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Ticketinstitution erliegt dem Lockdown

03.07.2020 • 20:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ticketinstitution erliegt dem Lockdown
SHUTTERSTOCK

Musikladen GmbH in Götzis hat ein Insolvenzverfahren eingeleitet.

Die Schockwellen des von der Regierung für weite Kreise von Wirtschaft und Gesellschaft in Österreich verordneten Lockdowns nehmen weiter Fahrt auf. Jetzt hat es in Vorarlberg eine seit Jahrzehnten bekannte Institution im Ticket- und Veranstaltungsbereich getroffen. Wie die Musikladen GmbH in Götzis am Freitag mitteilte, werde sie aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit am Landesgericht Feldkirch den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Eine Fortführung des Unternehmens ist nicht geplant.

Mögliche Millionenpleite

Der nunmehrige Schritt habe mit den „drastischen Geschäftsausfällen“ durch denLockdown zu tun, der die Veranstaltungsbranche im Musik- und Kulturbereich seit März 2020 komplett zum Erliegen gebracht habe, heißt es in der Mitteilung. Von der Insolvenz seien 45 Mitarbeiter (VZÄ) betroffen. Die Höhe der Passiva belaufe sich auf 1,2 Millionen Euro. Ihnen stehen 147.000 Euro an Aktiva gegenüber.


Der Musikladen in Götzis hat Vorverkaufsstellen in Vorarl­berg, St. Gallen und Lindau und hat in den vergangenen 40 Jahren für mehr als 100.000 Veranstaltungen in der Region Tickets im gesamten deutschsprachigen Raum verkauft. Das zweite Standbein umfasste Eigenveranstaltungen mit Künstlern wie etwa Twist of Fate, nationalen Bands wie STS, Falco, Josh oder Edmund und auch internationalen Größen wie Bryan Adams, Die Toten Hosen, Deep Purple oder Konstantin Wecker und Erich von Däniken. Viele Künstler nutzten die Vermarktungsschiene des Musikladens für ihre Konzerte und Aufführungen. Da diese jetzt wegfalle, werde sich in weiterer Folge auch für die Künstler eine noch schwierigere Situation ergeben. Vor vier Jahren wurde die Musikladen GmbH vom privaten Vorarlberger Reise- und Busunternehmen Loacker Tours übernommen. „Die Gesellschafter haben seit der Übernahme den Betrieb finanziell immer gestützt und wären auch bereit gewesen, nochmals in weitere Digitalisierungsmaßnahmen zu investieren, um den Ticketverkauf zu automatisieren und so effizienter zu gestalten.

Corona

Aber die Corona-bedingten Umsatzausfälle und die verhaltene Zukunftsprognose im Veranstaltungsbereich für die kommenden Monate machen ein wirtschaftliches Überleben für den Musikladen unmöglich“, sagt Dieter Bitschnau, beauftragter Mediensprecher des Unternehmens.
Das Unternehmen bemühe sich jetzt um eine aktive Informationspolitik und werde in den kommenden Tagen auf seinen Kommunikationskanälen offenlegen, was das für bereits erworbene Veranstaltungstickets bedeute.

Von Günther Bitschnau, wpa.

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