsatzung, dass der ORF nicht mit Schildern oder Plakaten vor der Isolationszone auf das verbotene Betreten aufmerksam gemacht hat.

Philipp Längle vertritt den entlassenen ORF-Redakteur. <span class="copyright">Seff Dünser</span>
Philipp Längle vertritt den entlassenen ORF-Redakteur. Seff Dünser

Klagsvertreter Philipp Längle hält die Entlassung für unrechtmäßig und will erreichen, dass sein Mandant wieder für den ORF arbeiten darf. Der entlassene Redakteurssprecher ist aber auch bereit, nicht mehr für den ORF zu arbeiten, wenn er dafür mit drei Jahresgehältern im Ausmaß von 166.00 Euro entschädigt wird. Der beklagte ORF bot gestern für eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses ein Jahresgehalt an. Die Richterin gab den Streitparteien bis 22. Juli Zeit, sich über einen Vergleich mit einer finanziellen Entschädigung zu einigen.

Redakteursrat: Racheaktion

Für den Wiener ORF-Redakteursrat ist die Entlassung eine Racheaktion, um einen unliebsamen Redakteurssprecher loszuwerden. Zumal ein anderer Kulturredakteur für dasselbe Verhalten nicht entlassen worden sei.

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