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AK: Urlaub ist Privatsache

27.06.2020 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Auslandsaufenthalt, ist an sich nicht grob fahrlässig.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Der Auslandsaufenthalt, ist an sich nicht grob fahrlässig.Shutterstock

Reisen in Coronazeiten grundsätzlich keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

Die Grenzen sind offen, gleichzeitig wird vor Reisen gewarnt. Das Außenministerium stuft Nachbarländer nämlich als Hochrisikogebiete ein. So manche Vorarlberger Unternehmer verleitet diese Lage zu eigenartigen Regelungen, die Mitarbeitern aufgezwungen werden. Doch ist das zulässig und kann eine Urlaubsreise tatsächlich im arbeitsrechtlichen Fiasko enden?


Der Arbeitgeber darf dem Arbeitnehmer nicht vorschreiben, wo er seinen Urlaub verbringt“, bringt es Arbeiterkammer-Jurist Christian Maier auf den Punkt. Grundsätzlich ist Urlaub eine private Angelegenheit. Wo sich der Arbeitnehmer in der Freizeit aufhält, hat den Arbeitgeber nicht zu interessieren. „Der Chef darf keine Vorschriften machen, welche Länder besucht werden dürfen“, ergänzt Maier. Arbeitnehmer können nach geltender Rechtslage auch nicht dazu verpflichtet werden, ihre Urlaubsdestination bekanntzugeben.

“Der Chef darf keine Vorschriften machen, welche Länder besucht werden dürfen und welche nicht.”

Arbeiterkammer-Jurist Christian Maier

Reisewarnung

arum das Außenministerium Österreich als coronasicheres Land einstuft und alle anderen nicht, erschließt sich für den Juristen nicht. Ein Arbeitnehmer könne sich genausogut im Österreichurlaub mit Covid-19 infizieren. Es wird in der Praxis wohl schwer nachzuvollziehen sein, wo sich ein Erkrankter angesteckt hat. Im Ausland, im Flieger oder daheim, weil er anschließend noch zwei Tage Urlaub in der Heimat verbrachte.

Kein Verschulden

Wer sich an alle Auflagen hält, egal ob im In- oder Ausland, dem wird kein Verschulden vorgeworfen werden können. Auch wenn er krank wird. Es müssen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen gefürchtet werden.
Und so darf auch das nahe gelegene Italien bereist werden. „Auch um die Lombardei ist keine Mauer gezogen, es ist kein Sperrgebiet wie Nenzing es war. Aber in der Region gibt es natürlich Auflagen, an die es sich zu halten gilt“, mahnt Maier. Selbst wenn eine Region, in der sich der Arbeitnehmer befindet, plötzlich abgeriegelt wird, ist das nicht dem Betroffenen zuzuschreiben.

Christian Maier, Abteilungsleiter Arbeitsrecht AK Vorarlberg.<span class="copyright"> Arbeiterkammer</span>
Christian Maier, Abteilungsleiter Arbeitsrecht AK Vorarlberg. Arbeiterkammer

Sollte tatsächlich der Fall einer epidemischen Krankheit wie Covid-19 eintreten, dann regelt das Epidemiegesetz die Situation. Mit BH-Bescheid ist dann der Betroffene abzusondern, und der Arbeitgeber muss den Lohn weiterzahlen – kann sich das Geld aber vom Bund wieder holen. „Ein Geldproblem wird es also auch nicht geben“, räumt Maier ein.

Grob Fahrlässigkeit

Wer allerdings eine Krankheit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeiführt, bekommt kein Geld vom Arbeitgeber. Der Jurist nennt als Beispiel das Mitmischen in einer Wirtshausschlägerei. In Bezug auf Covid-19 ist es wohl die Teilnahme an einer „Corona-Party“. Fälle dieser Art hat Maier jedoch in 20 Jahren nicht auf dem Tisch gehabt. Der Auslandsaufenthalt an sich ist nicht grob fahrlässig.

Türkeireisen

Der Sommer ist erfahrungsgemäß auch klassisch für Türkei-Reisen. Mitarbeiter wollen ihre Verwandtschaft besuchen, und mancher Arbeitgeber verbietet das. „Das geht nicht“, betont der Jurist. Wenn es Quarantäne einzuhalten gibt, dann müssten die Betroffenen zwei Wochen Urlaub zusätzliche einplanen. Drei Wochen Türkei, zwei Wochen Quarantäne in Vorarlberg. „Es darf niemand bestraft werden, der sich an die gesetzlichen Regelungen hält.“

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